Aufsatz 
Heimatkunde von Friedberg und der Wetterau und ihre Verwertung im Geschichtsunterricht
Einzelbild herunterladen

85

Geistlichen durch einen katholischen; ging dies ohne Schwierigkeiten ab, so ergab sich der allmähliche Uebertritt der Gemeinde ziemlich von selbst; nur wo der lutherische Pfarrer oder benachbarte protestantische Herrschaften eine Gegenaktion einleiteten, verzögerte sich die Wieder- herstellung des Katholizismus. Als 1606 in Nieder-Mörlen der lutherische Pfarrer*) durch einen katholischen ersetzt wurde, beschlagnahmte die Hanauer Regierung sämtliche Gefälle, die seither aus der Nauheimer Gemarkung nach Nieder-Mörlen flossen, und ließ die auf dem Johannis- berg stehende Kirche, die den Nieder-Mörlern seither als Pfarrkirche diente, zerstören, nur der Kirchturm blieb stehen; er ist jetzt zum Aus- sichtsturm ausgebaut; wo sich die Kirche anschloß, ist noch deutlich er- kennbar, und die Erinnerung, daß hier oben eine uralte Stätte der Gottes- verehrung war, wirkt weiter in einer merkwürdigen Sitte: alljährlich wird am Ostersonntag nachmittags auf dem Johannisberg im Freien Predigt und Gottesdienst gehalten.

Mit dem Jahre 1610 war die Wiederherstellung des katholischen Kultus in Oppershofen, Rockenberg, Ober- und Nieder-Mörlen, Kransberg, Pfaffen-Wiesbach und Ober-Wöllstadt völlig durchgeführt.

Mit der Herrschaft Königstein hatte Mainz 1581 auch die Hälfte von Vilbel erhalten, die andere Hälfte gehörte der Grafschaft Hanau. Eingeführt war die Augsburgische Konfession; die Einsetzung und Ein- führung der Pfarrer geschah nun gemeinsam, was natürlich stets zu langen Verhandlungen Anlaß gab. Mit einem katholischen Pfarrer konnte Mainz nie durchdringen, dafür unterstützte es die Lutheraner in ihrem Widerstand, als die Hanauische Herrschaft den Kalvinismus in Vilbel einführte. Erst während der schwedischen Occupation von Mainz, 1632, vollzog sich der völlige Bruch mit dem seitherigen Stand des Religions- wesens in Vilbel, doch baten noch 1664 die Vilbeler Bürger den Kur- fürsten von Mainz, ihnen zu einem Pfarrer zu verhelfen, der lutherischen, nicht reformierten Bekenntnisses sei.

Dem Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn, 1647 73, gelang

¹) Konrad Rossbach, zugleich litterarisch tätig. Er hat zwei Bücher verfasst, die für die Geschichte des deutschen Volksglaubens und für die Wetterauer Dialekt- forschung von Wert sind: Paradeissgärtlein, darinnen die edlste vnnd fürnembste Kräuter nach ihrer Gestalt vnd Eigenschaft abcontrafeytet vnd mit zweyerley Wirkung, Leiblich vnd Geistlich auss den besten Kräuterbüchern vnd H. Göttlicher Schrifft zu- sammen geordnet vnd beschrieben sind. Durch den Ehrw. Herrn Conradum Ross- bachium, Pfarrberrn zu Nieder-Mörlen und S. Johanns Berg in der Wetteraw.. Frankfurt 1588, und: Rosa D. Mariae. Das ist Christliches und Geistliches Rosen- gürtlein gestellt und zusammengetragen durch Conradum u. s. w., Frankfurt 1587. Recht ansprechende Proben daraus giebt Anton Birlinger: Sittengeschichtliches und Sprachliches aus Hessen, Archiv XV, S. 376 u. f.