2. Eintühruns des Christentums und der fränkischen Gauverfassung.
Als die Wetterau wieder in das Licht der Geschichte rückte, er- innerte nur noch weniges an die untergegangene Römerherrschaft. Vier Orte nannten sich nach ihrer Lage am Pfahlgraben, hiervon sind Palheim bei Steinberg, Palheim auch Polheim bei Grüningen und Polheim oder Polem bei Ober-Florſtadt gegenwärtig Wüſtungen, erhalten nur Pohlgöns (Palgunese) und Leihgeſtern(Leitcastrum). Sonſt sind alle Ortsnamen, auch wenn die Orte sich auf römischen Trümmern erhoben, rein deutsch und zwar fast alle fränkisch.
Von den Alemannen, die zuerst die Römer niederrangen, sind nach ihrer Besiegung durch die Franken nur vereinzelte Niederlassungen in den fruchtreichen Flußtälern erhalten geblieben: im Gebiet der Wetter: Oppershoven, Obbornhoven, Gredewilre, der Usa: Morwilre, Bonhoven, der Nidda: Turchwilre, Rantwilre, Phetirwilre, Felwilre, an der Horloff: Achizwilre. In dem einst ihren Vätern, den Chatten, gchörigen Land, auf den Trümmern einer vierhundertjährigen Kultur wohnten jetzt die Hessen, politisch zum Frankenreich(Austrasien) gehörig. ¹) 1
Geschichtliche Kunde aber haben wir von dieser Neugestaltung durch christliche Nachrichten. Der Wiedereintritt dieses Gebietes in das geschichtliche Leben hängt eng zusammen mit dem Einzug des Christentums.
Daß schon dic römischen Legionen, die hier lagen, Christen unter sich zählten, ist nicht unwahrscheinlich, und die Annahme wird gestärkt durch Funde in Heddernheim und auf der Saalburg und in Arnsburg mit Gestalten und Zeichen, die gewöhnlich der christlichen Symbolik zugeschricben werden: Fibeln mit Kreuz und MonogrammChristi Dar- stellungen, Bronzelampe in Gestalt einer Taube mit christlichem Mono- gramm, eingeritztes Fischbild, Delphin u. a. ²)
In die Bevölkerung selbst aber wurde das Christentum zuerst ge- tragen durch die irischen Mönche(Schotten), die in unwider- stehlichem Wandertrieb bis Ende des 7. Jahrhunderts Deutschland und die Schweiz aufsuchten.
Der hl. Kilian wird auf seinem Zuge von Mainz nach Thüringen auf der alten strata publica, der Landstraczza, die die Kaufleute von Thüringen nach Mainz führte, um 6900 die Wetterau passiert haben.
¹) Rieger über Ansiedelungen der Chatten. Archiv XV, S. 1—23. ²) Archiv IX, S. 246.


