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Anderseits iſt jetzt aber nachgewiesen, daß die Römer bei ihren Straßenanlagen vielfach schon vorgeschichtliche Wege benutzten. ¹) So finden wir bei allem Wechsel der Kultur doch auch wieder etwas blei- bendes, und wo menschliche Arbeit und Kunſt den Wegen folgt, die die Natur gewiesen, überdauert sie wohl die Stürme der Zeiten.
Mit dem 3. Jahrhundert beginnt der ununterbrochene Anſturm der Germanen gegen das römische Reich. Von der Regierungszeit des Kaisers Caracalla an(211— 217) bis zu der des Kaisers Probus(276— 282) wird mit wechselndem Glück um die Wetterau gekämpft. Das muß ein furchtbares Ringen gewesen sein zwischen den anſtürmenden Chatten und Alemanen ²) und den zäh den Boden verteidigenden Römern. Kaſtelle wurden genommen und wieder verloren und wieder erſtürmt und in Asche gelegt, und Ströme Blutes näßten den Boden.
Den Keulenschlägen jugendfrischer Barbaren erlag schließlich die überreife römische Civilisation, in Trümmer sanken Villen, Tempel und Kaſtelle; in den Rissen der Ruinen sprosste junger Wald, mit seinem Dunkel geheimnisvoll sie deckend, bis in unserer Zeit der Wissensdurſt der Archäologen den Boden nach allen Richtungen durchwühlt, jede römische Scherbe pietätvoll bergend.
Zwar kannte auch der mittelalterliche Bauer manche dieser Trümmer- ſtätten; der schlechte Stand der Saaten, der sich scharf vom fetten Wachs- tum umher abhob, verriet ihm die Richtung unterirdischen Gemäuers, und er nannte das Feld„auf der Mauer“: bei Vilbel, Holzhausen v. d. H. und Inheiden, im Bellersheimerwald, oder das Steingelage erwies sich ihm als die Reste einer„alten Burg“: bei Wickstadt, im Bellersheimer Wald und bei Arnsburg, eines„steinernen Hauses“: bei Wölfersheim; eine dunkle Sage schrieb die Trümmer Hunen und Heiden zu: Hunenburg bei Butzbach,„Heidenkopf“ zwischen Okarben und der neuen Herberge.
Aber eine klare Vorstellung der Sache, ein Begriff der Zeit, fehlte. ³) Diese großartige römische Kulturwelt war vergangen und vergessen.
¹) Fabricius: Besitznahme Badens durch die Römer S. 5—7, S. 43.
²) Ober-Appellationsgerichtsrat Kraft: Beitrag zur Geschichte der Römer in in der Wetterau, Archiv XIII, S. 146.
³) Wie unklar sind die Vorstellungen selbst bei Erasmus Alberus:
„Rings umbher ligt ein grosser Waldt, Reicht er biss in das Hessenlandt, Darumb die alten Heyden haben Zur rechten handt, biss an den Rhein, Bey zehen meil' umbher gegraben, Das kan ein langer Polgrab sein. Ein lange zeit, eh Jhesu Christ Derselbig Grab vergeht nun sehr, Auff erden mensch geboren ist, Dieweil man seiner acht nicht mehr, Den graben man noch sehen kan, Das alter so feindselig ist;
Er wird genent von jedermann Beid, zeit und alter, alles frisst.“
Der Polgrab, und zur lincken handt


