Aufsatz 
Heimatkunde von Friedberg und der Wetterau und ihre Verwertung im Geschichtsunterricht
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keilt, 2 3 m ragten die Pfähle über die Erde empor, je fünf etwa kamen auf einen Meter, alle waren durch Querhölzer unter einander verbunden. Das Gräbchen, worin die Pallisaden ſtanden, wurde in der erſten Hälfte der 900er Jahre durch Geh. Oberschulrat Soldan überzeugend nachgewiesen.

Diese Pallisadenmauer bezeichnete Freund und Feind die römischen Grenzen am augenfälligſten und in der Bezeichnung Pfahlgraben) wirkt dieser Eindruck heute noch nach.

Der breite Graben freilich trat erſt später hinzu, vielleicht in der Zeit des Caracalla und hängt mit der veränderten Aufgabe des Limes zu- sammen. Der Pallisadenzaun des Hadrian scheint wesentlich der Grenz- sperre gedient zu haben zur Ueberwachung des Durchgangsverkehrs im Interesse der Zollerhebung.

Als aber mit dem Beginn des 3. Jahrhunderts die Angriffe der Germanen wieder anhoben, sah man sich zu ſtärkerem Grenzschutz ge- nötigt; nach dem Inland zu wurden Graben und Wall aufgeworfen ²) Graben und Wall sind also jünger als Steintürme und Pfähle, diese wieder jünger als Flechtenzaun, Holztürme und Erdkaſtelle. Drei Bau- perioden für die Grenzbefeſtigungen lassen sich also deutlich auseinander- halten; auch am Bauschutt der Kaſtelle lassen sie sich nachweisen. Die Saalburg wird zu Caracallas Zeit zum drittenmal erbaut. Die Kapers- burg erhebt sich über einem älteren ebenfalls ummauerten Kaſtell und zwar so, dass ihre Mauern zum Teil in den Umfassungsgraben des älteren Kaſtells zu ſtehen kamen. Innerhalb des älteren Steinkaſtells haben sich wieder die Reſte eines noch älteren Erdkaſtells gefunden, das denselben Charakter hat wie die Erdschanzen, die im Abſtand von 2 3 km von Butzbach her nach dem Winterſtein sich ziehen, wovon bis jetzt etwa 10 feſtgeſtellt wurden, und die in die erſte Zeit der dauernden Besetzung der Wetterau durch die Römer zurückreichen. ³)

Daß der römische Soldat und Armeelieferant im rauhen Klima der Wetterau die Behaglichkeit der südlichen Heimat erſt recht nicht missen mochte, zeigen die Badeanlagen bei den römischen Kaſtellen und der Mosaikboden der römischen Villa bei Vilbel; dass er auch den Sauerbrunnen der Wetterau Geschmack abgewann, beweisen die vielen Münzen, die man im Schwalheimer Brunnen fand, die Reste einer

¹) Die Ableitung des WortesPfahl als Bezeichnung des limes von Reinhard Walz, grossh. Gymnasiallehrer. Beiluge zum Osterprogramm der grossh. Augustiner- schule(Gymnasium und Realschule) zu Friedberg. 1900.(Progr. Nr. 681.)

²) Neujahrsblätter der badischen historischen Kommission 1905: Die Besitz- nahme Badens durch die Römer von Ernst Fabricius; mit einer schönen Limeskarte.

³) Vortrag des Herrn Ministerialrats Soldan auf der Kapersburg. Quartal- blätter 1901, Nr. 3.