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Quellen. Um so mehr erwächst der Schule die Pflicht, das Heimatgefühl da zu stärken und zu pflegen, wo es in ihr eigenes Arbeitsfeld hinein- wächſt. Wo das der Fall ist, werden wir gleich sehen.
„Vater, als ich heute auf der Poſt war, Marken holen, waren an dem einen Poſtschalter so viele Leute und bekamen Geld ausbezahlt, das Botenbärbel und der lahme Anton waren auch darunter.“„Das war die Alters- und Invaliditätsrente, es iſt das Ende vom Monat“, sagte der Vater kurz, dem Wissensdrang des Jungen freilich nicht genügend. „Vater, von wem bekommen denn die das Geld?“„Vom Staat, vom Reich!“ Vielleicht fragt der Junge weiter wer das iſt, vielleicht auch nicht; der Vater hat heute wenig Zeit und iſt zum Erklären nicht aufgelegt. Aber das Wort wird der Junge nicht wieder los und nun hört er es auch öfters: Staatsſtraße, Staatsſteuer, Staatseisenbahn, Reichspost.
So tritt vor die Seele des Jungen, vorerſt nur in dunklen Umrissen, ein größeres Gemeinwesen, von dem seine Heimatgemeinde nur ein Teil iſt.
Etwas anderes erregt schon seit langem seinen Wissensdurſt; in der Kirche, im Gang rechter Hand ſteht eine Grabplatte, sie zeigt einen Ritter in Rüstung; die Großmutter sagt, es sei ein Adeliger und ihr Dorf habe ihm einst gehört, ihm und seiner Familie.„Großmutter, wem ge- hört es denn jetzt? Warum nicht mehr der Familie des Ritters?
Und über dem Eingangstor des großen Pachthofes, die Leute nennen ihn den Mönchhof, ſteht eine alte Inschrift; die Großmutter kann sie auch nicht lesen, es sei Latein, aber der Hof, sagt sie, habe einſt einem Kloſter gehört.„Wo ist denn das Kloſter hingekommen?“ Hier iſt die Stelle wo die Heimatkunde in den Geschichtsunterricht mündet und aus ihm Erklärung und Verſtändnis empfängt, eben deshalb aber auch Berück- sichtigung im Geschichtsunterricht erheischt, denn hier reicht die Familie gar oft nicht aus.
Der syſtematische Geschichtsunterricht liegt nach dem Lehrplan unserer höheren Schulen in den Mittel- und Oberklassen, also hier soll auch Heimatkunde getrieben werden, ja, wie denn das an- fangen? Ich hatte mir schon oft überlegt, ob man nicht an Orten mit großer geschichtlicher Vergangenheit die Heimatkunde zum Träger des eigentlichen Geschichtsunterrichtes machen könnte, die ganze deutsche Geschichte anknüpfen solle an die Denkmale der Heimat. Der Gedanke hat etwas ungemein Verlockendes, und doch wäre der Standort nicht richtig gewählt.
Das Herz regelt körperlich den Blutumlauf des Menschen, und wo es aufhört zu schlagen, erlischt das Leben, und geiſtig iſt ein Mann ohne Herz etwas Häßliches, aber zugleich warnt ein Sprichwort, daß das Herz


