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dem Kopf nicht durchgehen darf. Familie und Gemeinde sind die Grund- lagen des Volkes, die Herzkammern des Volkslebens und der Volks- gesundheit. Träger des geschichtlichen Lebens aber sind nicht Heimat und Familie, sondern Staat und Volk; nur in dieser Zusammenfassung geben die einzelnen Familien und Orte das Aktionsmaterial ab für die geschichtliche Entwicklung; die leitenden Ideen und Persönlichkeiten ge- hören mehr dem Volk als der Familie an. Wie Heimat und Familie trotz ihres Eigenlebens doch auch wieder genährt werden vom geiſtigen Blutlauf des ganzen Volkes, mitgezogen werden in den Aufschwung oder Niedergang der Nation, so ist die höhere Stelle der Heimat- kunde in der Geschichte des gesamten Volkes. Die Hei- matkunde muß eingereiht werden in den Rahmen der Reichsgeschichte; von hier aus erhält die Heimatgeschichte Ver- ſtändnis, Vertiefung und Zusammenhang und sie giebt der Reichsge- schichte dafür Farbe, Leben, greifbare Geſtaltung. Und in dieser Ver- ankerung und Verschwiſterung feſtigen beide sich im Gedächtnis des Schülers.
So haben wir einen feſten Standort für die geschichtliche Heimat- kunde der Mittel- und Oberstufe unseres Schulunterrichtes.
Von hier aus erhalten wir auch Richtlinie für die Sichtung des reichhaltigen Materials; denn gesichtet muß werden, und über das wie? muß man sich auch klar sein.
Ich meine also, aus der Heimatkunde wird das ausgewählt, was dem Gang der Volksgeschichte parallel geht; parallel nicht konform; parallele Linien können auch in entgegengesetzter Richtung sich bewegen. Die Heimatgeschichte kann auch ein retardierendes Element der National- geschichte bilden, sie hat doch Anrecht auf Berücksichtigung; der Wider- ſtand der Vendée iſt ein integrierender Beſtandteil der französischen Ge- schichte, ob auch die Revolution siegte. Was immer aus der Entwicklung der Heimat sich einreihen läßt in die Entwicklungsgeschichte des eigenen Volkes, das verdient Verwertung.
Ausgeschieden wird, was keinen Zusammenhang hat mit der Ge- schichte des Volkes, es mag lokalgeschichtlich noch so interessant er- scheinen; eine gelegentliche Erwähnung iſt damit nicht verwehrt, und das Gelegentliche spielt im Unterricht eine wichtigere Rolle als man gemeinlich glaubt.—
Nach diesen Gesichtspunkten iſt das folgende Material aus der Geschichte Friedbergs und der Wetterau zusammengeſtellt.
Diese Arbeit macht also nicht nur keinen Anspruch auf Vollſtän- digkeit, sie lehnt in gewissem Sinne ein solches Streben ausdrücklich ab. Sie wählt aus dem heimatkundlichen Material das aus, was sich einreihen


