Aufsatz 
Einfluß des französischen Rittertums und des Amadis von Gallien auf die deutsche Kultur
Entstehung
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von Sachsen, die Landgräfin Anna Elisabeth von Hessen, Gräfin zu Katzenellenbogen, die Gräfin Sibylle zu Württemberg und Mömpelgard, die Pfalzgräfin Helene bei Rhein, Herzogin in Bayern, Gräfin zu Hanau und Rieneck, die Freifrau Ursula Riedesel zu Eisenbach u. a. m.

Der herzoglich Wolfenbüttelsche Superintendent und Kirchen- und Schulinspektor Andreas Heinrich Bucholtz(1607 1671) ist gar sehr entrüstet und schimpft zelotisch auf den schandsüchtigen Amadis.« Dies Buch der Jugend in die Hand geben, heitze Ol ins Feuer schütten; viel besser überlasse man es nur den Schaben und Motten zum Durchblättern u. dergl. m. Der eifernde Superiutendent war ein Konkurrent; er hoffte durch seine langweiligen, mit weitschweifiger Gelehrsamkeit ausgesponnenen Romane, welchen er überdies einen theologischen Anstrich gab, den Amadis und Konsorten aus der deutschen Lesewelt zu verdrängen ¹). Ganz besonders ergrimmte er über die»teils närrischen, teils gottlosen Be- zauberungen« im Amadis; damit sprach er das Losungswort seiner Zeit und seiner zeitgenössischen Romanschreiber aus, welche das Wunderbare und Märchenhafte verpönten und nunmehr nur das»Natür- liche und Wahrscheinliche« in ihren Werken darstellen wollten. Der würdige Superintendent nennt dessenungeachtet seine Romane»Wunder-Geschichten,« aber Wunderbares ist nichts darin zu finden als ein abschreckender Wirrwarr in der Erzählung und ein geographisches Durcheinander, zahllose Räuber- abenteuer, blutiges Schlachtengemetzel, in welchem meistens Hunderttausende den Tod finden, eine Uber- fülle von Personen und Begebenheiten, die den Leser wahrhaft schwindlig macht, und das Alles ge- würzt durch erbauliche Diskurse, in welchen der Verfasser, wie Thomasius von ihm rühmt,»fast die gantze Theologie und Philosophie fürgebracht hat« ²).

Wenn Sigmund von Birken(1625 1687) in der Vor-Ansprache zur Aramena von»amadi- sischen und anderen aufschneiderischen, albernen, pedantischen Fabelbruten und Mißigeburten« redet, so entspricht dies ganz dem eitelen und neidischen Charakter dieses nichts weniger als genialen Schrift- stellers, dem jedes von dem Publikum geschätzte Werk verhaßt war, insofern es seinen Ruhm ver- dunkeln konnte, und welcher, um die Sterilität seiner Erfindungsgabe zu verbergen und um originell zu scheinen, die geschmacklosesten Spielereien nicht verschmähte ³).

In welch hohem Grade die Rhetorik der Amadisromane, namentlich der späteren Bücher, welche die früheren an Schwulst und Sprachmengerei weit überbieten, als unfehlbares Muster zierlicher Rede und feiner Lebensart galt, davon gibt Johann Balthasar Schupp(geb. im März 1610 zu Gießzen, gest. den 26. Oktober 1661 zu Hamburg) einen schlagenden Beweis durch seine humoristische Parodie im »deutschen Lehrmeister« ¹4). Auch seine auf die Übersetzer sich beziehenden Bemerkungen sind so treffend, daß die ganze Stelle hier volle Beachtung verdient.

¹) Schon die Titel genügen, um von diesen beiden Romanen einen Begriff zu geben: 1) Des Christlichen Teutschen Groß-Fürsten Herkules. Und der Böhmischen Königlichen Präulein Valiska Wunder-Ge- schichte. In acht Bücher und zween Teile abgefasset und allen Gott- und Tugendliebenden zur Christ- und ehr- lichen Ergetzlichkeit ans Licht gestellet. Braunschweig 1659. 40. 2) Der Christlichen Königlichen Fürsten Herkuliskus und Herkuliska. Auch Ihrer Hochfürstl. Gesellschaft anmutige Wunder-Geschichte. In sechs Büchern abgefasset und allen Gott- und Tugend ergebenen Seelen zur anfrischung der Gottesfurcht und ehrliebenden Ergetzlichkeit aufgesetzet. Braunschweig im Jahr MDCL.XV.

²) Kurz II., 412.

*) Sigmund von Birken dichtete z. B. denFrühlings-Willkomm.«»Auf Art der Gespräche:«

Floridan.

ES fünken, und flinken, und blinken

Klajus. Buntblümichte Auen. Es schimmert, und wimmert, und glimmert Floridan. Frü-perlendes Tauen.

Es zittern, und flittern, und splittern

8 Frischläubichte Aste.

Es säuseln, und bräuseln, und kräuseln

Fl. Windfriedige Bläste.

Es singen, und klingen, und ringen

Kl. Feld-schlürfende Pfeiffen.

Den Mayen, am Reyen, Schalmeyen

1. Der Hirten verschweiffen,« etc.

)»Lehrreiche Schriften, deren sich beydes Geist- als Weltliche, weß Standes und Alters

nützlich gebrauchen können, u. S. w. Frankf. a. NI. 1701, II. Teil, 2. Der Teutsche mit dem edlen Daphnis aus Cimbrien(Joh. Rist).«

1 sie auch sind, Lehrmeister ein Discurs etc.