46
sicht ebenfalls zu verurteilen wären:»So bald zuckten die Helden ein jeder sein gläntzendes breit- spitzes Schwerd, vnd mit grossem Eyffer vnd Grimm auffeinander, daß es einem ein grausen gab; Allhie zubeschreiben, wie viel Streiche, vnd wie harte Streiche sie einander gegeben, daß da der halbe Helm, dort der halbe Harnisch, da dem Pferd ein Schenckel, dem Mann ein arm davon geflogen; daß der eine zehen schritt hinder sich vnd zehen vor sich gesprungen, vnd neun klaffter tieff mit seinem Schwerd in die Erde geschlagen, wie der verlogene Amadis, thörichte Schäfferey, vnd andere Narrenbücher schreiben.
das wirde sich nicht schicken,« etc. ¹).
Neues sagt hier Moscherosch nicht; der Trouvère Jean Bodel von Arras stellt schon im 13. Jahrhundert folgenden Unterschied auf:
»Ne sont que trois matières à nul home antandant:
De France et de Bretaigne et de Rome la grant;
Et de ces trois matières n'i a nule semblant.
Li conte de Bretaigne sont si vain et plaisant; Cil de Rome sont sage et de san aprenant;
Cil de France de voir chaque jor apparant. ²).
Noch bestimmter drückt sich Robert Wace(1112— 1182) aus, indem von den bretonischen Dichtungen sagt:
»Ne tout mensonge, ne tout voir, Ne tout folor, ne tout sgavoir; Tant ont li conteor conté,
Et li fableor tant fablé,
Pour leurs contes embeleter,
Qu'ils ont tout faict fable sembler.«
Thomasin von Zerclere zählt im»welschen Gast« die Heldinnen und Helden der gesamten mittelhochdeutschen Ritterepik auf, welche sich„juncfrowen und juncherrn« zum Muster nehmen sollen. will jedoch am Ende seiner Auseinandersetaung die Rittergedichte nur als Jugendlektüre gelten lassen; wer zu Verstand gekommen sei, solle sich von den unwahren Mären abwenden:
»Ir habt nu vernomen wol,
waz ein chint hörn unt lesen sol. Ave die ze sinne chomen sint, di suln anders, dan ein chint, gemeistert werden, daz ist wär; wan si suln verlazen gar
diu spel, diu niht war sint,
da mit sin gemuot diu chint. Ich enschilt deheinen man,
der aventiure tihten chan;
die aventiure, die sint guot,
wan si bereitent chindes muot. Swer niht fürbaz chan vernemen, der sol da bi ouch bilde nemen.«
Lassen wir hier de Herberay noeh einmal das Wort ergreifen, schon den philiströsen Verstand mit seiner hausbackenen Auffassung des Ri hübschen Sonett zurück- und zurechtzuweisen verstand:
um zu zeigen, daß er selbst tterromans in dem folgenden
2) Gesichte Philanders von Sittewald, Straßburg 1677. I., S. 279 f. Weiber-Lob. Drittes Gesichte. ) Chanson des Saxons, publ. par Francisque Michel. Paris, Techener 1839. Tome I., p. 1.


