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werden, weil von diesem letzteren aus sich gewisse Gebräuche des geselligen Lebens über Deutschland. ja ganz Europa verbreitet und als dem feineren Anstand entsprechend bis auf den heutigen Tag er- halten haben.
Sehen wir jedoch vorerst zu, wie der Amadis in Deutschland aufgenommen wurde und welchen Einflußz er hier gewann, so ist vor allem der possenhaften Verleumdung Doktor Martin Luthers zu ge- denken, welche sich der Pater Antonio Possevino aus Mantua(1559 trat er in den Jesuitenorden und starb den 26. Februar 1611, 78 Jahre alt, zu Ferrara) gegen den ehrwürdigen Reformator Deutsch- lands erlaubt hat. Der Pater, welcher von Gregor XIII. zu diplomatischen Missionen verwendet wurde und auch als Vermittler der Versöhnung Heinrichs IV. von Frankreich mit dem Papste thätig war, behauptet, von dem Teufel sei der Gedanke eingegeben worden, den Amadis aus dem Spanischen in das Französische zu übersetzen, um die lutherische Reformation zu befördern u. s. w. 1).
Die von dem Dominikanermönche Fra Angelo Paciuchelli gegen Luther gerichtete Anklage, welche Pierre Bayle in seinem Dictionnaire historique et critique anführt, ist nur eine Wiederholung der ebenso lächerlichen wie unverschämten Behauptung Possevinos ²).
Aus Frankreich, dem Vaterlande des galanten Rittertums, gelangte in der zweiten Hülfte des 16. Jahrhunderts und in der ersten des 17. Jahrhunderts auch diese Wiederauffrischung und Nach- blüte des adeligen Wesens und Gebahrens in den vierundzwanzig Bänden des Amadis nach Deutsch- land und wurde mit demselben Wohlgefallen aufgenommen, wie einst im 13. Jahrhundert die Courtoisie und das Raffinement der vornehmen französischen Gesellschaft. Die vierundzwanzig Bände ³) sind fast durchweg hohen Standespersonen, darunter auch Fürsten und Fürstinnen, gewidmet, ein Beweis, in welcher beispiellosen Gunst diese Romane standen.
Unter den Übersetzern der späteren Teile ist Fischart hervorzuheben, welcher das 6. Buch ver- deutscht hat und sich durch seine Devise J. F. G. M.(Johann Fischart Genannt Mentzer oder auch durch:»Im Fischen Gilts Mischen« u. a. erklärt) zu erkennen gibt. Der Titel lautet:»Das Sechste Buch. Vom Amadis auß Franckreich, auch seinen Nachkommen vnd Sönen, gantz nützlich von guten Lehren, vnd lieblich von geschichten zu Lesen, auß PFrantzösischer sprach newlich in Teutsche durch J. P. M. G.(wahrscheinlich versetzt, denn später steht richtig: J. F. G. M.) gebracht. Allen Ehr- liebenden vom Adel, züchtigen Frawen vnd Jungfrawen, sehr nützlich vnd kürtzweilig zu lesen. Petter Schmid, Hieronimus Feierabend, Mit Röm, Käy, May, Priuilegien. Getruckt zu Franckfurt am Mayn.« (Die Zueignung ist datiert vom 4. August 1572). Auf die Vorrede folgt ein Gedicht von Fischart:
¹)»Venerat hic liber aliena lingua in Gallias: Luthero autem jam Satanas utebatur tanquam mancipio in Germania, quae pene omnis aut ceciderat, aut nutabat ad casum; cumque in solidissimae fidei regnum vellet invadere, Amadisium curavit in gallicam linguam eleganter verti. Haec prima fuit illecebra, et tanquam sibilus,
quo inescavit nobilium aulicorum ingenia,« etc.(Bibliotheca selecta de ratione studiorum, Romae 1593, in fol., lib. I, c. XXV., p. 1113).
*)»On va meme jusqu'à soutenir qu'il(Luther) fit traduire l'Amadis en beau François*), afin de donner du dégoũt an monde pour l'Ecriture,& pour les Livres de dévotion.-
³) Der»Florès de Grèce« gilt als 25. Buch und ist nach dem 6. Buche einzureihen. Die übrigen Aus- wüchse des Amadis, wie der»Sonnenritter« u. s. w., können hier nicht weiter berücksichtigt werden.
*)„On trouve ce beau mensonge dans le Livre†) d'un Jacobin Italien, qui s'appelle Frere Ange Paciuchelli. Son Ouvrage, composé en langue Italienne, a été traduit en Latin par Charles de Marimont, Theatin Lorrain. Le Journal de Leipsic en parle: c'est la où j'ai trouvé ce que l'on va lire. Averitate maxime alienum est, quod Lectione statim prima, duas. Scriptura et Asceticorum librorum necessitatem et ut ilitatem commendat, deB. Lutherotraditur: sceleratum scilicet illum virum, cum Germaniam execrabili hacresi contaminare decrevisset, pro- fanis eam libris corrupisse, curavisseque ut lingua Gallica liber quidam donaretur, Amadis dictus, et du idem omni elegantia exornatus per Principum aulas spargeretur; sicque paulatim sacrarum paginarum spiritualiumque librorum nausea curiosorum aulicorum animis instillaretur. Cujus ineptissimae calumniae, quae nobis duidem non indignationem sed risum movet, non poterit non cordatiores ex Romano-Catholicis pudere, quos minime fugit, quanto zelo ad sacrae Scripturae, quae ipsi tunc clero tantum non sordebat, laicorum vero manibus extorta plane erat, frequentissimam lectionem, omne hominum genus, summos, medioximos, infimos Lutherus noster revocaverit, sacris in eum finem Bibliis(non Amadiso) in verna- culam linguam incredibili labore atdue studio traductis.) De quoi l'homme n'est-il pas capable en matiere de calomnies grossieres,& diamétralement opposées à la vraisemblance, puisqu'on ose dire que Luther a souhaité qu'on se dégontäât de l'Ecriture; Luther, dis-je, qui n'eut point de plus grands reproches à essuier avec tous les Réformateurs, que celui de trol recommander aux laiques la lecture de la Bible en Langue vulgaire?“ 1
1) Intitulé, Lectiones morales in Jonam Prophetam. II comprend 3 Volumes in folio, imprimez à Anvers; les deux premiers l'an 1680, le dernier l'an 1683. Voiez le Journal de Leipsic, Octobre 1684, page 443. †t) Journal de Leipsic, Octobre 1684, page 444.


