Wie dem auch sei, aus den oben angeführten Gründen könnte man in dem Übersetzer einen Prankfurter vermuten, wiewohl dies keineswegs mit der Entschiedenheit zu behaupten ist, mit welcher Keller ihn für einen Schwaben erklärt.
Wenn der Übersetzer ein Wort nicht versteht, so läßzt er es weg und ändert den Satz; wenn ihm eine Stelle nicht behagt, so übersetzt er sie nicht, so z. B. schreibt er:(S. 462)...»vnd zogen also von des Arcalai schloß biß gegen der nacht, drey meil wegs. Folgends des andern tags nach gehörter predig, vnd jrem Wirt beschehener dancksagung, namen sie jren weg wider für,« statt des französischen: »Lors partirent du chasteau d'Arcalaüs,& cheminerent tant que la nuict les contraignit loger en la maison d'vn vanasseur, qui estoit a cind lieuès. lequel leur fist tresbon racueil: puis le lendemain apres auoir ouy messe,& rendu les grands merciz à leur hoste, reprindrent leur chemin.« Möglicherweise war ihm hier ein Stein des Anstoßes das Wort»vavasseur«(vassus vassorum, Unterlehensmann, Hintersasse, Besitzer eines Afterlehens), für welches er kein entsprechendes deutsches fand, und somit ünderte er den Satz.
Er weiß die Bedeutung von geolier(Kerkermeister) nicht, und hält dies Substantiv für einen Eigennamen.(S. 434).»In dem erwachten die Hüter, deren der ein(Geolier genant) zum andern sagt: Stehe auff,« etc. Bei de Herberay heißt die Stelle:»car ainsi qu'il escoutoit s'esueillerent les guardes,'vn desquelz dist à Ppautre: Leue toy,« etc. Viel später braucht de Herberay das Wort:»Or le me laisse gouuerner, respondit le Geolier.«
Am Schlusse des 34. Kapitels setzt er kurzweg:„»Vnnd ritten one eynige jrrung den gantzen Tag, auch die nachgehende(Nacht ausgelassen) für, vorhabens, an deß Königs Lisuarts Hofe sich nider- zulassen,« statt des französischen:...»& cheminerent tout le iour sans trouuer auenture: puis estant nuict close, s'adresserent en vn petit Hermitage, ou ilz furent pauurement repeuz,& le lendemain au poinct du iour reprindrent leur chemin pour aller trouuer le Roy Lisuart.«
Keller glaubt einen vermeintlichen Fehler des Pbersetzers zu verbessern, indem er wunderlich genug glory durch claret ersetzen will. Die Stelle lautet bei de Herberay(F. 109 b):»Que ie te verrois de iour, dist Amadis. Et sgais-tu quand? Ce fut lors que toy troublé, ou de vin ou de gloire, ou de la fiance que tu auois en ton fort palais, si outrageusement parlas à moy estant dehors lassé du trauail& de la faim.« Der Deutsche gibt dies wieder:(S. 307)»Daß ich dich zu tags besehen wolt, sagt Amadis, welches denn zumal beschehen, daß du entweders mit wein oder glory, oder aber zuuiel vertrawen auff dein festes schloß beladen, so hochmütig zu mir geredt, der sich aussen vff dem felde gantz müd von reysen, vnd laß vor hunger war.« Das Französische ist eine Erweiterung des einfachen spanischen Satzes:»Que me combatiria contigo, dijo Amadis, y esto fue por saber tu nombre cuando fuiste villano contra mi.«
Der Deutsche übersetzt ängstlich messe mit predig, hermite mit Geistlicher, pfarrherr, her- mitage mit Kirche, nicht bloß, weil er wahrscheinlich selbst Protestant war, sicher aber deshalb nicht, daß der Verleger Sigmund Feyerabend, dessen Frau katholisch war und welchem selbst„kryptokatholische Anwandlungen«¹) zugeschrieben werden, an der richtigen Verdeutschung dieser Wörter Anstoß genommen hätte, sondern weil der Prankfurter Drucker das Buch der Pfalzgräfin Renata widmete, der Gemahlin Priedrichs III., des Frommen, des eifrigen Anhängers der Calvinischen Lehre, welcher, wie Feyerabend wohl vermutete, vielleicht das Buch mit den seinen religiösen Ansichten widerstrebenden Ausdrücken ungnädig würde aufgenommen haben, statt dem Verleger das für die Dedikation erwartete reichliche Geldgeschenk zukommen zu lassen.
Zwei dergleichen Beispiele mögen genügen:
P. 90a:»& tant cheminerent qu'il⸗ arriuerent a deux lieués pres de la roche de Galtares, ou ilz s'ennuiterèt en la maisonnette d'vn Hermite, auquel des le soir Galaor se confessa. Mais quand il luy declara qu'il alloit pour ce combat, le bon Hermite fort espouenté luy fist plusieurs remons- trances,« etc.—
S. 256 und 57:...»biß sie nahe zu dem Schloß Galtares in eines Geistlichen heußlin, so auff dem felde war, ankamen, bey welchen sie die nacht verharrten, vnd der Galaor beichtet, dem nu der gut Pfarrherr diesen kampff außzureden vermeinet,« etc.
¹) H. Pallmann, a. a. O., S. 64. Adlerflychtschule 1886. 6


