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Wortes in diesem Sinne im 16. und 17. Jahrhundert.»Theagenes... hub ihn also stark, daß er sich nicht regen kundt«(Buch der Liebe, gedruckt zu»Franckfurt am Meyn, in Verlegung Sigmund Carln Feyerabendts. MDLXXXVII., S. 227)»Der meister befalh den knechten, sy solten jn heben, dann er litt große schmertzen an zenen«(Wickrams Rollwagenbüchlein, Ausg. v. Kurz, S. 118, 12).»Der verfolgete einen dieb mit lautem nachschreien, hebt den dieb!«(Philander von Sittewalds Gesichte, 1642, S. 68).
Der boß ist nicht specifisch schwäbisch(S. 493).»Es ist mir von niemand je ein böser Boß vnd Diebsstück bewiesen worden«(...»oncques brigand ne fist plus meschant tour«). Das Wort der Bosse, dessen Anlaut zwischen B und P schwaukt, erscheint im Nominativ oft in einsilbiges bofz, botz gekürzt(J. Grimm).»Aber dis ist ein lecherlicher boß, das verba de futuro nicht binden sollen«(Luther).»Das wer ein boß, das wer gut leben.«—»Da im diser boß nicht angieng, versucht er ein ander practic«(Fischart).
Allerdings finden sich noch verschiedene Wörter im Amadis, die in Schwaben gebräuchlich sind, aber nicht so ausschließlich, daß man sie geradezu als schwäbische bezeichnen müfte, so z. B. lugen, das am häufigsten im alemannischen Sprachgebiete vorkommt, aber doch noch im 16. Jahr- hundert eines ausgedehnteren Gebrauchs sich erfreute, so z. B. heißt noch heutigen Tages ein Straßen- teil in Frankfurt a. M.»Luginsland« nach einem Turm der alten Stadtmauer, welcher nicht mehr vor- handen ist. Die älteste Kunde davon bei Battonn lautet»in einer Note zum städtischen Einnahmebuch de 1348, die Zahlung der Maurerarbeit für den Bau in der Neuen Stadt betr.: It. vm den Thorn den man heiszet Luge in das Land den follender zu machen vbir erden.«»Schaw, lieber, sihe, Iug, lug, das ist die Chariclia,« heißt es in dem 1587 zu Frankfurt a. M. gedruckten Buch der Liebe(194 a).
Rücksichtlich des Verbs steuern in der Bedeutung von stützen verweist Keller auf das schwäbische»steubern«.(»Folgends stewert er sich auff seine Arm, vnd fieng so hefftig an zu sinnen,« S. 298). Aber in Franken ist ebenfalls»Steiper, Steuper«(Stützholz) gebräuchlich(Schmeller III, 650). Weigand sagt in seinem deutschen Wörterbuch:»Steiper ist 1400 zu Frankfurt am Main die„stäper,«
aus dem Niederdeutschen, wo das Substantiv mit i= 1 stiper; steipern 1419 ebenfalls zu Frank- furt a. M. stipern= mit aufrechtstehenden Stützbalken als Widerlage stützen; 1475 clevisch stijpren (im Teuthonista.)« Sich steipern= sich stemmen, Widerstand leisten, wird noch gegenwärtig mund-
artlich in Frankfurt gehört.
Das mittelhochdeutsche der oder die spelter, spilter(Lanzensplitter) befindet sich in der Form spilter auch in dem Gedichte»Crane,« von dem hildesheimischen Ritter Berthold von Holle, also einem Niedersachsen, wahrscheinlich zwischen 1252 und 1260 verfaßt.
Endlich ist auch die Aposiopesis S. 483:»Ich weiß gewißz, daß Amadis in kurtzem wider kommen wird, vnd da er euch also trawig(wil schweigen oder) findet, würde er sterben« nicht so Secht schwäbisch«, daß man sie nirgendwo anders als in Schwaben hören könnte, namentlich im Im- perativ:»Schweig' oder!«—(S. 608)»... dieweil er der best Ritter vnder jrem Geschlecht ware, darzu so weißz vnnd fürsichtiger Mann.« Keller macht dazu die seltsame Bemerkung(S. 471):»darzu ein so weiser. Die flexion bei weis kann übrigens der Frankfurter drucker eben so wohl absichtlich abgelegt haben, wie der Frankfurter dichter der natürlichen tochter in den worten: der besitz ererbt errungner güter.« Göthes Worte sind nicht mit den obigen zu vergleichen, denn»ererbt« steht hier nicht ad- jectivisch, sondern adverbial(= durch Erbschaft). Keller scheint überdies den Buchdrucker Feyerabend irrtümlich für einen geborenen Prankfurter zu halten, indem er, da gar vieles Nichtschwäbische in der Ubersetzung vorkommt, sich dies folgendermaſien zurecht legt:»Manches nichtschwäbische mag auf rechnung des Frankfurter druckers kommen.« Sigmund Feyerabend wurde 1528 zu Heidelberg als vierter Sochn des Malers Agidius Feyerabend geboren ¹)y. Er verbrachte seine Kindheit in Augsburg, hielt sich lüngere Zeit in Italien, namentlich in Venedig, als Formschneider auf, verweilte später wieder in Augsburg, vielleicht auch in Mainz, wo seine Mutter geboren war, und erwarb am 25. Mai 1560 das Bürgerrecht zu Frankfurt als zweiunddreißigjähriger Mann, also doch wohl in einem Alter, in welchem man mundartliche Eigenheiten nicht so leicht mehr annimmt, vielmehr die Idiotismen und die Aussprache seines Geburts- und Erziehungsortes meistens beibehält.
*) H. Pallmann, S. Feyerabends Leben, S. 7.


