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warhafft Gemüt, sein zucht vnnd wolgezogenheit, daß er allwegen wirbet vmb ehr vnnd den höchsten preifts. Wus sol ich viel reden, jhm gebricht keiner Tugendt, er ist der allersüssest Mann, den je Jung- fraw lieb gewann, durch solche seine tugendt vnd frömbkeit bin ich jm hold worden.«
„Er leuchtet mir auch in meinem Hertzen für ander Volck, gleich als Gold für Bley. Aber sprach sie, Herr GOtt, wie ist mir geschehen, wie ist mein Gemüt so gehling verwandelt worden, Nun hab ich ihn doch vormals offt gesehen, daß er mein Gemüt nie beweget hat, wie bedünckt er mich nun so gut, wie bin ich jm nun so inniglichen holdt, den ich vor kurtzen Zeiten todt haben wollt, O weh, Hertz und mut, möcht jr euch von dem wenden, der ewer doch nicht acht noch lieb hat.«
„O QCupido, hab ich dein gebott je vbergangen, oder hab ich arme Isalde je etwas gethan, das ich solt vermitten haben, das hastu nun wol an mir gerochen! Wo du mir nicht Gnad beweisest, so zerbricht mein Hertz, vnd muß von dein schulden sterben. Darumb bitt ich, stell' ab deine vngnad, vnnd milter mir ein theil der grossen not, die doch ganz vnleidlich ist, daß ich nicht so gar erbärm- lich vnd sehnlich sterb. Ich glaub, daß du nicht allen Frawen 8o vngnädig seyest, als mir. Womit hab ich dich nur erzürnet, daß du mich so peinigest vnd üngstigest, Das so mir vor nie kund war, machst du mir nun so kündig, daß ich witz vnnd sinn, Leib vnnd Leben dadurch verlieren muß. Du hast mich deinem gewalt so gar vnterworffen, daß ich nichts anderst beger, denn du willt. Jetzt würd ich kalt als ein Eiß, vnd wil so erfrieren, Jetzt würd ich brinnen als ein Feuwer, vnnd dringet mir der Schweiß durch alle meine Glieder. Ach, was wunqderlicher sitten hastu mich in kurtzer zeit ge- lehrt! Du hast so schwere Last auff mich geladen, daran ein gantzer Berg gnug zu tragen hett,« u. s. w. ¹)
Adelbert von Keller glaubt in dem Amadisübersetzer einen Landsmann zu erkennen;»die Sprache kennzeichnet den deutschen Bearbeiter als Schwaben,« sagt er, aber die Belege, die oer zu dieser Meinung gibt, beweisen dies nicht, wie er 2. B. als»Besonderheit« erwähnt:»Sch steht schwäbisch statt s in verschen S. 762 statt fersen.« Die Stelle lautet:»Vnd also ward nur einer noch vberig, welcher, weil er sahe, wie das loß auff seine gesellen gefallen, den Rucken keret, vnnd mit Verschen zuschluge.«(...»lequel voyant le sort estre tombé sur ses compagnons, tourna dos et le gaigna à fuir.«). Versche statt Ferse ist nicht bloß schwäbisch, es reicht bis nach Thüringen; bei Luther findet es sich noch in der Ausgabe von Bindseil:»Und du wirst in in die verschen stechen«(1 Mos. 3, 15). Der Altfrankfurter sagt:»die Ferscht.«»Noch ubler(als versche) das wetterauische ferscht,« spricht sich Jakob Grimm aus.
Keller bemerkt ferner:»Schneien wird wie im schwäbischen, stark abgewandelt.«(S. 310 u. 311).»Denn der Dardan wehret sich gleich, wie er wolt, so war er doch gezwungen hindersich zu weichen, damit er die grausam schwere streich entflöhe, welche ohne vnderlaß an allen orten seins Leibes, auff jhn schnyen.«(il fut contraint de se retirer arriere, et tascher de fuir la fureur des pesans coups, qui sans cesse luy plouuoient sur tous les. endroits de sa personne«). Die starke Biegung schnie, ge- schnien ist die ursprüngliche, die sich mundartlich nicht bloß in Schwaben, sondern auch in Bayern etc. erhalten hat, aber im 16. und weit in das 17. Jahrhundert hinein allgemein gebräuchlich war.
Balbierer statt Wundarzt:(S. 833)„»„Vnnd hierauff ließ man seine Wunden besichtigen vnnd verbinden, da dann die Balbierer befanden, daß solche nicht. Tödtlich waren.« Diese Stelle ist eine von dem Ubersetzer angebrachte freie Variation, denn französisch lautet sie:»Vrayement respondit Galuanes vous l'aurez(la confession) tout maintenant: mais il vous fault prendre cueur,& ce disant apperceut sa playe, laquelle hastiuemét il benda,& vid bien qu'elle n' estoit mortelle.« Balbierer statt Wund- arzt ist echt frankfurtisch;»Zum Balwierer laufen, um sich verbinden zu lassen,« kann man in F rank- furt noch jeden Tag hören. Aber der Gebrauch des Wortes in diesem Sinne war keineswegs ein ört- lich beschrünkter; in den Fastnachtspielen von Ayrer(Nürnberg 1610, Bl. 105 b) heißt es:»Mulbz dem balbirer zahlen arzlohn;« im persischen Rosenthal von Olearius(Hamburg 1696, fol., 8, 25): „Balbierer, welcher die Ader schlägt und verbindet.«
Heben in der Bedeutung von halten, festhalten.(S. 574)»Das that der Galaor, gab sein Roß den Jungfrauwen zuheben.«(»Ce que fist Galaor,& en baillant sa monture aux Damoiselles« etc.) Diese Bedeutung hat sich allerdings in unserer Zeit nur noch bei den südlichen Hochdeutschen, Ale- mannen und Bayern erhalten, aber folgende Beispiele peweisen den weitausgedehnten Gebrauch des
¹) Die hier abgebrochene Rede ist noch einmal so lang.


