Aufsatz 
Einfluß des französischen Rittertums und des Amadis von Gallien auf die deutsche Kultur
Entstehung
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gewundene und gespreizte Perioden aus, als Georg Philipp Harsdörfer(1607 1659) oder Sigmund von Birken(1625 1687) aufzubauen vermochten. Die Ausdrucksweise des Hauptes der zweiten schlesischen Schule Daniel Caspar von Lohenstein ist kernhafter und gedrungener und darum durchsichtiger; die Prosa des Herrn Heinrich Anshelm von Zigler und Kliphausen trägt kaum eine krausere Allongeperücke und schreitet kaum auf höheren Absätzen an ihren altmodischen Schuhen einher, als der Wortschwall in der Vorrede des Amadisübersetzers, deren Anfang folgendermaßen lautet:

»GVnstiger lieber Läser, Als jüngst abgelauffener jarn, ich in das weit berümpte Königreich Franckreich, zu erlernung der sprachen, verschickt vnd abgefertiget worden, Hab ich also baldt, nach meiner glücklichen ankunfft, selbiger enden mich auff allerhand vnd mancherley Frantzösische historien (deren denn viel schöne vnd vnzalbare gefunden werde) zulesen begeben, vnd denselbigen dermassen nachgehengt, biß vnder andern eine, welche alle Gelehrte, erfarne Männer, sonderlich alle, die vom Adel, vnd ansehnliche Leuth, als die aller zierlichste, lieblichste, vnd kurtzweiligste auch nützlichste gepriesen vnd gehalten, mir vnderhand kommen, vnd mit solchem Fato in mein gewalt gerathen, daß

durch dero zierd, dergleichen historien vnserem vielgeliebten Vatterland in erkantnuß vnd an Tag ge- bracht, sondern auch sie hiedurch, jrem werth, ansehen vnd verdienst nach, allen andern frembden Nationen bekannt vnd berufft werde) zubringen vnd zu tranßferiren.

Wiewol nun ich augenscheinlich vermerckt, daß zu stattlicher volfürung dieser Tranßlation, ich zu schwach vnd vngnugsam, auch dise Prouintz vnd Bürde andern viel tauglicher, vnd der sprache besser berichten, verlassen solte, haben doch mich etlich ding so hoch hierzu angemutigt, vnd mit(nicht weiſz) was sonderer fröligkeit vnnd tröstlicher zusprechung dermassen behertzigt, daß ich letzlichen für gewiß gehalten, wo diß vnderfangen werck ich auß zagheit, oder mißtrawen gegen mir selbs vnder- liesse, daß solches mir zu spott, oder faulkeit(welche ich fürnemlichen durch diese mein geringe vbung als ein verfluchte Pest der jugent vnd verderbliche Sucht darauß nichts, wie die heilig vnd aller Philosophen schrifften vns anzeigen, wenn alles Laster entspringt, fliehen vnd vermeiden wöllen) dienen vnd gerechnet werden möchte,« etc.

Wenn aber A. von Keller(und nach ihm Bartsch in Kobersteins Grundriß I., S. 400) die Ansicht ausspricht:

»Wir sehen darin(in dem Stil des schwäbischen Ubersetzers) die Vorbereitung der Sprach- mengerei und des Schwulstes späterer Perioden, zumal der Schlesier, so müssen wir diese»Vorbereitung« um ein ganzes Jahrhundert weiter zurück verlegen. Mit welcher Feinheit und Seelenkenntnis Gottfried das Erwachen der Gefühle in Isoldes Brust schildert, ist oft bewundert worden; aber welchen gezierten Bombast im 15. Jahrhundert der ungenannte Bearbeiter der Epopöe Eilharts von Oberge(1189 1207), der sein Gedicht vor Gottfried in schmuckléser Weise in Verse brachte, in dem Prosaroman»Tristan ¹ von Isoldes Lippen strömen läßtt, ist weniger bekannt. Zigler hätte seine»Asiatische Banise« unver- ändert folgende»schöne Oration« Isoldes deklamieren lassen können:

»Als aber die Fraw also lage, gar hart versehret vnnd verwundet mit dem Pfeil Cupidinis, auch gantz entzündt mit dem Feuwer der Liebe, vnd sahe sich selbst so härtiglich brinnen, redet sie zu jr selbst, Ach vnd O HERR mein G0TIT, was grossen Sorgen vnd rewen trage ich in meinem Hertzen verborgen, vmb diesen lieben vnd leiden Mann, Wie darff ich aber sprechen, Leiden? Nu bin ich jm doch so hold, vnd hab jn so lieb, daß ich on' jhn nicht genesen mag. Er benimpt mir essen vnd trincken, schlaffen vnl wachen, auch all meine freude, also, daß ich nichts andres gedencken kan, denn an jhn, es sey denn, daß ich mich jm zu erkennen gebe, vnnd er mir helffe, so sterb' ich.«

»Aber was sol ich sündiges Weib? Ich förchte er achte meiner nicht. Warumb bin ich jm denn hold? Ja, wie möcht' ich jhm feind seyn, denn zwischen Himmel vnnd Erden, lebet kein besser noch küner Heldt, denn er ist. Er hat auch an manchen enden wol erzeiget, daß er grosse vnnd Mannliche thaten thun darff, Ich erkenne auch seinen Adel, sein Tugendt, sein schöne, sein höflich vnnd

1) Hye hebt sich an die hystory herren Tristrants vnd der schenen ysalden, welliche histori gar kurtz- weilig zu lesen ist. Augspurg H. Schönsperger 1498. 50 Bll.(Erster Druck).