Aufsatz 
Einfluß des französischen Rittertums und des Amadis von Gallien auf die deutsche Kultur
Entstehung
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IV. Abschnitt seineskritischen Versuches« beweist, ein späteres tendenziöses Einschiebsel, welches zu der langen Periode, in welche es eingezwängt ist, in grammatischem und logischem Widerspruch steht, folglich jeder Beweiskraft entbehrt.

Die erste echte Erwähnung von Seiten eines Portugiesen, eine Anspielung auf Oriana, die Ge- liebte des Amadis, befindet sich in einem Gedicht des Nuno Pereira, das in dem Cancioneiro geral des Garcia de Resende(Lissabon 1516) abgedruckt ist ¹1). Aber die Berufung auf Oriana und Iseu(Isolde) beweist nicht im geringsten, daß der Amadis portugiesischen Ursprungs sei.

Das Gedicht»El Rimado de palacio« von Pedro Lopez de Ayala, Kanzler von Kastilien(geb. 1332, gest. 1407 zu Calahorra) enthält folgende Selbstanklage:

Plögomi otrosi oyr muchas vegadas

Libros de devaneos é mentiras probadas,

Amadis, Lanzalote 6 burlas asacadas,

En que perdi mi tiempo à muy malas jornadas.«

Die Jugendzeit Ayala's, in der er mit so großem Vergnügen Romane, namentlich den Amadis, vorlesen hörte, fällt etwa in die Jahre 1350 1370, wo nicht früher; die gefülschte Stelle in Zurara's Chronik giebt jedoch an, der Amadis sei unter der Regierung Königs Dom Fernando(1367 1387) portugiesisch abgefaßt worden.

Dagegen werden die drei Bücher des Amadis in einem von dem Spanier Pero Ferrus(dichtete v. 1350 1379) an den Kanazler Ayala in dessen Jugend gerichteten Gedicht ausdrücklich erwühnt, das sich im Cancionero de Baena ²) befindet:

»Amadys el muy fermoso

Las lluvias é las ventyscas Nunca las fallo aryscas,

Por leal ser é famoso.

Sus proezas fallaredes

En tres lybros, 6 dyredes Que le Dyos santo Poso.

welche verbessert, keineswegs aber übersetzt zu haben er aussagt, folglich mußten diese Originale in spanischer, nicht aber portugiesischer Sprache geschrieben sein.

Was nun das Hauptmotiv anlangt, die Gefühlsrichtung, welche die Erzühlung durchströmt, so kann ich nicht mit Braunfels ³) etwas Neues, oder wenigstens so entschieden in den Vordergrund Treten- des erkennen, daß es in ähnlicher Weise vor dem Amadis noch nicht seinen Ausdruck gefunden hätte.

doch nur ein Nebenziel, und wo sie ihn beherrschen sollte, da erschien sie als widernatürlicher Zustand, den nur ein Zaubertrank herbeiführen konnte; so z. B. in Tristan und Isolde, dem nächsten Vorgänger des Ritterromans. Im Amadis aber ward die Liebe der Brennpuukt des ritterlichen Lebens und Strebens, der beseelende und beseligende Urgrund alles Denkens und Thuns,« etc.

Was Braunfels hier als die Quintessenz des Amadis angibt, kann nur der Bearbeitung des- selben durch Montalvo zugestanden werden, welcher die seine Zeit beherrschenden Anschanungen und Gefühle hineintrug, ja sogar, wie wir gesehen haben, didaktische Zwecke damit verband. Das Thema der Liebe ist in mehreren Dichtungen des Mittelalters sattsam, und zwar als Hauptmotiv von Gottfried von Straßburg in Tristan und Isolde behandelt worden. Gottfried beabsichtigte sicherlich niclt mit

*) Neu herausgegeben von E. H. von Kausler(Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart XV. 1846 und XVII. 1848). Vergl. Baret, S. 26 und Braunfels S. 31.

¹) Madrid 1851, Leipzig 1860. Baret, S. 37. Braunfels, S. 88 und 91.

³) Mit Dr. Brauufels ist zugleich Herr Dr. rting widerlegt, da dieser jenem unbedingte Heeresfolge leistet.