Aufsatz 
Einfluß des französischen Rittertums und des Amadis von Gallien auf die deutsche Kultur
Entstehung
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Baret hätte die von ihm(S. 51) angeführte Bemerkung des»gelehrten« Huet, wie er ihn nennt, auf die picardische Handschrift beziehen sollen:»De ce grand nombre de romanciers que l'on vit en France, nous sont venus tant de vieux romans, dont une partie est imprimée, une autre pourrit dans les bibliotheques, et le reste est consumé par la longueur des années. Et c'est de nous que l'Italie et l'Espagne, qui a été si fertile en romans, tient l'art de les composer.-

Die früheste Bearbeitung des Amadis, welche noch vorhanden ist, wurde von dem Ritter Garci- Ordofiez de Montalvo, Regidor(Ratsherr) der Stadt Medina del Gampo vor 1470 beendigt. In der Vorrede vom Jahre 1492 nennt sich Montalvo nicht als den ursprünglichen Verfasser, sondern nur als den Korrektor des durch fahrlässige Abschreiber und Setzer vielfach verdorbenen Textes der ersten drei Bücher des Amadis, sowie als den ÜUbersetzer und Verbesserer des vierten Buches, desgleichen der»Sergas de Esplandian.« Allein Montalvo selbst ist der Verfasser des 4. Buches des Amadis und auch des 5. Buches, der Thaten des Esplandian. Um diesen beiden Büchern den Schein größerer Glaubwürdig- keit und mehr Ansehen zu verleihen, erfindet er das abenteuerliche Märchen, daß das vierte Buch nebst den Thaten Esplandians, von welchem bis jetzst kein Mensch sich erinnern könne, daß es je gesehen worden, durch einen seltenen Zufall in einer steinernen Gruft unter dem Fußboden einer Einsiedelei zu Konstantinopel gefunden und durch einen ungarischen Kaufmann nach Spanien gebracht worden sei; Schrift und Pergament des Manuskripts seien so alt gewesen, daß es nur mit vieler Mühe von den der Sprache Kundigen hätte gelesen werden können. Die Bemerkung des Nicoläs Antonio ¹) über den Amadis stellt die Fiktion Montalvo's in das richtige Licht:.....»Horum librorum.... auctoribus, ut ficta narrantes quodammodo viderentur non omnino falsa referre, hoc perpetuum et constans fuit consilium ut non domi nata sed aliunde ista domum transportata, hoc est ex alienis linguis a se in vernaculam conversa persuadere voluerint suos lectores.«(Bibl. nova II, 394). Wir sehen, der Spanier ist der »vindcre wilder mære,« als ob die von ihm selbst zu den ersten drei Büchern des Amadis hinzuer- fundenen beiden folgenden Teile auf romanhafte Weise im fernen Osten entdeckt und in die Heimat verpflanzt worden seien; dies thut der Franzose nicht, er sagt im Gegenteil auf ganz unverfängliche Weise, daßz er in seiner Heimat eine alte Handschrift des Amadis gefunden habe, und ein triftiger Grund daran zu zweifeln liegt nicht vor.

Daß der Amadis in Nordfrankreich, nachdem er als keltisches Märchen von Wales berüberge- kommen war, seine Ausbildung zu einem größeren Roman empfangen habe, das stellt auch Dr. Braunfels, wie wir gesehen haben, als seine»nicht fehlgehende« Annahme auf, aber die Frage, in welcher Form dies geschehen sei, umgeht er geflissentlich. Er spricht zwar von französischen Dichtern als Ver- mittlern, dann aber wieder von einer ausgebildeten Gestalt, die der Amadis bei den Dichtern von Languedoc oder der Provence erhalten haben soll,»ähnlich derjenigen, die er in dem spanischen»Amadis in drei Büchern« erhielt,« so daß man namentlich aus dem letzteren Passus schließen müßste, der Roman habe schon in prosaischer Form die Pyrenäen überschritten. In ähnlicher, ebenso wenig bestimmter und ent- schiedener Weise spricht Baret von der Uberführung des Amadis durch provengalische Troubadours oder auch durch einen Dichter, der möglicherweise mit Thibaut von Champagne nach Navarra gekommen sei.

Mögen es Troubadours gewesen sein, welche den Amadis, in ihre Sprache aus dem Nordfran- zösischen übersezt. nach Spanien gebracht haben, oder ist er durch Vermittelung eines Trouvère im Ge- folge Thibaut's, Grafen von Champagne, nach Navarra gekommen, als letzterer im Jahre 1234 den Thron dieses Königreichs bestieg und die Erbin desselben heiratete, und hat dann durch dieses»Thor Spaniens« seinen Einzug in die iberische Halbinsel gehalten ²) es wäre ein Phänomen, unerhört und einzig in

auch sei, Bartsch verdient volle Zustimmung, wenn er fortfährt:»Noch weniger kann ich mich damit einverstanden erklären, in der Nennung Kyot's eine Fiktion zu erblicken, welche Wolfram für notwendig gehalten, um seinem

Publikum gegenüber die Abweichungen von Crestien zu schützen, da man nach der Tradition der höfischen Dichter im Mittelalter im Stofflichen an die Quelle gebunden war.« ¹) Braunfels S. 84.

dem Französischen in das Provençalische anzunehmen, wiewohl es immer unentschieden bleiben wird, welche der beiden Konjekturen bei gleicher Wahrscheinlichkeit die richtige sein mag. Schon im 12. Jahrhundert waren die provençalischen Troubadours an den Höfen der spanischen Königreiche gern gesehen. Durch den Kreuzzug gegen die Albigenser und die durch diesen erfolgte Verwüstung der Provence vertrieben, fand die Mehrzahl der letzten