Aufsatz 
Einfluß des französischen Rittertums und des Amadis von Gallien auf die deutsche Kultur
Entstehung
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tum: schon im 2. Kapitel des ersten Buches wird paris erwähnt), ein Beweis, daß der Amadis aus denselben Quellen stammt, nach denen Gottfried von Monmouth seine Chronik verfaßte, nämlich den altbretonischen Sagen und Oberlieferungen, von welchen Walther, Archidiakonus von Oxford, eine Hand- schrift aus Armorica mitgebracht. und dem späteren Bischof von St. Asaph zur Übersetzung ins Latei- nische übergeben hatte. wie Gottfried selbst in der Widmung an Robert, Herzog von Gloucester( 1147) berichtet. Die fabelhafte Belagerung von Paris und den nicht minder fabelhaften Sieg Arthurs über den römischen Trihunen Flollo, welchen Montalvo nach den»diversos 6 malos escritores« Floyan nennt (weder die Belagerung von Paris noch der Sieg über den angeblichen Statthalter von Gallien unter Kaiser Leo kommen in den übrigen Artusromanen vor). erzühlt Gottfried im 11. Cap. des IX. Buches seiner Historia regum Britanniae. Heidelbergae 1587, Fol.

Der Name des Helden selbst, Amadis(Amédée), ist französisch(Ame-Deus, Ame-Dex, Aime-Diex, Amados); überhaupt sind die Namen in dem weiteren Verlaufe des Romans nur entstellt und auf ihren französischen Ursprung zurückzuführen ²), wie Angriote de Estravaus(Angrieux, besser Andrieux, des Travaux), Balais(Valois), Androin de Serolis(Audouin de Charolais) Brian de Monjaste(Brian de Mongast), Briolanja(Brion l'Ange), Bruneo de Bonamar(Bruneau de Bonnemer), Guilän(Guillaume), Mabilia( Mabille), Sargil(Sargines), Telois oder Selois(Aloys) u. s. w.

Baret und Braunfels stimmen in dem Urteil überein, daß die Heimat der Amadisfabel Wales sei, und daß sie den gewöhnlichen Weg aller Ritterepopöen eingeschlagen, nämlich, daßz sie zunächst ihre Entfaltung und Ausgestaltung in Nordfrankreich gefunden habe und, durch Dichter des französischen Süudens noch weiter ausgebildet, nach Spanien gelangt sei 3). Damit kann man infolge der oben dar- gelegten inneren und äußeren Gründe nur einverstanden sein.

Nun erklärt der Ubersetzer des spanischen Romaus, de Herberay des Essars, in seiner Vorrede um ersten Buche(Epistre à tres havlt et tres illustre Prince Charles Duc d'Orleans et d'Angoulessme etc.), daß er den von den Spaniern verstümmelten und entstellten Amadis in Frankreich, wo er durch die Länge der Zeit in Vergessenheit geraten sei, wieder hergestellt habe und fügt hinzu, daß er noch ein Bruchstück eines alten Manuscripts in picardischer Sprache gefunden, wonach die Spanier, wie er vermute, ihre Ubersetzung gemacht hätten, ohne jedoch genau das Original wiederzugeben. Er habe nur das Ausgelassene wieder an seiner Stelle eingefügt und die unnützen Erweiterungen, welche auf spanisch Consiliaria genannt würden, weggeschnitten).

¹)»y esta tan cruel y pésima costumbre duré hasta la venida del muy virtuoso rey Artur, que fue el mejor Rey de los que alli reinaron, y la revocô al tiempo que matõ en batalla delante de las puertas de Paris à Floyan«, etc.(Ausgabe von Barcelona 1847, S. 20.)

²) Braunfels, l. c, S. 170 172.

³) Baret p. 42, chap. III.:»Je me probose actuellement de démontrer que si PAmadis, tel qu'il existe, est une composition essentiellement espagnole, le germe de ce roman est pourtant venu de l'étranger, que lethème primitif a été importé de France, et queé les plus fortes raisons permettent de penser que ce thème est issu de la source commune des romans de la Table ronde, je veux dire les traditions de la vieille Armorique trans- portées au pays de Galles par Gauthier d'Oxford. L'opinion que j'exprime est étroitement liée au grand fait de l'influence générale de la littérature provençale, et à son action qui ne fut nulle part plus étendue qu'en Espagne et en Italie.« Braunfels S. 172 f. Man wird ohne fehlzugehn, annehmen dürfen, daß der Amadis in England und Wales, wie alle Dichtungen aus dem Grals- und Artuskreise(vgl. Grässe S. 196 Anmerk., u. a. m.), als kleinere Erzählung entstanden ist, und seine weitere Entwickelung, seine Ausbildung zu einem größeren Roman erst in Nordfrankreich, etwa an den Küsten des Kanals empfangen hat. Höchst wahrscheinlich ist er hier schon zu einem ansehnlicheren Umfang gediehen, wie das stets der Fall war mit den französischen Uberarbeitungen älterer Dich- tungen. Die gälischen Erzählungen sind nach Spanien, ebenso nach Deutschland, erst durch Vermittlung der fran- zösischen Dichter gekommen; So kann auch der Amadis nach Spanien erst aus seinem zweiten Heimatlande Frank- reich übergesiedelt sein. Es ist anzunehmen, daß er bei dieser Wanderung nicht ohne einen Ubergangs- und Ruhe- punkt im Süden Frankreichs geblieben, und bei den Dichtern von Languedoc oder der Provence eine ausgebildetere Gestalt erhalten, ähnlich derjenigen die er, in dem spanischen»Amadis in drei Büchern« erhielt.«

)»ay prins plaisir à la(l'histoire d'Amadis) cömuniquer par träslatié(soubz vostre autorité) à ceux qui n'entédront le langage Espagnol, pour faire reuiure la renömée d'Amadis, laquelle par l'iniure& antiquité du teps estoit estainte en ceste nostre Fräce:& aussi pour ce qu'il est tout certain qu'il fut premier mis en nostre langue Françoyse, estät Amadis Gaulois,& Espagnol. Et qu'ainsi soit: Yen ay trouué encore quelque reste d'vn vieil liure escrit à la main en langage Picard, sur lequel i'estime que les Espagnolz ont. fait leur traduction, non pas du tout suyuant le vray original, cöme lon pourra voir par cestuy: car ilz en ont obmis en aucuns endroitz,& augmenté aux autres. Parquoy suppliant(sic!) à leur obmission, elle se trouuera en ce