Aufsatz 
Einfluß des französischen Rittertums und des Amadis von Gallien auf die deutsche Kultur
Entstehung
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Landsknechte möchten folgen. Als Maximilian diesen Beschluß den deutschen Rittern vortrug, erklärten sie natürlich geradeso dünkelhaft: nicht zu Fuß, sondern zu Pferde wären sie zu dienen verpflichtet und bereit. Außer Stande alle für die gleiche Ansicht umzustimmen, ließ der Kaiser den Sturm ab- sagen und reiste noch in derselben Nacht nach Deutschland zurück.« Bayard fand nicht seinen Tod im ritterlichen Zweikampf mit einem Ebenbürtigen, sondern durch die neue Waffe, welche den plebejischen Pfeil und Bogen ersetzte und dem Ritterwesen ein Ende machte: auf dem Rückzug der Franzosen über die Sesia drang ihm ein aus einem Doppelhaken geschossener Stein in die rechte Seite und zerschmetterte ihm den Rückgrat(30. Abril 1524).

Wohl nicht am wenigsten trug Bayards Vorbild dazu bei, Franz dem Ersten die Bewunderung des Ritterwesens einzuflößen, obgleich dieser Fürst nicht immer die loyauté chevaleresque als unver- brüchliches Gebot hochhielt. König Franz ließ sich wührend seiner Gefangenschaft in Madrid(sie dauerte üuber ein Jahr: am 24. Februar 1525 wurde er bei Pavia geschlagen und gefangen und erst am 18. Mürz 1526 wieder freigelassen) von seiner Schwester Margarete den spanischen Ritterroman Amadis de Gaula, verfaßt von Garci-Ordoe de Montalvo, vorlesen. Jedoch erst das 5. Buch desselben, die Ge- schichte Esplandians, wurde 1544 auf seinen direkten Befehl von dem»Seigneur des Essars, Nicolas de Herberay, Commissaire ordinaire de Partillerie du Roy« ¹) in das Französische übersetzt, wie es in der Widmung dieses 5. Buches an den König Franz heilzt:»Sire, au retour des guerres d'Artois et de Luxembourg, poursuivant la cronicque d'Amadis, comme il vous a plu me commander, il m'a semblé que ce qui est escrit du roy Périon et sa postérité n'est autre chose que la figure de vous et de nos- seigneurs vos enfants. Et qu' ainsy soit, sion a leu devant vous le premier volume de cette histoire, vous y avez veu que le roy Périon(régnant en la meme Gaule vous commandez) print à femme madame Hélizène, fille du roy de la petite Bretaigne, duquel est issue(comme il est Vray- semblable) la feue roine, que Dieu absolve«, etc. Das erste Buch des Amadis ist dagegen dem Prinzen Karl von Orléans und Angouleme, dem zweiten Sohn des Königs, zugeeignet und in dieser Dedikation sagt Herberay des Essars ausdrücklich:»Depuis deux ou trois ans en a, que Mars s'est esloigné d'entre les Princes Chrestiens, contraint laisser enrouiller ses armes,& instrumens belliqueux, à l'occasiõ de la treue, qui est de present entre le Tres chrestié& magnanime Roy vostre pere,& Charles cinquiesme Empereur, estant par ce moyen reduit de l'impetueuse vie des armes, au bié du repos,& loysir, me suis mis(pour euiter la trop pernicieuse oysiueté) à lire plusieurs sortes de liures, tant vulgaires qu'estrangers: entre lesquelz m'estant tombé es mains celuy d'Amadis de Gaule en lägue Castillane, lequel maiutesfois plusieurs Gétilz-hommes d'Espagne, m'auoient loué& estimé sur tous leurs Romäs,& le trouuät tel qu'ilz me l'auoient asseuré- ay prins plaisir à la cömuniquer par träslatiõ(Soubz vostre autorité) à ceux qui n'entédront le langage Espagnol, pour faire reuiure la renömée d'Amadis«, etc. Nach Verlauf von acht, resp. vier Jahren sagt Herberay des Essars mit nicht ganz zuverlässigem Gedächtnis in dem Widmungsschreiben an König Heinrich II., welches dem 8. Buch des Amadis, der »Cronicque du tres vaillant don Flores de Grece, Paris, Estienne Grouleau 1548 vorangeht, daß er par ordre« Fran⸗z des Ersten die Ubersetzung der Amadis unternommen habe, und daß er jetzt am Ende des achten angekommen sei, als Franz 1547 starb ²).

Der Amadis hat, wie die Ritterromane Iwein, Parzival, Tristan, Lanzelot u. s. w., höchst wahr- scheinlich seinen Ursprung in Wales, und zwar in Form einer kleinen keltischen Erzählung wie die von der Lady Guest veröffentlichten Mürchen*). Das Mabinogi von Peredur beschrünkt den Schauplatz der

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¹) Ich schreibe Nicolas de Herberay des Essars(nicht: d'Herberay des Essarts) wie dieser Name in den frühesten Ausgaben des Amadis gedruckt ist.

²) Die zur Berichtigung der ungenauen Angabe in derGeschichte des französischen Romans im XVII. Jahrhundert. Von Dr. phil. Heinrich Kœrting, Privatdozent der roman. Philologie an der Universität Leipzig. Leipzig und Oppeln, 1885. Was das erste Buch des Amadis betrifft, so benutze ich den Text der sehr seltenen Ausgabe: LE PR EMIER LIVRE D 4 MA4DIS DE GAVLE. MlS ENFRANCOIS PAR LE seigneur des Essars Nicolas de Herberay, Commissaire ordinaire de partillerie du Roy. Acuerdo oluido. Auec priuilege du Roy. A PARIS Pour Vincent Sertenas, demeurant en la rue neuue nostre Dame, à l'enseigne sainct Jan TEuangeliste. Et en sa boutique au Palais, en la gallerie par ou on va à la chancellerie. 1557.

³) The Mabinogion from the Llyfr Coch o Hergest and other ancient Welsh manuscripts with an English translation and notes by Lady Charlotte Guest. London 1838 49. VII. 8.

Adlerflychtschule 1886. 4