Aufsatz 
Einfluß des französischen Rittertums und des Amadis von Gallien auf die deutsche Kultur
Entstehung
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Die Verquickung der beiden Extreme der Gesellschaft im Ausgang des Mittelalters konnte nur ein lächerliches, oder aber ein Entsetzen erregendes, verbrecherisches Zwitterwesen hervorbringen. Das erstere zeigte sich in der harmlosen Nacbäffungen ritterlichen Gebahrens, wobei der spießbürgerliche oder bäuerische Don Quijote keinen weiteren Schaden aunrichtete als die Püffe und Quetschungen, die er sich selbst dabei holte; das andere, um frecher Genußisucht und Zügellosigkeit zu fröhnen, suchte und fand die Mittel dazu im Raub und Mord und endigte unter der Hand des Henkers. Höchst anschau- lich und lebendig erzühlt in kurzen Reimpaaren Wernher der Gartenäre(zwischen 1234 und 1250) die Geschichte eines übermütigen Bauernburschen, den es gelüstet ein Ritter zu werden und der ein Räuber und Mörger wird. Schon die überaus reiche und kostbare Kleidung des jungen Helmbrecht, des Sohnes eines redlichen, wohlhabenden Meiers, paßzt nicht für einen, der hinter dem Pfluge hergeht. Der die Ritter nachäffende Stutzer verläßt, um ein Leben nach seinem Sinne führen zu können, seine Eltern und tritt in den Dienst eines Raubritters, dessen verwegenster und bösartigster Geselle er wird. Nach Verlauf eines Jahres kehrt der Ruchlose mit frecher Stirn als ein fremder Herr wieder heim, wird aber erst aufgenommen, nachdem er sich dadurch zu erkennen gegeben hat, daß er die Ochsen in seines Vaters Stall beschreibt. Dem alten Meier, welcher aus seiner Jugendzeit nur Buhurdieren, Minnege- sang und Tanz als die Beschäftigungen der ritterlichen Gesellschaft kennt, preist Helmbrecht das wüste, lasterhafte Leben des Raubadels an. Die Geschenke, welche er unter die Seinigen verteilt, sind Kauf- leuten und Pfaffen geraubt. Trotz der Abmahnung seines Vaters zieht er wieder auf Raub aus. Seine Schwester Gotelint verleugnet wie er die Eltern und will einen Raubgenossen ihres Bruders heiraten. Zur üppig gefeierten Hochzeit wird alles Erforderliche zusammengestohlen und geraubt, aber bei dem Hochzeitsschmause wird die ganze Gesellschaft von dem Richter und fünf Schergen überfallen. Von den zehn Räubern werden neun gehangen; dem Helmbrecht sticht der Henker die Augen aus und haut ihm eine Hand und einen Fuß ab. Den von seinem Vater Verstoßenen hängen endlich die Bauern.

So entsittlichte das Ritterwesen in seinen letzten Nachwirkungen das Volk.

In Frankreich war unter der Regierung des rünkevollen und grausamen Ludwig XI., welcher fortwährend die Fesseln zu zerreißen hatte, womit der Adel ihn umschlingen wollte, und der sich mit Leuten aus dem gemeinen Volk umgab, das Ritterwesen zurückgedrängt worden, wührend es in Burgund mit Prunk und Übermut gepflegt wurde: Karl der Kühne hatte in seinem ritterlichen Hochmut zuletzt keinen andern Gedanken mehr, als die Züchtigung des schweizer Bauernvolkes. Unter Ludwig XII. dauerte die ritterliche Erziehung des Adels in der alten Weise fort; die Junker(les jeunes damoysels) wurden an den Hof eines hohen Herrn geschickt, um dort als Pagen zu dienen, höfische Manieren sich anzueignen und den Waffendienst zu erlernen.

Die glänzende Nachblüte des französischen Rittertums, Pierre du Terrail de Bayard, bewies so viele Tugenden, daßs Franz I. nach der Riesenschlacht bei Marignano(13. und 14. September 1515), wie der alte Marschall Trivulzi sie nannte, mit Recht sich nur von dem»Chevalier sans peur et sans reproche« zum Ritter schlagen ließ. Allein auch Bayard war nicht frei von dem Adelsdünkel, welcher die Niederlagen der Franzosen bei Crécy, Poitiers und Azincourt verschuldet hatte. Als Kaiser Maximilian I., welcher gegen die vortrefflich durch Pitigliano verteidigte Stadt Padua nichts auszurichten vermochte, obgleich sein Heer durch die Franzosen verstärkt war, Sturm gegen die Stadt laufen lassen wollte, bemerkte Bayard ¹):»es sei unschicklich, daß französische Ritter, Grafen und Herren, mit Landsknechten, Schustern, Schmieden und Bäckern Sturm laufen sollten. Wenn die deutschen Grafen, Ritter und Herren absitzen uud mit ihnen stürmen wollten, so wären die Franzosen bereit ihnen den Weg zu zeigen und die

aver tocco queste parti, acciocchè li lettori di queste cose m non si ved' elli, che pur ancora lo dird, essere fatti cavalieri i morti? che brutta, che fetida cavalleria è questa! cosi si potrebbe fare cavaliere un uomo di legno. o uno di marmo, che hanno quel sentimento che l'uomo morto; ma quelli non si corrompono e l'uomo morto subito è fracido e corrotto. Ma se questa cavalleria è valida perchè non si pud far cavaliere un bue, nno asino, o altra bestia che hanno sentimento, benchdè l'abbiano inrazionabile? ma il morto non l'ha razicanspile inrazionabile. Questo cotal cavaliere ha la bara per cavallo, e la spada e l'arme e le bandiere innanzi come se andasse a combattere con satanasso.O vanagloria dell- umane Dossel«(Dante, Purg. XI, 91.)

¹) Mémoires du Chev. Bayard, XV, 116. Vergl. Geschichte Europas scit dem Ende des 15. Jahrh. v. F. v. Raumer, I, S. 69.

ateriali comprendano come la cavalleria è morta. E