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dritte Ritter spricht von seinem eintrüglichen Weinhandel. Dem Knecht kommt dabei wieder ein Held aus dem Parzival von Wolfram von Eschenbach in den Sinn: O weh, wie tobte Gramoflanz, da Gawan den Kranz von der Linde für die schöne Orgeluse brach! Der vierte Herr beklagt sich, sie hätten nur Schaden von ihrer Freigebigkeit, sie sollten ihren Rittern und Knechten keine Gaben gönnen, vielmehr mit ihrem Gelde Wucher treiben. Diese Rede gemahnt den Knecht an die Großmut des Königs Artus, der mit milder Hand im Schlosse zu Caridol nicht müde zu schenken ward.
Es ist eine bekannte Thatsache, daßz in Zeiten der übermäßiigen Verfeinerung die raffinierte Gesellschaft plötzlich Gefallen am Derben, ja selbst am Rohen findet. Nicht bloß die sentimentale Idylle, die schmachtende Schäferei erfuhr günstige Aufnahme bei den Vertretern des pretiösen Geschmackes, auch die Dorfpoesie und die Dorlgeschichte wurde gern in den höfischen Kreisen gehört und gelesen, und bot allerdings, sofern jene Gattung ein gesundes, volksmälziges Element enthielt, ein Gegengift gegen die conventionelle Unnatur. Nicht wenig beliebt waren daher am Münchener und später am Wiener Hofe die Dorflieder des bayerischen Ritters Neidhart von Reuenthal ¹), so daß auch Burkhart von Hohen- fels, der Tanhäuser, Steinmar, Johann Hadlaub u. a. Lieder in ähnlicher Weise mit mehr oder weniger Geschmack, d. h. mehr oder weniger Derbheit dichteten.
Wir hoben gesehen, daß die Herren in österreich mit Vorliebe Viehzucht, Korn- und Wein- wucher betrieben; umgekehrt waren die Bauern vom Ritterleben entzückt. In dem»Ring«, einer ge- reimten, satirisch-burlesken Erzühlung von bedeutendem Umfang, beschreibt Heinrich Wittenweiler(vor 1453) ein komisches Bauernturnier, wie solche wohl stattgefunden haben, wenn man allerdings die spaßhaften Übertreibungen abrechnet. Aus der Prügelei, welche selbstverständlich den Schluß der ge- schilderten Bauernhochzeit bildet, entwickelt sich sogar zwischen den Dörfern Lappenhausen und Nissingen eiu Krieg, in welchem, wie bei dem Bauernturnier der als Bauernfopper typisch und mythisch gewordene Neidhart auftritt, die epischen Heldenfiguren Siegenot, Laurin der Zwergkönig, Ecke und Roland auf der Seite der Lappenhauser, dagegen Dietrich von Bern, Hildebrant, Dietlieb und Wolfdietrich für die Nissinger kümpfen.
Daß auch im romanischen Süden längst vor Cervantes die Auswüchse des Rittertums verspottet wurden, beweisen die Novellen des Franco Sacchetti(di Benci d'Uguccione, er lebte etwa von 1335 bis 1410), so z. B. die 64. Novelle. Der siebenzigjührige Florentiner Bürger Agnolo di ser Gherardo, ein leidenschaftlicher Bewunderer des Rittertums, will auf einem entliehenen F urbergaul nach Peretola auf ein Turnier reiten. Als er, den Helm auf dem Kopf und den Speer in der Faust, in seinen hohen Sattel eingeklemmt sitzt. bindet ein boshafter Spaßvogel dem mageren, hochbeinigen Klepper eine Distel unter den Sehweif, so daf das gequülte Tier Reißaus nimmt und wie rasend nach Florenz zurückrennt. Der arme, zwischen den hohen Sattelbögen jümmerlich hin- und hergestoßene Agnolo muß zu Bett ge- bracht werden und sich zu den schmerthaften Stößzen und Quetschungen noch die Spöttereien der Nach- barn und die Vorwürfe seiner Frau gefallen lassen ²).
¹) Er nahm von 1217 bis 1219 am Kreuzzuge Leopolds VII. von sterreich teil.
²) Schon Petrarca(Epist. senil. XI, 13) hatte sich mißbilligend über die Turniere ausgesprochen, aber das Stärkste, was gegen das herabgekommene Ritterwesen vorzubringen war, sagt doch Sacchetti in seiner 153. Novelle:»Essendosi fatto a Firenze uno cavaliere, il quale sempre avea prestato a usura ed era sfolgoratamente ricco, ed era gottoso e già vecchio, in vergogna e vituperio della cavalleria, Ja quale nelle stalle e ne'porcili veggo condotta: e se io dico il vero, pensi chi non mi credesse s'elli ha veduto, non sono molti anni, far cavalieri li meccanici, gli artieri, insino a' fornaj; ancora piu giu, gli scardassieri, gli usuraj e rubaldi parattieri. E per questo fastidio si pud chiamare cacaleria e non cavalleria; da che mel conviene pur dire. Come risiede bene che uno judice per poter andare rettore si faccia cavaliere! E non dico che la scienza non istea bene al cavaliere, ma scienzu reale senza guadagno, senza stare a leggio a dare consigli, senza andare avvocatore a' palagi de' rettori. Ecco bello esercizio cavalleresco! Ma e' ci ha peggio, che li notai si fanno cavalieri, e piu su; e' il pennajuolo si converte in aurea coltellesca. Ancora ci ha peggio che peggio, che chi fa uno spresso e perfido tradimento è fatto cavaliere. O sventurati ordini della cavalleria, quanto siete andati al fondo! In quattro modi son fatti cavalieri, o soleansi fare che meglio dird: Cavalieri bagnati, cavalieri di corredo, cavalieri di scudo e cavalieri d'arme. Li cavalieri bagnati si fanno con grandissime cerimonie e conviene che sieno bagnati e lavati d'ogni vizio. Cavalieri di corredo son quelli che con la veste verdebruna e con la dorata ghirlanda pigliano la cavalleria. Cavalieri di scudo sono quelli che son fatti cavalieri o da' popoli o da' signori, e vanno a pigliare la cavalleria armati e con la barbuta in testa. Cavalieri d' arme son quelli che nel principio delle battaglie o nelle battaglie si fanno cavalieri. E tutti sono obbligati, vivendo, a molte cose che sarebbe lungo a dirle; e fanno tutto il contrario. Voglio pure


