Ein Volkslied ¹) gibt dem angehenden Raubritter folgenden ironischen Rat:
»Wiltu dich erneren,
du junger edelman,
folg du miner lere,
sitz uf, drab zum ban!
halt dich zů dem grünen wald, wann der bur ins holz fert,
so renn in freislich an!
Derwüsch in bi dem kragen, erfreuw das herze din,
nim im was er habe,
span uß die pferdelin sin!
bis frisch und darzů unverzagt, wann er nummen pfenning hat, so riß im dgurgel ab!«
Heinrich der Teichner, welcher von 1350 bis 1377 dichtete, ist im Gegenteil der Meinung,
Gott habe „dü ritterschaft dar zu gesatzt: wann ein arm man beschatzt chumpt gelauffeu, wer der sey, den sol der ritter machen vrey. Sein wappen sol zu aller zeit pey im ligen, wann er schreit, daz er sey bereit dar zue, und daz unrecht wider tue. Dar umb hat man ritterschaft auf gesetzt und gezaft, nich durich stechen und turniren: daz ist nur der welt hoffiren diu geit iren lon dar umb«, etc.
Hugo von Trimberg, von 1260 bis 1309 Rektor der Schulen des Kollegiatstifts St. Mariä und St. Gangolf zu Teuerstadt, einer Vorstadt von Bamberg, tadelt in seinem weitläufigen Lehrgedicht»der Renner« alle Laster seiner Zeit, Hoffart, Schlemmerei, Geiz, Habsucht u. s. w. und wendet sich dann — er kann den Schulmeister nicht verleugnen— in seiner wohlmeinenden, aber nüchternen Weise gegen die Ritterspiele und Turniere. Gott möchte wohl lachen, könnte es sein, meint der Rektor, wenn seine Puppenmännlein gegen einander rennten und mit langen Speeren auf einander stächen. Wozu die Wunden, die sie einander zufügten, wozu mit Kolben und Schwertern auf sich schmieden lassen wie auf einem Amboß? Mancher dumme Laie habe durch das Tiostieren und Turnieren Leib, Seele und Gut verloren. Weh, wie groß der Welt Dummheit leider ist! ruft er aus.
KAber auch ohne des Rektors Mahnung war die Ritterwelt höchst prosaisch geworden, wie wir aus einem dem sogenannten Seifried Helbling mit Unrecht zugeschriebenen satirischen Gedicht(dem fünfzehnten Büchlein, verfaßt zwischen 1289 und 1299) erfahren. Ein von seinem Herrn auf Kund- schaft ausgesandter Knecht hat am Hofe zu Wien das Gespräch der vornehmen Herren belauscht. Der Alteste von ihnen preist den Besitz einer guten Kuh, die im Jahr ein Fuder Milch gibt. Da füllt dem Knecht Gahmuret ein, der durch seinen Heldenmut vor Kanvoleis die Königin Herzeloide und ihre zwei Königreiche gewann. Der andere Herr freut sich seiner gefüllten zehn Korngruben. Da dachte der Knecht: Seht hie Parzival, wie er nach dem Gral auszog und mit Orilus um den Preis rang! Der
*) J. C. v. Fichard, Frankf. Archiv, III, S. 280 f.; auch in Uhlands Volksliedern I, S. 339(Nr. 134.)


