Aufsatz 
Einfluß des französischen Rittertums und des Amadis von Gallien auf die deutsche Kultur
Entstehung
Einzelbild herunterladen

wie si niwer site megen gedenchen, daâ mit si die sele chrenchen.

Daz ist ein strich der höhverte,

den der tivel des himelriches beherte.

Der höhvertige man ist des tivels suon.« Auch der Winsbeke(ein bairischer Ritter aus dem Geschlechte derer von Windsbach), zu An- fang des 13. Jahrhunderts, erklärt den Geburtsadel ohne Tugend für nichtig und wertlos:

»Sun, hôch geburt ist an dem man und an dem wibe gar verlorn,

wir nicht tugenden kiesen an, als in den Rin geworfen korn. Swer tugende hat, derst wol geborn. Nu merke rehte, waz ich dir sage: ich han ze vriunde mir erkorn

den nidern baz, der eren gert,

dan einen hohen sunder tugent,

der hiure ist bœser danne vert.«

Freidanks Bescheidenheit(1229) klagt ebenfalls über den hochmütigen Adel, aber auch über die allgemeine Raubgier und Habsucht:

»Tiutschez lant ist ronbes vol: gerihte, vogt, münz unde zol, diu wurden e durch guot erdaht; nu sint si gar ze roube bräht.«

Der Stricker(1225 1250) wendet sich desgleichen gegen das Treiben der Raubritter und schildert die Herren in Osterreich in einem groben Bilde als der Dichtkunst überdrüssig geworden durch frühere allzu große Begünstigung derselben. Ebenso scharf rügt er den eingerissenen unanständigen Ton der Vornehmen; er sagt sogar, daß die Ritter wegen der Kargheit der Fürsten nicht mehr gern am Hofe erschienen:

»Ungezogeniu wort unreine,

diu sint nu leider so wert,

daz man ir vür diu guoten gert.

Ritter unde vrouwen mugen wol klagen, daz seitspil, singen unde sagen

sint worden widerzeme«(mißfällig) ¹)

Thomasin von Zerclære, aus dem edlen Geschlecht der Cerchiari in Friaul, drückt ganz die- selbe Meinung in seinem»wälschen Gast«(1215 1216) aus wie der Winsbeke. Mit ihr stimmt auf- fallend der oben aus dem Roman de la Rose angeführte Ausspruch des Jehan de Meung überein, welcher die Fortsetzung des von Guillaume de Lorris in der ersten Hülfte des 13. Jahrhunderts begonnenen Werks spät in der zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts unternahm:

»Vater halben ist ein ieglich man edel, derz versten chan:

swer sin geburt behalten wil,

der hat adels harte vil.

Die sint alle Gotes chint,

die sin gebot leistende sint;

¹) Ebenso beschuldigt Aeneas Sylvius im 15. Jahrhundert die Fürsten des Verfalles der Poesie:»Quodsi apud Germaniam non sunt in pretio vates, non poesim sed principes potius argue, quibus laevissimarum rerum major est cura quam literarum«.(Vergl. Gervinus II 2, S. 241).