Aufsatz 
Einfluß des französischen Rittertums und des Amadis von Gallien auf die deutsche Kultur
Entstehung
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»der hofsche hovebære

lie siniu hovemære

und vremediu zabelwörtelin underwilen vliegen in.«

A Wenn auch Parzival der»tumbe clare« sich zuerst wie ein ungeschlachter Thor aufführt, der noch höfische Sitte lernen muß, so nennt ihn doch Wolfram»aller manne schœne ein bluomen kranz«; er sagt von ihm:»nie mannes varwe baz geriet vor im sit Adames zit. des wart sin loben von wiben wit; er läßt Karnahkarnanz von Parzival Abschied mit den Worten nehmen:»Got hüete din. Owi wan war din schœne min!«

Dagegen erhebt Walther von der Vogelweide seine Stimme:

»An wibe lob stet wol, daz man si heize schœne:

manne stêt ez übel, ez ist ze wich und ofte hœne.

Küene unt milde, und daz er da zuo stæte si,

s0 ist er vil gar gelobt: den zwein stet wol das dritte bi.«

Eine schmale Taille galt schon im 12. und 13. Jahrhundert für besonders schön; Wolfram sagt von der Antikonie;»ir'n gesaht nie ameizen, diu bézzérs gelenkes pflac, dan sie was da der gürtel lae; humoristisch vergleicht er ihren wohlgliederten Wuchs mit dem des Hasen am Bratspieße:»baz geschict an spizze hasen, ich wæne den gesaht ir nie, dan sie was dorte unde hie, zwischèn der hüffe unde ir brust.«

Die Jungfrauen des Grals sind blondgelockt, wie»Isôt la blunde«; blond war die Farbe des Haares, welcher bei Frauen der Vorzug gegeben wurde. Die andere Isolde,»Kaedines swester 18ot«. ist»diu mit den wizen handen, Isôte as blansche mains.«

Die Gemahlin des duc Orilus de Lalander im Parzival hatte»einen munt durchliuhtic rôt; von snéwizem beine nahe bi ein ander kleine, sus stuonden ir die liehten zene; och hete daz minnec- liche wip langen arm und blanke hant. Condwiramurs wird mit der Rose verglichen:»als von dem süczen touwe diu rôse uz ir bälgehin blecket niuwen werden schin, der beidiu wiz ist unde rôt.« ¹)

Aber die natürliche Gesichtsfarbe genügte vielen Frauen nicht, im Mittelhochdeutschen wird die sich schminkende Schöne humoristisch eine»malærinne« genannt. Schon am Ende des 12. Jahr- hun derts galt das Rot der Wangen für bäuerisch, und die Damen fasteten, um schmachtend blaß zu werden, wie es der Englünder Alexander Neckam oder Nequam(gest. 1215) rügt ²):

»Altera jejunat mense, minuitque cruorem Et prorsus quare palleat ipsa facit.

Nam quae non pallet sibi rustica quaeque videtur, Hic decet, hic color est verus amantis ait.«

Aber die Frauen wollten nicht bloß gefallen, sie wollten auch herrschen. Im 6. Jahrhundert fing die christliche Kirche an, Feste zur Verehrung der heiligen Jungfrau zu feiern. Im Laufe der Zeiten wurde die hehre, ernste Schmerzensmutter zu einer heiteren Himmels- und Weltkönigin, eine ähnliche Umwandlung, wie in Veldeke's Eneit die Frauen des Vergil, die laurentinische Königin Amata und ihre Toehter Lavinia, zu ritterlichen Damen geworden sind, welche ein weitläufiges Gespräch über das Wesen der Minne halten. Allerdings ist diese Metamorphose dem Trouvère Benoit de Sainte-More zuzuschreiben, nach dessen französischer Dichtung Veldeke arbeitete. So sind denn auch gerade in Frankreich Marienlegenden gedichtet worden, welche die Mutter Gottes als ritterliche Frau darstellen, ohne daßz die Autorität der Kirche Einsprache dagegen erhoben hätte, wie z. B. die Erzühlung des Priors von Vic-sur-Aisne, Gautier de Coinsy:»Du chevalier qui ooit la messe et Nostre-Dame estoit pour lui au tournoiement«, welche auch Caesarius Heisterbacensis wiedererzühlt. Ein Ritter, der zu einem

¹) In der ältesten Fassung der Parzivalsage, dem Mabinogi von Peredur, ist die Haut der Condwiramurs glänzender als Krystall, ihr Haar schwarz wie Erdpech, und ihre Wangen vom zartesten Rote leuchtend. ²) Angeführt bei Schnaase, Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter, Bd. V, S. 9.