9
avant! de us sal roi et sa mehnie! de duin duze aventüre si duze creature! Isôt Isôt la blunde, marveil de ta le munde; de te saut, beas harpiers! merzi, gentil chevaliers! etc.
Aber auch Wolfram von Eschenbach zeigt gern seine Kenntnis des Französischen und streut dergleichen Ausdrücke oft genug im Parzival ein: avoy(ah voi! ¹)— bien sei venuz, beâs sir— regine de Franze— fil li conte Schiolarz— bon fll, cher fil, beas fil— beas cors— Segramors roi— jeune
bois— le schastelier de Beauvais— fil li roy Gandin— cons Lascoyt—„condwieren— conterfeit — ht marveile— duc Orilus de Lalander— Kondrie la sorziere— in Kve estroit mavoie ²)— garzun oder vilan— Terre marveile— etc. Im Willehalm von Oranse macht sich Wolfram selbst
über diese Manier lustig: »Herbergen ist loschiern genant, 80 vil han ich der spräche erkant. ein ungefüeger Tschampâneys kunde vil baz franzeys dann ich, swiech franzoys spreche, seht was ich an den reche, den ich diz mære diuten sol: den zœme ein tiutschiu sprache wol: min tiutsch ist etswa doch sô krump, er mac mir lühte sin ze tump, den ichs niht gahs bescheide: da sume wir uns beide.«
In der Heimat des Rftterwesens, der Normandie, waren auch reiche Abteien erstanden: die von Fontenelle, erneuert im Jahre 1035 durch Herzog Wilhelm, die von Jumièges, die du Bec, gegründet. 1040 und andere, welche Pflanzstätten der mittelalterlichen Wissenschaft wurden. Lanfrank(geboren 1005 zu Pavia, gestorben 1089) hatte in Saint-Etienne zu Caen mehr als viertausend Zuhörer, und wurde, obgleich er sich in die Einsamkeit der Abtei du Bec geflüchtet, zum Er bischof von Canterbury erhoben. Durch seinen Streit mit Berengar von Tours, welcher die geistige Auffassung des Abendmahls gegen die sinnliche der Transsubstantiation durch die Hand des Priesters verteidigte, entwickelte sich die Scholastik. Sogar deutsche Geistliche besuchten die Schule Lanfranks in der Abtei du Bec. Sein Nachfolger sowohl in dieser Abtei wie auch als Vertreter der kirchlichen Lehre und später als Erzbischof von Canterbury wurde Anselm, welcher den Roscellin bekämpfte, der die Dialektik des Aristoteles als Waffe anwendend, die herrschende Dogmatik kritisierte. Es entbrannte der Streit zwischen den Realisten und Nominalisten, welcher mit subtiler Spitzfindigkeit geführt wurde. Die hellstrahlende Leuchte der Gelehrsamkeit wurde die Universität zu Paris, deren Glanz sich über ganz Europa verbreitete, und auch in der Wissenschaft machte sich siegreich in Deutschland der französische Einfluß geltend.»In Parisiense civitate est fons totius scientiae et puteus divinorum scriptorum«, sagt Caesarius von Heisterbach in seinen Dialogen (lib. V, c. 22). Lehrer wie Guillaume de Champeaux(de Campellis) und sein ihn an dialektischer Schürfe übertreffender Schüler Abälard, Hugo von Saint-Victor ³), welcher die Mystik mit der Scholastik versöhnen wollte, Alanus ab Insulis(Alain de Lille), der doctor universalis, von dem man sagte: „Sufficiat vobis vidisse Alanum«, und viele andere zogen die deutschen Jünger der Wissenschaft unwider- stehlich nach Paris. Von 1230 bis 1240 war ein Deutscher, der als Zauberer angestaunte Albertus
¹) Diese Etymologie gibt Diez II, 212, und nach ihm Bartsch und Lexer. Das im Altfranzösischen, namentlich im Rolandslied, so häufig vorkommende»aoi« scheint ein bloßer Naturlaut von verschiedener, jedoch meistens schmerzlicher Bedeutung zu sein; man vergleiche das französische ahi, aie, das deutsche au, aubeia (bei Fischart), aubi, autsch, auweh, das lateinische eja, eheu, das griechische ol, oi**ο, olo*, aber auch evoe, edον.— Aoi, exclamation; cri d'enthousiasme, de guerre, de douleur ou de pitié.(Dictionnaire de l'ancienne langue française par Frédéric Godefroy. Paris 1881).
²) In engem Wasser(aive, awe, iave, etc.) mit schlechter Furt.
³) Aas dem Geschlecht der Grafen von Blankenburg am Harz, im Jahre 1097 geboren und in dem Kloster der regulären Kanoniker des heiligen Augustinus zu Hamersleben gebildet, ging er 1115 nach der Schule von Saint-Victor bei Paris.
Adlerflychtschule 1886. 2


