7 ganzen Redensarten aufzuputzen ¹). Der Tanhäuser, welcher noch in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts lebte, bringt in einem Tanzleich zwei Dutzend französischer Wörter an).
Die Dichter von Ritterepen folgten vollends französischen Vorbildern; so verfaßte Hartmann von Aue den Erec(1192—93) nach Chrestien de Troyes, den Iwein(vollendet um 1203) nach demselben. und die legondenartige Dichtung Gregorius ebenfalls nach einem französischen Originale des 12. Jahrhunderts; Ulrich von Zazikhoven den Lanzelet(um 1195) nach einem französischen Epos, das ihm 1194 Hug de Morville, einer der sieben Ritter, welche als Geiseln für Richard Löwenherz nach Deutschland gekommen waren, verschafft hatte; Wolfram von Eschenbach den Parzival(etwa 1203— 1215) nach Guyot de Provins und nach des Chrestien de Troyes»Conte del graal«, den Willehalm(vor 1220) nach der „Bataille d'Aleschans« aus dem 12. Jahrhundert; Gottfried von Straßburg, Tristan und Isolde(um 1215) nach einem nur in Bruchstücken noch vorhandenen französischen Werke; Heinrich von dem Turlin die Krone(um 1220) nach Chrestien de Troyes; der Stricker den Daniel von Blumenthal(um 2130) nach Alberich von Besançon u. s. w.
Aber auch selbst die antiken Heldensagen wurden nicht aus den altklassischen Quellen geschöpft, sondern nach französischen Bearbeitungen ins Deutsche übertragen, so der Alexander von dem Pfaffen Lamprecht nach Alberich von Besangon, die Eneit(vollendet nach 1184) von Heinrich von Veldeke nach dem Encas von Benoit de Sainte-More,»das liet von Troie«(um 1205) von Herbort von Fritzlar nach demselben, der trojanische Krieg(vor 1287) von Konrad von Würzburg nach demselben, aber auch nach andern französischen Quellen.
Dio kleineren, den Franzosen entliehenen Erzäühlungen hier aufzählen zu wollen, würde zu weit führen.
Es konnte nicht ausbleiben, daß durch die höfische Dichtung zugleich mit französischer An- schauung, Sitte und Mode, welche in Deutschland nicht bloß in der adeligen Gesellschaft, sondern auch allmählich in dem Volke mehr oder weniger zur Geltung gelangte, eine Menge französischer Wörter und Redensarten in das Mittelhochdeutsche eindrangen, selbstverstundlich viele auf das Ritterwesen, das Reiten, Kümpfen, die Jagd u. s. w. bezügliche Ausdrücke, z. B. bühurt, altfranz. behourt, bohourt(to hurt, stossen), buhurdieren, altfrz. behorder, bohorder— covertiure, schützende und schmückende Pferde- decke— curie, frz. la curée— forést, föröt, etc.— furkie, Befestigung der Eingeweide des erlegten Hirsches an einer Furke, Gabel, fourche, furca— gabilôt, kleiner Wurfspieß, frz. gavelot, javelot— glevin glevine, glavie, gléve, glen, glevenie, Lanze, Lanzenreiter, Schar solcher Lanzenreiter, altfrz. glaive, Lanze, Schwert, aus dem lat. gladius— grôpiere, Pferdedecke, frz. croupière— krie, kri, Schlachtruf; kroijieren, frz. cri, crier— kumpanie, companie, frz. compagnie; kumpàÄn, compan altfrz. compaign, aus cum und panis— leisieren, leischieren, mit verhängtem Zügel reiten, vom franz., laisser, prov. laissar, lat. laxare— massenie, messenie, Hofstaat, Gefolge, altfrz. masnie, maissnie, mittellat. mansionada von mansio(maison)— pavelun, pavelon, Zelt, frz. pavillon, mittellat. papilio— punieren, pungieren, auf den Gegner stoßend anrennen, vom lat. pungere; perneiz, der Anprall mit der Lanze— rabbine, ravine, altfrz. ravine, das schnelle Rennen des Rosses, vom altfrz. raver rennen, lat. rapere; ravit, Streitroß, Renner— sambelieren, schambelieren, dem Rosse die Schenkel geben, vom altfrz. game, jame, jambe— schastél, schahtöl, Schloß, altfrz. chastel; schahtelan, Kastellan, Burgvogt — schavelin, Jagdspieß, frz. javeline, javelot— tjost, tyost, tjust, altfrz. jouste, vom lat. justa sc. pugna — turnei, turney, frz. tournoi; turnieren; altfrz. tornoyer, mit tourner aus dem lat. tornare, u. s. w.
2) S. W. Wackernagel, altfranz. Lieder und Leiche. Basel 1846. 4. S. 195 f. ²) Eine Stelle daraus genüge als Beispiel:
»Ich hôrte dà wol schantieren, die nahtegal toubieren;
aldaà muoste ich parlieren
ze rehte, wie mir wære;
ich was Aàne alle swære.
Ein rivière ich dà gesach,
durch den fôres gieng ein bach
ze tal über ein planiure;
ich sleich ir nach, unz ich sie vant, die schœnen creatiure; bi dem fontàne saz diu klare, diu süeze von faniure.«


