Aufsatz 
Einfluß des französischen Rittertums und des Amadis von Gallien auf die deutsche Kultur
Entstehung
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Friedrich I. aufhielt, nicht bloß eine Einmischung von deutschen, sondern auch von französischen Versen, so bricht sich ganz besonders am Niederrhein der französische Einfluß Bahn auf dem Weg über das halb französische Flandern. In der mittelhochdeutschen Ritterepik werden die sogenannten kurzen Reimpaare nach dem Vorbilde der in achtsilbigen paarweise sich reimenden Versen gedichteten französischen Ritterromane gebräuchlich. Wie bei den Franzosen im Epos und in der Lyrik, gelangt auch im mittelhochdeutschen Heldengedicht und in der mittelhochdeutschen Lyrik¹) der Alexandriner zur Geltung,»jedoch in freier Nachbildung, wie der Accentreichtum des Deutschen sie auch hier verlangte«²). Ist doch der Nibelungenvers ein Alexandriner mit weiblicher Cäsur, wie er auch zuweilen im Altfranzösischen vorkommt. Der Provence ist das Taglied(alba) entlehnt, das aber auch bei den Nordfranzosen ein- heimisch ist. Friedrich von Hausen nahm geradezu die folgende Strophe einer Kanzone von Folquet von Marseille zum Vorbild, wie dies aus den daneben gesetzten Versen des Minnesängers aus der Pfalz erhellt:

Qu'el garda vos e us ten tan car, Si darf mich des zihen niht, quel' cors en fai nesci semblar, min herze enhete si in pfliht, quel' sen i met, l'engenh e la valor, dez mohte si die warheit an mir sehen: si qu'en error unt wil sis jehen, laissal' cors pel sen qu'el reste: ich kom sin dicke in grôze nôt, qu'om mi parla, maintas vez s'esdeve, daz ich den liuten guoten morgen bot qu'eu no sai que, engegen der naht; e m'saluda qu'eu non aug re; ich was s0 verre an si verdaht, pero jamais nuls hom no m'occaizo, daz ich mich under wilent niht versan, si m'saluda, et eu mot no li so. unt swer mich gruozt, daz ich sin niht verstan.

Ebenso entlieh Gratf Rudolf II. von Fenis oder Neuchatel acht Strophen des Folquet, drei des Peire Vidal; dagegen ahmte Bernger von Horheim eine Strophe des Chrestien de Troyes nach, und Heinrich von Veldeke richtete sich ebenfalls nach nordfranzösischen Mustern. Schon im 12. Jahrhundert begann, wenn auch noch mätßzig, die Mode, deutsche Gedichte mit französischen Wörtern und selbst

¹) Die Form der Nibelungenstrophe wurde nach dem Kürnberger, der sie erfunden haben soll, des »Kürnbergers wise« genannt. Von ihm ist folgendes schöne Lied in dieser Weise:

»Ez hat mir an dem herzen vil dicke getan, daz mich des geluste, des ich niht mohte han, noch niemer mac gewinnen: daz ist schedelich; jone mein ich golt noch silber: ez ist den liuten gelich. lch zôch mir einen valken mere dann ein jar; ich in gezamete, als ich in wolte haàn, und ich im sin gevidere mit golde wol bewant, er huop sich uf vil hôhe und floug in anderiu lant. Sit sach ich den valken schone vliegen: er fuorte an sinem vuoze sidine riemen, und was im sin gevidere al rôt guldin. Got sende si zesamene, die geliebe wellen gerne sin.«

Es kommt im Mittelhochdeutschen nur auf die Zahl der Hebungen, nicht der Senkungen an. Man ver- gleiche die Alexandriner aus dem Roman d'Alixandre von Alexandre de Bernai(12. Jahrh., herausgegeben von Michelant, Stuttgart 1846) nach welchem Werk, das von Lambert li Cors begonnen wurde, der zwolfsilbige Vers der Franzosen den Namen»Alexandriner« erhalten hat, obgleich er schon früher vorkommt:

»Li rois qui son roiaume veut par droit gouverner, Et li dus et li conte qui terre ont à garder, Tous cil doivent la vie Alexandre escouter. Se il fut crestiens, onques ne fut teus ber; Rois ne fut plus hardis, ne mius seust parler, Ni onques ne fu hom plus larges de douner; Onques puis qu'il fu mors, ne vit nus hom son per.

²) S. die vortreffliche Darstellung der mittelhochdeutschen Verskunst in Wilhelm Wackernagels Geschichte der deutschen Litteratur§ 48.