Aufsatz 
Franciscus Modius, Rechtsgelehrter, Philologe und Dichter, der Konrektor Sigmund Feyerabends. Eine kulturgeschichtliche Studie
Entstehung
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Die Familie Neustetter verlor im dreilsigjährigen Kriege ihr bedeutendes Vermögen; ihre überlebenden Mitglieder wanderten aus und verloren sogar die Spur ihrer Abkunft, welche erst in unserem Jahrhundert wieder festgestellt wurde, und zwar durch die Bemühungen des Ignaz, Freiherrn von Stürmer, k. k. Staatsrats, geboren zu Wien den 21. August 1752, ge- storben daselbst am 2. December 1829. Sein Sohn Bartholomäus, geboren 1787 zu Konstanti- nopel, wo sein Vater österreichischer Gesandtschaftsdolmetscher war, begann unter dessen Leitung seine bewegte Laufbahn als Dolmetscher und Diplomat bei der Internunziatur in Konstantinopel, machte als Geschäftsträger seiner Regierung bedeutende Reisen, wurde zum Grafen erhoben und starb am 8. Juli 1863 in Venedig, ohne Erben zu hinterlassen. Des letz- teren Bruder Karl, geboren den 3. November 1792 zu Wien, trat in die Ingenieur-Akademie ein, führte hierauf ein ebenfalls höchst bewegtes Leben als Militär, nahm verschiedene hohe Stellungen als Militär-Gouverneur ein und starb als Gouverneur der Festung Peschiera am 26. December 1853. Mit diesen beiden Brüdern erlosch das Haus Stürmer im Mannesstamme.

II. Leben des Johannes Posthius.

Johannes Posthius, geboren den 15. October 1537 zu Germersheim am Rhein, schon im Alter von drei Jahren verwaist, zeigte frühe die glücklichsten Anlagen. Er studierte zu Heidel- berg unter Thomas Erastus und Petrus Lotichius Medizin, nachdem er sich die tüchtigste klassische Vorbildung angeeignet und sich bei verschiedenen Gelegenheiten als lateinischer Dichter ausgezeichnet hatte ¹).

Sein Lehrer Petrus Lotichius Secundus war mit Erasmus Neustetter in inniger Freund- schaft verbunden. Als Lotichius am 7. November 1550 gestorben war, betrauerte Posthius dessen allzu frühes Hinscheiden in einer Flegie, welche er mit einigen ähnlichen Gedichten drucken liels und dem Erasmus Neustetter widmete. Dieser lud den jungen Dichter sofort nach Komburg ein, sandte ihm Pferde und Reisegeld, behielt ihn auf die herzlichste Weise einige Tage bei sich und entliefs ihn mit einem reichlichen Ehrengeschenk.

Im September 1563 reiste Posthius nach Italien und hielt sich zuerst einige Zeit in Padua auf, um seine Kenntnisse in der Arzeneiwissenschaft zu erweitern, machte die Bekannt- schaft der bedeutendsten Mediziner qaselbst und studierte Botanik unter der Leitung des be- rühmten Vorstehers des dortigen botanischen Gartens Melchior Guilandini. Hierauf besuchte er Venedig und litt bei seiner Reise von dort über das adriatische Meer durch einen plötzlichen Sturm Schiffbruch, gelangte aber glücklich nach dem Ziele seiner Reise, Bologna, wo er länger verweilte. Als er von Bologna über den Apennin nach Florenz ritt, stürzte er zwischen Scar- peria und Florenz mit dem Pferde. Von Florenz kam er ohne Unfall nach Siena, wo er sich die

¹) Am 11. November 1555 begrüfste der achtzehnjährige Jüngling den Philipp Melanchthon bei dessen Ankunft in Heidelberg mit einer lateinischen Elegie.