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Unter den gelehrten Männern, welche Neustetters Gastfreundschaft in Komburg genossen, zählt Melchior Adamus aufser Modius und Posthius noch Camerarius von Nürnberg, den Arzt und Dichter Petrus Lotichius(Lotz), Konrad Dinner, Paulus Melissus(Schede, welcher aufser seinen lateinischen Gedichten auch deutsche verfaſste, durch welche er zuerst den Alexandriner, die Terzinen und das Sonett in unsere Poesie einführte), den Arzt Johann Matthesius, Jeremias Baunach und Richard Hemel auf. Aufser diesen nennt Modius in seinen„Novantiquae Lectiones“ noch den Johannes Sinapius und den Jakob Micyllus, und erwähnt, Neustetter sei noch mit sechshundert andern deutschen und auswärtigen Gelehrten in Freundschaft verbunden gewesen. Er selbst wuſste am besten aus Erfahrung, wie grofsmütig Neustetter verdienstvolle Hilfsbe- dürftige unterstützte.
Aber nicht blofs an der Wissenschaft, sondern auch an einem frohen geselligen Zusammen- leben, ja sogar einem lustigen Humor scheint Erasmus Neustetter Gefallen gefunden zu haben, denn er hatte unter seinem kleinen Hofstaate auch einen Hofnarren namens Friedrich, dessen am 7. Februar 1582 erfolgter Tod Neustetter sehr betrübte. Modius widmete dem Andenken des beliebten Spalsmachers sogar ein Gedicht(Funer. X): In obitum et sepulchrum Federici Simplicis, familiaris quondam Ampliss. Erasmi Neustetteri.
Neustetter wurde 1589 zum Rector magnificus der 1582 von Bischof Julius gegründeten Universität erwählt, war aber nur mit Mühe zur Annahme dieser Würde zu bewegen, und zwar erst, nachdem er von den Abgesandten der Universität, dem Suffragan und den Decanen der vier Facultäten, ermächtigt worden war, einen Prorector zu ernennen. Zu diesem seinem Stell- vertreter wählte er den Jesuitenpater Nikolaus Serarius. Spâter, als bei Gelegenheit einer vorzunehmenden Neuwahl des Rectors, Neustetter erklärt hatte, wenn er einmal das Amt nieder- gelegt habe, werde er es nicht leicht wieder annehmen, befahl Bischof Julius, dals die Wahl- versammlung nicht stattfinden solle.
Erasmus Neustetter starb am 3. December 1595, und fand seine Ruhestätte in der Domkirche zu Würzburg,„wo zwei Monumente sein Andenken erhalten haben, nämlich das eine aus Marmor, das andere aus der Erzplatte bestehend, die einst auf seinem Grabe selbst lag, nun aber gleichfalls an der Mauer befestigt ist“ ¹).
Johann Christoph Neustetter, der Sohn des Ritters Sebastian Neustetter, Bruders des Erasmus, wurde von seinem Oheim sorgfältig erzogen und genoſs, wie aus der Epistola XXVII. der Novantiquae Lectiones(Franciscus Modius Sebastiano Neustettero, cognomento Sturmero, Equiti Franco S.) hervorgeht, den Unterricht des Modius. Er starb als Propst und Senior des Domstifts zu Bamberg, Domcustos zu Mainz, Domcapitular und Jubiläus zu Würz- burg, sowie kaiserl. geheimer Rat.
Reichs-Prälatur, und der Probst daselbst für einen Reichs-Stand gehalten; solche Probstey auch mit einem sondern Anschlage lzu den Reichs-Hülffen belegt gewesen. Nachdem man sich aber dessen von Stiffts Wirtzburg wegen, als dahin ermeldte Probstey gehörig, beschwehrt und aufgehalten gehabt, und der Kayserliche Fiscal die Sach an das Cammer-Gericht zu Speyer gebracht, ist im Septembri 1587, als dieselbige über 30 Jahr Rechthängig gewesen, das Urtheil dahin ergangen, daſs benannte Probstey Comberg fürter dem Reich nicht mehr, sondern dem Stifft Wirtzburg, als andere desselben Probsteyen und Clöster, mit den Contributionen und anderen gewärtig seyn soll.“ (Wirtzburgische Chronick etc. I, 339.)
¹) Ruland a. a. O.


