Aufsatz 
Franciscus Modius, Rechtsgelehrter, Philologe und Dichter, der Konrektor Sigmund Feyerabends. Eine kulturgeschichtliche Studie
Entstehung
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In meinem Besitze befindet sich ein handschriftliches, in Schweinsleder gebundenes Büchlein in 8⁰, dessen ehemaliger Eigentümer mit fester Hand seinen Namen auf die Vorder- seite des ersten Blattes geschrieben hat: Johann Christoph Neustetter, der Neffe des berühmten Erasmus Neustetter und Schüler unseres Modius. Dieses Büchlein enthält 126 Nativitäten ge- krönter Häupter und berühmter Männer des 16. Jahrhunderts; Nr. 126 ist das Horoskop des Philipp Melanchthon, auf welches 24 unbeschriebene Blätter und dann noch 6 Nativitàten folgen.

Diejenige, welche uns hier am meisten interessiert, ist die 44., nämlich die Nativitàt des Erasmus Neustetter, dessen Geburtsjahr wir darnach feststellen, nämlich nicht 1522, wie Ruland angibt, sondern 1523 den 7. November wurde der ältere Neustetter geboren. Darunter ist zu lesen: Correctum folio 97 invenies. Unter dieser verbesserten Nativität steht: Vitae periculum timendum cum O ad Corpus& venturus est. Sin evaserit supremam Eclesialticam (sic) dignitatem cum O ad 5 D: perveniet. Der Rest ist leider dick ausgestrichen. Es geht daraus hervor, daſs Erasmus Neustetter sicher erwartete, zum Bischof von Würzburg gewäahlt zu werden, und dafs er keineswegs darauf verzichtet hatte, um nur seiner wissenschaftlichen Muſse zu leben.

Auch ein Bildnis des Franz Modius ist uns erhalten, und zwar von dem geschickten Frankfurter Kupferstecher Johann Theodor de Bry. Es befindet sich in der Porträtsammlung berühmter Männer: Bibliotheca sive Thesaurus virtutis et gloriae: In quo continentur illustrium eruditione et doctrina virorum effigies et vitae, summa diligentia accuratè descriptae et in centurias duas distributae per Jan. Jacobum Boissardum. Artificiosissime in aes incisae à Joan. Theodor. de Bry, etc. Francofurti. Sumptibus Guilielmi Fitzeri. Anno M. DC. XXVIII. Es ist das zweite Porträt des 4. Teils und trägt in einem Rundbogen die Uberschrift Franciscus Modius Brugensis J. C. et Poeta. Unter dem Bilde steht:

Modius hic modium juris compleverat omnem, Quam vite modius plenior ante foret.

Modius ist in halber Figur, nach damaliger Mode im spanischen Costüm dargestellt. Es ist ein nicht uninteressanter Kopf mit schwermütig blickenden Augen. Das Haar über der niedrigen Stirn ist kurz geschnitten; die Nase ist lang, aber wohlgebildet. Modius trug nur einen Schurrbart, während sonst allgemein die mäànnlichen Köpfe nach damaliger Mode einen kurz geschnittenen Vollbart zeigen, weil die an Ausdehnung immer zunehmende Halskrause einen längeren Bart nicht zuliels. Die Halskrause des Modius gehört schon zu den weiter ge- fältelten. Auf seiner Brust fällt in drei Reihen eine goldene Kette; die rechte Hand ruht auf dem mächtigen Korb seines Degens. Das spanische Mäntelchen deckt nur den Rücken; das Wams spitzt sich auf Brust und Leib in den sogenannten Gänsebauch zu(damalige Mode). Auf der Brüstung der fensterartigen Umrahmung liegt rechts(vom Beschauer) ein kleiner Lorbeerkranz, links eine Pergamentrolle mit der Inschrift: Nascit. Brugis Ao.... Obiit A....; die Jahreszahlen sind nicht ausgefüllt. Wahrscheinlich wurde dieser Kupferstich nach einem während des Aufenthalts des Modius in Frankfurt gezeichneten oder gemalten Porträt ausgeführt.