Brügger Malerschule, der Meister Hubert und Jan van Eyck und Jan Memling. In der Vorrede 2u den Pandectae triumphales, deren zweiter Teil mit Holzschnitten nach Jost Amman geziert ist. macht er dem letzteren das schlechte Compliment, daſs, wenn man Vergnügen an der bild- lichen Darstellung der Turniere und Ritterspiele finde, dies doch in viel höherem Grade durch des Lesen einer guten Beschreibung stattfinden müsse, denn während die Malerei und die Sculptur nur die Augen ergötzten, so bildeten und nährten die Bücher Geist und Gemüt des Menschen. Die Malerei biete eine stumme, leere und oft falsche Darstellung, wie sie gerade dem Gehirn des Künstlers entsprungen sei; die Bücher dagegen gevährten eine lebendige und genaue Unterweisung; die Maler seien meistens unwissende Leute; die litterarischen Werke würden nur von Gelehrten mit genauer Kenntnis aller Dinge und Umstände verfaſst, und die Wissenschaft stehe so hoch über der Malerei, wie die Gelehrten den Umwissenden, die Lebendigen den Toten vorzuziehen seien.
Charakteristisch für die Zeit ist eine Notiz im Enchiridion, welche Modius gelegentlich einer Reise niederschrieb, die er unternahm, um die Bibliothek der Abtei St. Maximin bei Trier zu besuchen, welche jedoch seiner Erwartung rücksichtlich alter Handschriften nicht entsprach: „Jenes ganze Gebiet und die Stadt Trier selbst ist verrufen wegen der Hexerei. Ich sah einen Platz, wo die Pfähle zeigten, dafs kürzlich mehr als hundert sowohl Männer als Frauen wegen dieses Verbrechens lebendig verbrannt worden waren; in derselben Stadt wurde, während ich dort war, ein sehr reicher Doctor von hervorragendem Namen, welcher oft in der Stadt das Amt eines Stellvertreters des Bischofs versah, wegen desselben Verbrechens gefäanglich eingezogen.“
Aberglaube war eine geistige Krankheit jener Zeit, von welcher auch Mânner wie Luther, Melanchthon und Erasmus nicht frei waren. Ein Mann aus dem Freundeskreise des Lipsius, der Jesuit Martin Delrio, dessen wir schon gedachten: schrieb sein berüchtigtes Buch: Dis- quisitiones magicae, worin der grasseste Aberglaube gepredigt wird, dem aber Lipsius seine zustimmende Bewunderung in einem Epigramm ausspricht. Ein anderer Jesuit, der Verfasser der Trutz-Nachtigal, Friedrich Spee, ein Mann von dem edelsten kindlichen Herzen, ein wahr- haft frommes Gemüt, kämpfte gegen das schreckliche Unwesen der Hexenbrocesse namentlich auch in Würzburg, wo 1627— 1629 158 unglückliche Menschen, der Zauberei angeklagt, lebendig verbrannt wurden, mündlich und schriftlich voll Unerschrockenheit, aber mit grölster Gefahr für seine eigene Person. Bekannt ist ja sein Buch:„Cautio criminalis de processibus contra sagas,“ Rinteln 1631.
Nicht weniger war im 16. bis weit in das 18. Jahrhundert hinein der Glaube an die Astrologie verbreitet. Fast jeder Fürst hatte seinen Sterndeuter. Kurfürst Joachim I.(Nestor) von Brandenburg, der gelehrte Beschützer der Wissenschaften, der Freund des Papstes Leo X. und Franz des Ersten von Frankreich, war selbst ein eifriger Astrolog und sagte in seinem Werke„Prognostica astrologica“ die Erhöhung seines Hauses zur Königswürde voraus. Selbst der grofse Johann Keppler¹) glaubte wie Cardanus an einen daemon familiaris und sprach sich keineswegs mit voller Entschiedenheit gegen die Astrologie aus.
¹) Er selbst schrieb seinen Namen deutsch Keppler, lateinisch Keplerus. S. Freiberr von Breitschwert,
Johann Keppler's Leben und Wirken(Stuttgart 1831) S. IX. 5*


