Bonner Gefangnis und erholte sich wahrscheinlich nicht wieder zu voller Gesundheit, wenn er auch noch bessere Tage erlebte.
Melchior Adamus bezeichnet die Epistola XXVI. der Cent. II. ad Belgas ¹) als den zum Zweck der Wiederbekehrung des Modius von Lipsius an Hieronymus Berchem, Juriscons. und Canonicus zu Ypern, den ehemaligen Haushofmeister und Erzieher des Grafen Karel van Egmond, gerichteten Brief, datiert Löwen den 11. Januar 1597(Todesjahr des Modius), so dafs also zwischen der Entlassung des Modius aus dem Kerker und dem Datum des Lipsischen Briefes ein Zeitraum von neun Jahren liegt! Die Möxglichkeit, daſs etwa durch einen Druckfehler das Datum des letzteren Briefes falsch angegeben sei, ist durch die chronologische Anordnung der Epistolae in den Centurien ausgeschlossen.
Wenn nun Lipsius von einem Freunde des Berchem spricht, welchen er auch einst gekannt und geliebt habe, so fehlt doch eine bestimmtere Angabe, daſs er Modius damit meine; war ja doch die Zahl der Freunde, mit welchen Lipsius Briefe wechselte, Legion; überdies ist der oben schon erwähnte Brief des Lipsius an den Modius datiert vom 30. November 1596 und beginnt mit den zärtlichsten Schmeicheleien ²), während er in der Epistel an Berchem gleichsam von einem Verworfenen spricht.
Wir haben gesehen, daſs Modius in Aire ein zufriedenes Stillleben führte und, seiner alten Neigung wieder nachgebend, sich mit philologischen Arbeiten beschàftigte, worin er ja sein Leben lang Befriedigung und Heiterkeit fand. Auch stand er noch im Briefwechsel mit seinem Befreier, dem früheren Bonner Dechanten und damaligen Protonotarius zu Mainz, Jakob Campius, welchen Lipsius zu grülsen bittet.
Nachdem Lipsius in der Epistel an Berchem mit groſsem rhetorischen Aufwand die Be- weisgründe für das Dasein Gottes, so namentlich den historischen, ontologischen, moralischen, kosmologischen und teleologischen zusammengestellt hat, sagt er, auf Berchems Freund hindeutend, welchen er auch kenne, die jungen Leute würden mehr durch Frechheit und Zuchtlosigkeit als durch Vernunft und Überlegung angetrieben. Der bewuſste Freund, welcher dem Alter, nicht dem Verstande nach reifer sei, möge mit der Annahme der wahren Religion auch ein sittliches Leben verbinden.
Daſs dies alles auf Modius passen sollte, der ein halbes Jahr nach dem Datum dieses Briefes am 23. Juni 1597 in seinem nicht vollendeten 42. Lebensjahre zu Aire starb ³), erscheint zum mindesten sehr fraglich. Setzen wir aber auch den Fall, dals es sich hier wirklich um den irrsinnigen oder irrgläubigen Modius handelte, so war es gewiſs nicht der richtige Weg, dafs Lipsius allerlei theoretische Beweise an einen Dritten richtete, statt direct auf das kranke Gemüt seines Freundes zu wirken und mit herzlichen Worten des Trostes und der Ermahnung sich an sein religiöses Gefühl zu wenden.
¹) Justi LipsI Epistolarum selectarum Chilias Pag. 650 sdPqF.
²)„Mentiar, Modi, mentiar, nisi fatear, litteras tuas ex animo gratas jucundasque mihi fuisse: nonne te novi veterem amicum? nec si silentium aut interruptio intervenit, dissidium aut disjunctionem possum aut debeo interpretari. nam amavi te, Modi, atque amo. Leporem atque amoenitatem ingenii, aequitatem judicii super plerosque harum artium in te vidi“.
³) Burmanni Syllog. Epist. T. I., P. 110.


