— 32—
erhalte. Was hielt Deine Hand oder Deinen Geist zurück? Ein kleiner Argwohn oder ein Miſs- trauen(denn das deutest Du an) gegen meine Zuneigung zu Dir? Da hast Du sehr unrecht gethan! Ich rufe meinen Gott zum Zeugen an, daſs unter allen Belgiern Modius mir immer teuer war. Möge doch der, welcher uns auseinander zu reifsen wagte, nicht bei dir mehr gelten als bei mir! Aber ich breche dies ab, weil jener dahin ist; dahin ist auch der kleine Argwohn, wenn welcher vorhanden war, und geschwunden ist auch jene Wolke, oder das Wölk- chen; möge nun die reine Sonne der Freundschaft leuchten! Was an mir liegt, wird geschehen: Du folge mir nach, wenn ich voran gehe, u. S. w. Seine Gesundheit sei schwankend, während Modius, wie er vernehme, sich recht wohl befinde und mehreres zur Herausgabe vorbereite. Wenn kein Hindernis eintrete, wolle er dem Briefe beifügen, wenn er etwas den Frontinus oder Curtius Betreffendes(!) finde, welche ja Modius aufs neue herausgeben wolle.
Modius muſs unterdessen wieder an Lipsius geschrieben haben, denn letzterer verspricht ihm am Ende eines langeren Briefes(d. d. Löwen 30. November 1596) sich nach dem Arnobius zu erkundigen, spricht aber zugleich die Befürchtung aus, dafs die Mühe eine vergebliche sein werde. Die Mühe, welche sich Lipsius darum gab, wird keine zu groſse gewesen sein, denn Worthalten und Wahrheitsliebe war nicht gerade die starke Seite des eiteln und unbeständigen Gelehrten, dem Burmann(Sylloges Epist. Tom. I., Pag. 346) in der Anmerkung zur Epist. CCCXL. (J. Lipsius Hieron. Groslotio Leslaeo) offenbare Lügen nachweist, womit er seine Freunde zu hintergehen suchte.
Modius wird wahrscheinlich seinen Arnobius nicht wieder gesehen haben.
Auf die Bitte des Modius, ihm die Wiener Ausgabe der Panegyrici zu leihen, erwidert Lipsius, er möchte ihm gern gefallig sein, allein er habe die Wiener Ausgabe nicht mehr im Hause, denn er habe sie einem Freunde geborgt, der sich auch mit den Panegyrici beschäftige. — Dieser Freund ist der oben erwähnte Levinus Levineus, mit welchem Lipsius unter einer Decke steckte und schon in Betreff des Arnobius falsches Spiel gegen Modius trieb. In der That erschien die Ausgabe der Panegyrici cum notis Levineji bei Moretus, Antwerpen 1599.
Noch ist ein Umstand zu erwähnen, dessen manche Biographen des Modius gedenken, welche aber diese Kunde nur aus der von Melchior Adamus zusammengestellten Lebensbeschrei- bung geschöpft zu haben scheinen. Rücksichtlich der in ein schwer zu durchdringendes Dunkel gehüllten letzten Lebensjahre des Modius haben namentlich die biographischen Lexika viele Irrtümer verbreitet, deren einige Burmann in der Anmerkung Seite 110 in Syllog. Epist. Tom. I. widerlegt. Melchior Adamus gibt an, daſs Modius in Folge des widerwärtigen Geschickes, welches er in Bonn erlitten, körperlich und geistig krank geworden, ja in eine so tiefe Schwer- mut versunken sei, dals er an Gott und der göttlichen Vorsehung gezweifelt habe. Lipsius habe, von einem beiderseitigen Freunde darum gebeten, in einem Briefe an den letzteren die Zweifel des Modius mit kräftigen Beweisgründen widerlegt.
Glaubwürdig genug ist es, dals Modius, der Hab, Gut und Gesundheit eingebüfst hatte, acht Wochen während der kältesten Wintermonate in einem elenden, ungeheizten Kerker liegen und dafür noch zahlen, ja aufserdem noch sich mit einem hohen Lösegeld loskaufen mufste und überdies einer ganz unsicheren und traurigen Zukunft entgegensah, nicht wohlgemut und frohen Sinnes sein konnte. Als ein gebrochener, kranker Mann kam er am 23. Februar 1588 aus dem


