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Er sei immer noch ehrgeizig, fügte er hinzu, wenn er auch dem Hofdienst entsagt habe; Lip- sius möge ihn, wenn er mit seinem(des Modius) Propste gelegentlich zusammenkomme, doch dessen Wohlwollen empfehlen.
Es möõgen hier aus dem Anfang des Briefes vom 1. August 1596 noch mehrere nicht unwichtige Nachrichten folgen, welche einiges Licht sowohl über die letzten Lebensumstände des Modius, als auch über das Verhalten seiner angeblichen Freunde gegen ihn verbreiten.
Modius meldet dem Lipsius, daſs er sich wohl befinde, ja dals er sogar zuweilen wieder die Bücher anrühre. Anrühren sei das richtige Wort, denn sei es das Alter oder sein neuer Stand(als Canonicus), er werde sich jetzt den Studien, von welchen früher nichts ihn abzu. lenken vermocht habe, nur aus Liebhaberei, welche sich jedoch nicht zur Leidenschaft steigern dürfe, und zur ergötzlichen Unterhaltung in seinen Muſsestunden zuwenden.
So beabsichtigte er im Sommer 1595 seine Lesarten der Panegyrici veteres, welche er nach einer Handschrift der Abtei St. Bertin verbessert hatte, in der„Officina Plantiniana“ drucken zu lassen. Plantinus selbst war bekanntlich schon 1589 gestorben. Moretus ¹), Plantins Schwiegersohn, antwortete ihm, er könne jetzt nicht auf seinen Antrag eingehen, weil er zu- vor das Werk des Lipsius de Machinis bellicis und den sechsten Band der Annales Ecclesiastici des Baronius drucken müsse. Er habe, fährt Modius fort, dem Heinrich Stephanus(einem un- stäten Manne, der an verschiedenen deutschen Höfen nicht im besten Rufe stehe), welcher ihn schon 1594 vom Reichstage zu Regensburg aus brieflich um seine Lesarten ersucht habe, um sie mit den Panegyrici selbst abzudrucken, seine Arbeit nicht überlassen wollen. Er beabsich- tige sie aufzubewahren, bis Moretus Zeit zum Druck derselben finden werde. Wenn Lipsius ihm unterdessen die Wiener Ausgabe ²) der Panegyrici leihen wolle oder verschaffen könne, so werde er ihn zu grofsem Danke verpflichten, desgleichen wenn er ihm seine eigenen die Pane- gyrici betreffenden Notizen mitteilen wolle, da es ihm(dem Lipsius) an dergleichen über jeden klassischen Autor nicht fehle. Die Sehnsucht erfasse ihn oft, da Carrion nicht mehr am Leben sei, nach Löwen zu reisen, um seinen Freund Lipsius zu umarmen und in dessen treuen Busen auszuschütten, was er nicht wohl dem Briefe anvertrauen könne; allein die öffentliche Unsicherheit und seine durch die Treulosigkeit seiner Verwalter zerrütteten Vermögensverhält- nisse gestatteten ihm nicht, jetzt die Reise zu unternehmen. In einem oder zwei Jahren, wenn sie beide noch am Leben seien, hoffe er dies mit gröſserem Nutzen und geringerer Gefahr thun zu können.
Lipsius antwortet am 28. August 1596:„Ich freue mich, Modius, ja es gereicht mir zur ganz besonderen Freude, dals ich nach längerer Unterbrechung wieder ein Schreiben von Dir
¹) Der Freund des Lipsius, der Jesuit Martin Anton Delrio, macht hier die hämische, aber völlig grundlose Anmerkung, Modius setze den Moretus hérab, weil dieser die von Levineus verbesserten Panegyrici zu drucken gedenke; Modius wufste dies noch gar nicht, als er an Lipsius schrieb. Schon von Würzburg aus hatte Modius den Plantin wegen Herausgabe seiner Novantiquae Lectiones angegangen, dieser aber, wahrscheinlich damals schon unter dem Einflufs der falschen Freunde des Modius, antwortete nicht, so dafs das Werk, welches hierauf in Würzburg gedruckt werden sollte(Modius schreibt entrüstet:„hic publicabo!*), endlich 1584 in Frankfurt a. M. bei den Er- ben des Andreas Wechel erschien.
²) Die von J. Cuspinianus Viennae 1513 in quarto besorgte Ausgabe.


