Aufsatz 
Franciscus Modius, Rechtsgelehrter, Philologe und Dichter, der Konrektor Sigmund Feyerabends. Eine kulturgeschichtliche Studie
Entstehung
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berichtet, sich noch im Juli 1595 im Haag aufhielt, um als nachster Erbe die Güter seines Vaters zurückzuverlangen.

Endlich scheint Modius zur Ruhe gelangt zu sein; 1595 erhielt er die Stelle eines Canonicus zu Aire ¹).

Am 1. August 1596 gab Modius dem Lipsius von Aire aus das erste Lebenszeichen. Er schrieb ihm mit der alten Herzlichkeit, dals er jetzt wieder die bisher unterlassene Pflicht des Briefschreibens erfüllen werde, da der miſsgünstige Mensch, welcher die einzige Ursache seines Schweigens gewesen, aus der Welt geschieden sei.

Ein Studiengenosse des Lipsius, Ludwig Carrion, zwei Jahre lang Professor der Rechts- wissenschaft in Bourges, später mit Lipsius zusammen in Löwen, woselbst er am 17. Juli 1595 an der Wassersucht starb, machte sich durch sein boshaftes, schadenfrohes Wesen bei vielen seiner Zeitgenossen verhalst. Seiner Unredlichkeit wegen erhielt er den Spottnamen Laco. Der harmlose Modius, in dessen Vertrauen sich Carrion einzuschleichen wufste, obgleich ihn aller- dings Lipsius vor jenem gewarnt hatte, sah sich bald bitter enttàuscht und sprach mit der grölsten Entrüstung und Verachtung von der Tücke des schamlos frechen Menschen. Während nämlich Modius anfangs der neunziger Jahre noch in Deutschland abwesend war, hatte Carrion dem Commissionär, welchem Modius einen Teil seiner Habseligkeiten zur Beförderung in die Heimat anvertraut hatte, mit dreisten Lügen vorgespiegelt, eine wertvolle Pergamenthandschrift des Arnobius adversus gentes ²), welcher ein Codex des Minutius Felix, ein Exemplar der seltensten und ältesten Art, beigebunden war, gehöre ihm an und sei dem Modius nur zur Be- nutzung von ihm geliehen worden. Ja sogar hatte der kranke Carrion bei Modius nach dessen Rückkehr aus Deutschland verweilt und behauptete spâter, bei dieser Gelegenheit habe ihm Modius das Manuscript geschenkt. Als ihn letzterer nun ernstlich auffordern lieſs, das Werk zurückzusenden, wenn er nicht wolle, dafs sein Betrug überall bekannt gemacht und er selbst gerichtlich zur Rückgabe des Codex gezwungen werde, zog er die Angelegenheit durch Kniffe und Ausftüchte in die Länge,bis er, da er die Handschriften nicht lassen wollte, das Leben lassen muſste.

Aber auch nach seinem Tode wirkte Carrions Tücke fort. Er hatte in seinem Testamente verordnet, dals der Arnobius dem Cantor der Kathedrale zu Antwerpen, Levinus Levineus, zur Benutzung zugeschickt werde. Der Testamentsvollstrecker Backhusius übergab den Codex den Jesuiten in Löwen, welche ihn sofort zugleich mit dem römischen Exemplar des Fulvius, das ebenfalls von Carrion dem Cantor vermacht worden war, an Levineus schickten, welcher den Arnobius zu edieren beabsichtigte.

Modius bat in einer Nachschrift seines Briefes vom 1. August 1596 den Lipsius, doch dahin zu wirken, daſs ihm von dem Testamentsvollstrecker sein Eigentum herausgegeben werde.

1) Aire, kleine Festung an der Lys, Dep. Pas de Calais, Arr. St. Omer. Die Stadt ist hübsch gebaut und hat 9200 Einwohner.

²) Arnobius der Altere(Africanus) wurde A D. 333 Christ und schrieb 7 Bücher Disputationes adversus Gentes. Das Werk enthält reiche Materialien zum Verständnis der griechischen und römischen Mythologie. Von Minutius Felix ist nur ein Werk übrig, ein DialogOctavius zum Beweis der Wahrheit des Christentums, welchen die Copisten des Mittelalters immer dem Werk des Arnobius gegen die Heiden als achtes Buch beifügten.