— 28—
in einem benachbarten Stalle von den listigen Feinden fortwährend gestofsen wurden, damit die gequälten Tiere qurch ihre Schmerzenslaute den Larm der am Thor beschäftigten Freibeuter verdeckten. Die Besatzung der Stadt schofs zwar eine Kanone unter Schenks Schar ab, deren Hauptmann Hans Weichmann nebst einigen anderen getötet wurde; die Rotte lief jedoch vor das Stockemer Thor, durch welches, nachdem es mit groſsem Ungestüm eingeschlagen worden war, die Reiterei unter dem Rittmeister Gerhard Joel eindrang ¹). Der Markt und die Haupt- wache wurden besetzt, und die von Poppelsdorf herbeieilende Schar drang ebenfalls in die Stadt ein. Der jämmerliche Gouverneur Karl Billäh(Billäus) flüchtete, halb angekleidet, durch den Stadtgraben; ein Teil der Besatzung folgte seinem Beispiel; die übrigen wurden gefangen genommen. Nachdem Schenk die Thore mit starken Wachen besetzt hatte, erlaubte er seinen Söldnern die Stadt zu plündern.
Der unglückliche Modius wurde nicht nur seiner Habe, seiner Kleider und des gröfsten Teils seines zusammengesparten Kleinen Kapitals beraubt, sondern auch durch mehrere Hiebe schwer am Kopfe verwundet und dergestalt miſshandelt, daſs er lange Zeit den linken Arm nicht gebrauchen konnte. Einem Landstreicher gleich wurde er in einem elenden Loche bis zum 23. Februar 1588 gefangen gehalten, an welchem Tage er auf die Fürsprache und durch die besondere Bemühung des Dechanten Jakob Campius aus dem Kerker entlassen wurde ²). Der ausgeraubte Modius mulste noch ein bedeutendes Lösegeld, die Kosten für seinen Unterhalt im Gefängnis,„Schlufsgeld“ für seinen Kerkermeister, ja sogar für dessen Frau einen Doppeldukaten erlegen.—
Kaum waren die Wunden, welche ihm von dem Raubgesindel Schenks geschlagen worden waren, vernarbt, als er von einem bösartigen Hunde angefallen und derart am rechten Beine zerfleischt wurde, daſs die Heilung der Bisse eine sehr langsame und schwierige war.
An Körper und Gemüt krank, ging Modius von Bonn nach Köln, wo er bis zum 23. September 1588 verweilte, von welchem Tage an er sich auf der Reise zum Grafen Egmond befand, und zwar bis zum 5. November, an welchem Tage er, wie eine Notiz im Enchiridion be- sagt, einen gewissen Glaio antraf. Wer und was dieser war, ist nicht aufzuhellen. Wo Egmond sich damals aufhielt, ob Modius mit ihm zusammentraf und wie der junge Graf seinen alles ihm aufopfernden, treuen Anhänger aufnahm, darüber fehlen alle Nachrichten.
Gleich nach der Katastrophe in Bonn hatte sich Modius in seiner Verzweiflung um Rat an seinen Freund Posthius gewandt. Dieser gab ihm seine Meinung in elegischen Distichen kund, er mõöge lieber nach Frankfurt zurückkehren, sein daselbst so fleiſsig verbrachtes Leben wieder aufnehmen und mit einem ehrbaren, ruhigen Lose zufrieden sein, als dafs er sich auf
¹) Khevenhüllers Annalen II., 532.
²) Melchior Adamus gibt an, dals Campius auch das Lösegeld für Modius bezahlt habe; er wird es jedoch nur ausgelegt haben, wie die ijperschrift der betreffenden Notizen im Enchiridion Blatt 74:„Rationes cum Domino Decano Bonnensi“ andeutet. Auf Blatt 77 ist zu lesen:„Ausgaeb my Rantzion und costen im Fencknisse antreffende und anders von 23. Decemb. 87 bis den 23 ten Februarii 88.— Het Ranzion draecht 109 Rycx Daeler welche machen brabants f. 225.— De Costen im Fencknis vom 23 ten Decembris 87 bis dem 12en Februarii incluus. 88 te 2 Daeler und een maes Wyns daegs draeghen 104 Daeler und 52 maes Wyns, habbe aber maer betaelt par
apointement ingherekent noch 10 fl. brab. Sluutghelt dem Provost 80 Daeler und zyn vraubbe een dobbel Ducat zu Brabants fl. 147 ½˙, etc.


