Aufsatz 
Franciscus Modius, Rechtsgelehrter, Philologe und Dichter, der Konrektor Sigmund Feyerabends. Eine kulturgeschichtliche Studie
Entstehung
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da Graf Karel van Egmond ihn unter den ehrenvollsten Bedingungen zurückrufe; diesen werde er bald nach Italien begleiten oder ihm dahin folgen. Diese Hoffnung scheint sich nicht erfüllt zu haben, denn er blieb, wie oben angegeben, bis zum 12. December 1587 in Frankfurt ¹). Auf erneute Aufforderung von Seiten Egmonds fuhr er zu Schiff den Rhein hinab nach Bonn.

Wahrscheinlich wohnte Modius in demselben Gasthause, in welchem auch Melanchthon einst abgestiegen war. Melanchthon schreibt darüber Folgendes in einem Brief an Paul Eber (d. d. 13. Juli 1543, Corpus Reform V., 142):Das Gasthaus steht auf dem Ufer des Rheins, am Landungsplatz der Schiffe, woher der beständige Gestank des Unrats uns sehr lästig ist. Im Gasthaus wie im Schiff sind Tisch, Bett, Herd, alles ein Schmutz. Die Kochweise ist dieselbe wie in Westfalen; denn du darfst nicht glauben, daſs hier die Reinlichkeit gleich der in Frank- reich sei, wie man sie auch am Oberrhein antrifft ²).

Hier verweilte Modius einige Zeit, wie es ihm der Bonner Dechant Jakob Campius(Später Protonotarius in Mainz) und Adolf Scheiffart von Merade geraten hatten, immer in der Hoffnung, seine Reise nach Belgien bald fortsetzen zu können. Am 22. December hatte er seine sämt- lichen Habseligkeiten gepackt, um einen Ausfiug nach Koblenz zu unternehmen, wo er das Weihnachtsfest zu feiern gedachte.

Am Morgen des 23. Decembers früh um drei Uhr ³) wurden die sorglosen Bewohner der kurfürstlichen Residenzstadt Bonn, namentlich die, welche in der Nähe des Rheins wohnten, durch ein furchtbares, die tiefe Stille plötzlich unterbrechendes Getöse aus dem Schlafe aufge- schreckt. Martin Schenk von Nideggen*), einer der bösartigsten und grausamsten Condottieri jener Zeit, war von Rheinberg über Poppelsdorf nach Bonn herangeschlichen und hatte am Rheinthor eine Petarde befestigen lassen, durch welche dieses nicht bloſs gesprengt wurde, sondern auch mit einem daranstofsenden Stück Mauer zusammenstürzte.

Auf der Rheinseite war die Stadt nur durch geringe Mannschaft und zwar sehr nach- lässig geschützt. Die Wache auf dem nahen Turme hatte das Gerâusch der heranziehenden Feinde vernommen; selbst das Anschrauben des petardenmörsers an das Thor konnte nicht geräuschlos vorgenommen werden; allein der einfältige Wächter begnügte sich damit, vom Turm herunterzurufen, wer da sei, und liels sich durch das Geschrei von Schweinen irre führen, welche

¹) Im folgenden Jahr erschien noch in Frankfurt seine Ausgabe des Livius unter dem Titel: Titi Livii libri omnes nove editi et recogniti et ad vetustissimor. manu exarator. codicum Fuldensium, Mogunt. et Colon. fidem emendati a Fr. Modio. In eund. obss., emendatt,, animadvv., annott. variae varior. Ipsius demum Modii notae. Francofurti ad M. apud S. Feyerabend. 1588. Fol. 2 Teile in einem Band, mit Holzschnitten nach Jost Amman.

²) S. den Anhang III. ³) Khevenhüllers Annales Ferdinandei II., 532.

) Schenk hatte sich vom Grafen Neuenar als Parteigänger für die niederländischen Generalstaaten und den aus Köln vertriebenen Erzbischof Truchsefs anwerben lassen, war am Rhein auf- und abgezogen und hatte Neuss, Werl, die Umgegend von Köln und zuletzt Rheinberg mifshandelt und gebrandschatzt. Mit 200 Mann brach er von Rheinberg auf und zog auf Umwegen nach Bonn. Unterwegs vermehrte sich die Freibeuterschar, so dalfs sie, die Reiter mitgerechnet, etwa 300 Mann stark war. Vor Mitternacht kamen sie nach Poppelsdorf. Von da aus zog Schenk nur mit einem kleinen Teil seiner Leute nach Bonn, die andern sollten ein Signal abwarten, um nach- zukommen. Vergl. Dr. J. H. Hennes, der Kampf um das Erzstift Köln zur Zeit der Kurfürsten Gebhard Truchseſs

und Ernst von Baiern. Köln 1878. S. 167 f. 4*