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die Juden bey Ihrer Majestät Hof noch dahin, dals Bischoffen Julio angemuthet wurde, die Sache durch Commission fürzunehmen, und vergleichen zu lassen. Er entschuldiget sich aber mit Erzehlung des Wercks, und setzet zu dem Kayser, ob auch darum, daſs er mit Mühe und Kosten dasselbige Werck GOtt zu Ehren, und den Armen zu gut angerichtet; die Juden es aber widersprachen, sich solt fügen, jemand aus den Reichs-Ständten oder anderen guten Leu- then derwegen anzugelangen und zu bemüssigen, darbey es gelassen und verblieben. Folgends haben die Juden allein ihrer Vorfahrern ausgelegten Kauffs-Gelds um den Juden-Garten, wie er genannt, und darüber sie noch den alten Kauff-Brieff gehabt, wieder begehrt; aber Bischoff Julius hat auch dasselbige abgeschlagen. Und stehet also von den Gnaden GOttes der Spital auch fürter an dem Orth, dahin er erbauet.“
Modius, obgleich ein Zögling der Jesuiten, war doch so milddenkend und wohlwollend, daſs in keiner seiner Schriften, in keinem seiner Briefe, soweit sie uns erhalten sind, die leiseste Regung von Unduldsamkeit zu entdecken wäre. In einem Brief an die Dichterin Anna Pallantia in Neuſs¹) rühmt er die Tugenden und Talente der berühmten Olympia Morata, welche um ihrer Anhaänglichkeit an das reformierte Glaubensbekenntnis willen die unsäglichsten Leiden hatte erdulden müssen und in Folge dieser einem allzu frühen Tode erlegen war.
Ob es das Heimweh allein war, welches den Modius aus dem gastfreundlichen Hause des Erasmus Neustetter vertrieb, ist nicht zu ermitteln. Am 17. September 1584 schied er von seinem Gönner, welchen er seitdem, wie er selbst in seinem Tagebuch aufzeichnete, nicht wieder sah. Dieser schenkte ihm als Reisegeld hundert Reichsthaler. Am 18. September kam Modius nach Frankfurt und reiste am 23. in Gesellschaft des Rheinländers Spies nach Fulda, um die dortige berühmte Bibliothek ²) gründlich zu benutzen. Teils schrieb er sich alte Hand- schriften ab, teils verglich er solche mit Drucken. In Fulda wohnte er dem Jesuitenkollegium gegenüber bei dem Krämer Philipp Mentz. Die Bibliothek hielt ihn bis zum 12. December 1584 daselbst zurück. Es scheint, dafs Riedesel den Modius nicht auf seine Güter mitgenommen hatte, denn jetzt erst besichtigte dieser das benachbarte Riedesel'sche Stammschloſs Eisenbach und andere Besitztümer dieser Familie. Am 17. December kam er wieder nach Würzburg zurück, wo er bis zum 4. Januar 1585 blieb, um dann von Franken auf immer Abschied zu nehmen, wovon ihn Posthius in elegischen Versen vergeblich abzumahnen versuchte.
¹) Novant. Lect. p. 49, epist. XII, Franc. Modius Annae Pallantiae nobili virgini S.— Novesium. Der Brief ist datiert von Komburg den 4. December 1583.
²) In dieser, wie Liutprand berichtet, von Karl dem Groſsen gegründeten, in ganz Europa wegen ihres Reichtums an kostbaren Handschriften berühmten Bibliothek befanden sich noch zu Modius Zeiten viele Codices klassischer Autoren. Nach Nikolaus Kindlingers Vermutung erscheint es wahrscheinlich, dafs in Folge der Kloster- visitation, welche Caraffa auf Befehl Gregors XV. vornahm, 1621 ein groſser Teil der wertvollsten Manuscripte der Fulda'schen Sammlung der vaticanischen Bibliothek in Rom einverleibt wurde. In letzterer fand der deutsche Gelehrte Eugen Gerlach 1772 viele Handschriften, darunter einige des Hrabanus Maurus vor, welche einst im Be- sitze der Fulda'schen Bibliothek gewesen waren. Eine Anzahl der zurückgebliebenen Codices klassischer Autoren war der Bibliothek der Jesuiten einverleibt worden. Bei Auflösung dieses Collegiums im Jahre 1773 verlieſs der letzte Bibliothekar desselben mit drei Verschlägen dieser Handschriften Fulda und begab sich nach Breslau. (Katalog und Nachrichten von der ehemaligen aus lauter Handschriften bestandenen Bibliothek in Fulda. Leipzig und Frankfurt 1812.)


