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heimatlose Gelehrte, dessen Bücher sie nicht verstand und dessen Liebenswürdigkeit und feine Bildung, dessen unverschuldetes Unglück sie nicht rührte! Er war ja nur der Schützling, ja der Diener eines groſsmütigen Herrn.
Eine der achtenswertesten Tugenden des Modius ist seine Dankbarkeit, die er allen be- wahrte, welche ihm Preundliches erwiesen hatten. Es wurde schon erwähnt, wie sehr er den Tod seines früheren Patrons Adolf Hermann von Riedesel beklagte, obgleich dieser ihn nach seiner Rückkehr aus Belgien nicht mehr in sein Haus aufgenommen und, wie es scheint, kalt behandelt hatte. Seine Anhänglichkeit und Dankbarkeit bewies er seinen Wohlthätern und Freunden in reichem Mafse; überall in seinen Vorreden und Briefen gedenkt er ihrer mit Wäͤrme und Ergebenheit.
Allein seine unsichere Stellung muſste doch auf seinen Charakter ihren Einflufs ausüben. Ein unbedachtes Wort, ein lautes Denken in einem Augenblicke des Sichgehenlassens— und er konnte den grofsmütigsten Gönner, der doch auch immer nur ein Mensch, d. h. ein den ver- schiedensten Stimmungen unterworfenes Wesen ist, ohne es zu beabsichtigen, verletzen und folglich sich entfremden. Eine eigene Meinung darf ein solcher Schützling gar nicht haben, er muſs der vorsichtigste Höfling sein. Ein derartiges Verhältnis selbst zu einem edeln, hochher- zigen Manne erfordert eine fortwährende geschmeidige Fügsamkeit, ein Aufgeben der Selbst- ständigkeit, aber auch eine groſse Selbstbeherrschung, jedoch mit immer höflich lächelnder Miene. Ganz er selbst sein darf er nur unbelauscht in seinem stillen Kämmerlein. Oft mulste daher dem Armen, um mit Dante zu reden, das Brot in der Fremde versalzen schmecken, oft genug mufste er empfinden, wie schwer es ist, fremde Treppen zu steigen. So ging er, welcher so viele Freunde hatte, dennoch einsam durch das Leben.
Auffallend ist es, dafſs sich auch nirgends eine Spur findet, es sei Modius ein Aner- bieten geworden oder es habe sich einer seiner Gönner und vielen Freunde darum bemüht, ihn dauernd an Würzburg durch irgend ein Amt, eine feste Anstellung zu fesseln; für ihn als Rechtsgelehrten und Philologen würde sich doch gewils dort ein solches gefunden haben. Es könnte darauf hingewiesen werden, dals auch in der Fremde sein ganzes Denken und Streben seinem unglücklichen Vaterlande zugewendet blieb, dafs er sich verscheucht fühlte, wie ein vom Sturm verschlagener Vogel, der jederzeit bereit ist, die Schwingen auszubreiten, um den heimischen Waldern wieder zuzueilen. Aber ebenso auffallend ist es, dals Modius, der in seinen prosaischen wie poetischen Werken öfters dem Bischof Julius seine Ehrfurcht bezeugt, ja den- selben in einem Festgedicht(Silv. I) bei dessen Anwesenheit in Komburg mit übertriebener Devo- tion ansingt,„daſs selbst die Tempel und die Haäuser sich verbeugen und von ihrem Berg herabsteigen wollen, um ihm untertänigst die Hand zu küssen“— dennoch mit keinem Worte der von Julius 1582 neugegründeten Universität gedenkt, an welcher der gelehrte Niederländer recht wohl einen Lehrstuhl ausgefüllt haben würde.
Hier ist vor allem maſsgebend, dals trotz alles äufseren Scheines guten Einvernehmens der Bischof Julius und Erasmus Neustetter geheime Gegner varen, dafs daher ein Günstling des letzteren nichts von dem Bischof zu erwarten hatte ¹). Der ehrgeizige, jüngere Julius Echter
¹) Den Justus Lipsius, wie aus dessen Briefwechsel mit dem Ingolstadter Professor Hubert Gifanius hervor-
geht, hätte Bischof Julius im Jahre 1591 gern für die Würzburger Universität gewonnen. 5


