Aufsatz 
Franciscus Modius, Rechtsgelehrter, Philologe und Dichter, der Konrektor Sigmund Feyerabends. Eine kulturgeschichtliche Studie
Entstehung
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Dann kehrt wieder zurück mir des Herzens unendliche Sehnsucht, Und der verwegene Wunsch flammet von neuem mir auf.

Ja, so oft ich die wild hinbrausenden Stürme vernehme, Ihren unbändigen Schall dröhnend in Klüften des Bergs,

Dann wird die Brust mir zu eng, ihr entringen sich klagende Seufzer. Und es erschüttert das Leid tief mir das innerste Herz.

Seh' ich den Quell, der schäumend sich stürzt von dem ewigen Berge Und an dem Fufse das Land hüben und drüben benetzt,

Dann bei dem Wellengeriesel gedenk ich der strömenden Thränen, Welche so oft ich vergoſs, die ich vergieſse noch heut.

Doch nicht füllt es das Mals mir des Grams: so oft ich vorüber An dem entblätterten Baum lenke zufällig den Schritt,

Schleicht sich die Hoffnung ein in den Busen, die oft schon gestorbne, Welche jedoch nie stirbt, daſs mir verbleibe der Schmerz.

Als Beispiel der an eine fingierte Person gerichteten Gedichte mit fingierter Empfindung möge das folgende dienen. An Lucia.

Seit du gefangen mich nahmst mit deinen bezaubernden Augen, Glimmt solch heftige Glut, Lucie, mir in der Brust, Daſs Unseliger ich hinlebte dem thörichten Glauben, Nichts mehr könne das Herz heilser entflammen in mir. Doch es erscheint kein Tag, der nicht mit Reizen dich schmückte, Daſs du der Cypria stets ähnlicher wirst an Gestalt. Weh' mir, es wächst mit deiner sich täglich entfaltenden Schönheit Täglich die Flamme in mir, welche mich Armen verzehrt. Darum fleh' ich dich an und beschwöre dich bei Aphrodite, Daſs du doch mögest genug reizend erscheinen dir jetzt. Wenn du ein weniges nur noch schöner erblühtest: in Asche, Welche die Lüfte verwehn, würd' ich verwandelt sogleich.

Eine Stelle in der an Janus Gulielmius gerichteten Epistola CXVIII in den Novantiquae Lectiones enthält eine Hindeutung auf die leidenschaftlichen Gefühle des Modius; gerade die Art, wie er dieselben seinem Freunde gegenüber ableugnet, ist ein Beweis, dafs er dieselben wirklich hegte ¹). Das stolze Fraulein, diedomina superba, über deren abweisende Haltung Modius in den beiden ersteren Gedichten klagt, war vielleicht die Tochter eines fränkischen Adligen, welche wohl kaum den armen Flüchtling beachtete, der sogar die notwendigsten Kleidungsstücke als Geschenke seines Patrons hinnehmen mufste. Was war in ihren Augen der

¹)Rides? Scio quid; suspicaris me de Solis genere Circe aut Medea aliqua captum attineri, sanctiusque Amoris numen, quam amicitiae nomen colere; sed frustra es, et toto coelo, quod ajunt, erras, etc.