Aufsatz 
Franciscus Modius, Rechtsgelehrter, Philologe und Dichter, der Konrektor Sigmund Feyerabends. Eine kulturgeschichtliche Studie
Entstehung
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kleider ¹) und drei Hemden. Am 23. August reiste er nach Komburg zu seinem Wohlthater, von welchem er bald scheiden sollte.

Seinem wissenschaftlichen Drange konnte es in Würzburg und namentlich auch in der trefflichen Bibliothek Neustetters in Komburg an Befriedigung nicht fehlen. Mit einem wahren Heiſshunger eilte er eines Tages nach Bamberg, als er in einem Verzeichnis dort zum Verkauf ausgebotener Handschriften den NamenTacitus las. Aber nicht die Annalen, sondern eine neue Papierhandschrift de moribus Germanorum fand er, und war um so mehr enttäuscht, als er die Hoffnung gehegt hatte, einen Schatz zu heben wie jener Unbekannte im Liller Kloster, weil ihm gesagt worden war, die Codices seien so geschrieben, dals man sie kaum lesen könne und er sich deshalb eingebildet hatte, es müſsten recht alte Manuscripte sein.

In seinem in Form von Briefen geschriebenen WerkeNovantiquae Lectiones gibt Modius interessante Nachrichten von seinen philologisch-kritischen Arbeiten sowie von bedeutenden Bibliotheken und wichtigen alten Handschriften.

In Würzburg begann am 24. September 1582 der freundschaftliche Briefwechsel des Modius mit Justus Lipsius(Joost Lipfs), dem damals angestaunten und hochgepriesenen Gelehrten von höchst zweideutigem Charakter, welcher in Jena Lutheraner, in Leyden Calvinist, und unter dem Vorwande, die Bäder in Spaa zu gebrauchen, in Mainz wieder Katholik wurde, und der hierauf den Grundsatz aussprach ²), dals in einem Staate nur Eine Religion geduldet werden qürfe. In Sachen der Religion sei keine Gnade noch Nachsicht zulässig: die wahre Gnade sei, ungnädig zu sein; um Viele zu retten, müsse man sich nicht scheuen, einen und den andern zu entfernen. Lipsius bildete sich viel auf die Vorzüglichkeit seiner Latinität ein ³) und glaubte sein Vorbild Tacitus durch Härte und Dunkelheit des Stils und durch Anwendung gesuchter, seltsamer Constructionen erreicht zu haben. So schrieb er an den Arzt Andrea Chiocco in Verona, welcher ihm die italienischen Dichter gerühmt hatte, mit der wahren römischen Religion stehe auch die echte römische Sprache vereint und müsse ebenso gepflegt werden. Wenn was Gutes in der italienischen, spanischen oder der französischen Sprache getrieben werde, s8o sei es doch nur, weil sie die Töchter jeuer Mutter seien).

Die Briefe des Lipsius und seiner gelehrten Freunde sind in verschiedenen Sammlungen zerstreut, deren keine vollständig ist. Sie tragen im allgemeinen, was die äufsere Form betrifft, den Charakter der damals gebräuchlichen, conventionellen Höflichkeit und beginnen und endigen häufig mit zärtlichen Preundschaftsbeteuerungen, zuweilen fast so süfs wie die in Gleims Briefwechsel mit seinen Freunden im vorigen Jahrhundert.

Modius zeigt sich überall, so auch in seinen Briefen als feinfühlenden Mann von edler Gesinnung wie von äufserem Anstand. Dieser gebildete Ton ist fast überall in seinen Schriften

¹) Doch wohl nichtStrumpfbänder, wie Rulandtibialia periscelides übersetzt, sondern gestrickte Hosen, wie sie damals Mode geworden waren. Die ersten seidenen gestrickten Beinkleider trug 1559 König Heinrich II. von Prankreich bei der Hochzeit seiner Schwester mit dem Herzog von Savoyen. Allerdings wurden auch Kniehosen und Strümpfe schon damals häufig getragen; demnach könnte das Geschenk auch aus Strümpfen bestanden haben.

²) In seiner AbhandlungDe una Religione und ähnlich inPoliticorum libr. V.(Vergl. L. von Rankes Werke, Bd. 38, S. 73).

¹) Heinrich Stephanus kritisiert qas Latein des Lipsius sehr scharf in seiner Schrift:De Latinitate Lipsiana.

) Justi LipsI Epist. select. Chilias pag. 992 sd.