Aufsatz 
Franciscus Modius, Rechtsgelehrter, Philologe und Dichter, der Konrektor Sigmund Feyerabends. Eine kulturgeschichtliche Studie
Entstehung
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Leibarzte Posthius, welcher ihn dem Erbmarschall Riedesel empfohlen hatte. Posthius ver- schaffte dem Hilfsbedürftigen sofort eine Unterkunft bei dem Würzburger Domdechanten und Dechanten des Ritterstifts zu Komburg ¹) Erasmus Neustetter, genannt Stürmer ²), welcher als Förderer der Wissenschaften und groſsmütiger Beschützer der Gelehrten längst weit und breit verehrt wurde.

Am 28. October 1581 traf Modius bei Neustetter in Würzburg ein und begleitete ihn am 10. November nach Komburg. Seitdem war er der beständige Hausgenosse und Gesell- schafter des feingebildeten Mannes, er begleitete den Dechanten auf den vielfachen Reisen, welche dieser nach Bamberg, Nürnberg, Frankfurt, Karlsbad), Rotenburg an der Tauber, Wiesbaden, Langenschwalbach u. s. w. unternahm. Die Data dieser Reisen sind in dem Enchiridion (Tagebuch) des Modius verzeichnet.

Schon am 12. November 1581 hatte sich Modius der Freigebigkeit seines neuen Gönners zu erfreuen; dieser beschenkte ihn mit einem Wams vonGrogrein(grosgrain, einem dicken Seidenstoffe), mit schwarzem Pelz gefüttert, ferner mit Reisehandschuhen und drei Hemden. Unter dem 13. December notiert Modius abermals, daſs ihm Neustetter einen langen, mit Seiden- zeug gefütterten Mantel von schwarzem Tuche, ein seidenes Barett) und ein Bruststück von Goldzindel(Zindeldort, einem mit Gold durchwebten Seidenstoffe) und endlich deutsche Stulpen- stiefel von Ledermet taftas durtrocken en belegt met frinzen(mit Taffet durchzogen und besetzt mit Franzen) verehrt habe. Am 8. Februar 1582 erhielt Modius einen mit Marderpelz verbrämten Reisehut, denn am 17. April nahm ihn Neustetter mit auf die Reise über Bamberg nach Nürnberg. Zu seinem Leidwesen fand er jedoch nicht in letzterer Stadt den Joachim Camerarius anwesend, durch dessen Vermittelung er einige reichhaltige Bibliotheken besichtigen zu können gehofft hatte. Die Heimreise ging über Mergentheim, Sitz des Deutschherrenordens, dessen Hoch- und Deutschmeister damals Heinrich von Bobenhausen war.

Am 15. Juli starb Adolf Hermann von Riedesel, dessen Hinscheiden Modius in mehreren Elegien(Funer. I.VIII.), sowie in der Vorrede zu seinen Gedichten aufrichtig betrauerte.

Am 3. August wurde seinem Freunde Posthius ein Söhnchen geboren, welches Erasmus Neustetter aus der Taufe hob und auf das sich mehrere Gedichte des Modius beziehen, unter andern die XV. Elegie, in welcher er sich bei dem Vater,dem Liebling der Musen, erkundigt, was das kleine Posthchen mache, ob es, dem Vater nachschlagend, schon in der Wiege die Ammenmilch besinge und auch im Versmals weine.

¹) Komburg, Kochenburg, Comburg, Schloſs im Oberamt Hall im württembergischen Jaxtkreise; anfänglich ein 1079 gestiftetes Benedictinerkloster, bis 1802 ein reichbegütertes Ritterstift.

²) Vergl. Anhang I.

³) Über seinen Aufenthalt in Karlsbad berichtet Modius in dem sehr selten gewordenen Schriftchen: Fran- cisci Modii Brugensis Hodoeporicum Francicum seu Thermae Carolinae, cte. Wirceburgi ex officina Henrici Aquensis, Episcopalis Typographi. 1583. 8⁰. 56 S. Modius trank hier mit seinem Beschützer den heilsen Sprudel während 11 Tagen des Juli 1583. Aufser anderen Merkwürdigkeiten verzeichnet er die Gold- und Silberstufen, welche von einem Goldschmied in Gestalt eines Türmchens(turriculi turricula Würfelbecher?) verarbeitet wurden.

) In dieser Zeit wurde das Barett fast von gleicher Höhe wie die Hüte und mit einem Rande versehen getragen. Der Stoff desselben war meistens braune Seide, welche in feingelegten Falten über ein Drahtgestell gespannt wurde.