Aufsatz 
Franciscus Modius, Rechtsgelehrter, Philologe und Dichter, der Konrektor Sigmund Feyerabends. Eine kulturgeschichtliche Studie
Entstehung
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während er selbst schweigend in der Kajüte sals.Ich kann sagen, schreibt er seinem Vetter Nansius,dals mir kein einziges Wort entschlüpft ist, das eines Gelehrten und vor allem eines Christen unwürdig wäre. Ich verwünschte im Stillen meinen Entschlufs, daſs ich, um die mir von Menschen drohenden Gefahren zu vermeiden, mich einem so barbarischen Element überlassen hatte, als ob mich nicht der barmheraige Gott vor jenen, wie er schon zweimal gethan, haàtte bewahren können. Ich betete daher, und du kannst mir glauben, aus der Tiefe meines Herzens, wie nie zuvor, daſs Er mir diese Schuld aus Gnaden verzeihen und mich nur soweit dafür strafen möge, daſs ich dieses Erlebnis anderen als ein Beispiel erzählen und vor Augen stellen könne. Es hatte mich, ich gestehe es, anfangs die Gröſse der ungewohnten Gefahr sehr nieder- geschlagen, da ich den sicheren Tod vor Augen hatte, wenn sich nicht die Allmacht meiner erbarmte, aber allmählich ward ich gleichgültig gegen alles, so stark ist auch hier die Ge- wöhnung, besonders, wenn man überlegt, dals man ertragen muſs, was nicht durch Klugheit geändert oder vermieden werden kann, und daſs man alles Dem überlassen soll, welcher am besten für uns sorgt.

Endlich liels der Sturm nach, der Himmel heiterte sich wieder auf und das Meer glättete sich beruhigt. Am dritten Tage nach diesem Sturme lief das Schiff in die Mündung der Weser ein, in welche es durch die Gewalt der wiederkehrenden Flut ungefähr vierzehn- tausend Schritte hinaufgetragen wurde. Dort stiegen die Reisenden ans Land und fuhren zu Wagen nach Bremen. Unterwegs beteuerte Modius wiederholt, daſs er nach diesem Abenteuer nie wieder eine Seereise dorthin unternehmen werde, wohin man zu Land gelangen könnte. Seine Reisegefährten lachten und wunderten sich darüber, dals in der Gefahr er allein nichts zu fürchten schien, während die andern vor Angst aufser sich waren, und daſs er im Gegenteil jetzt allein sich ängstlich zeigte, obgleich sie sich jetzt in Sicherheit befanden, während die übrigen sich der ausgelassensten Freude hingaben.

Von Bremen fuhr Modius ohne Unterbrechung nach Köln, hatte aber viel durch mancher- lei Unbequemlichkeiten der Reise auszustehen, zumal die Landstraſsen durch Weglagerer und Strauchdiebe unsicher gemacht wurden. Aber die Erinnerung an die kurz zuvor überstandene Gefahr stählte ihn so sehr, dafs er sich durch die verhältnismäſsig so viel geringeren Unfälle nicht beunruhigen lieſs.

In Köln begann er die besseren Lesarten des Silius Italicus aufzuschreiben, welche er unterwegs schon durch Vergleichung des gewöhnlichen Textes mit einer Kölner Handschrift gewonnen hatte.

Modius beabsichtigte zu Riedesel zurückzukehren, welcher ihm dies schon lange zuvor brief- lich freigestellt hatte; als er diesen jedoch auf der Messe zu Frankfurt am Main antraf, mulste er von ihm hören, dals er vor wenigen Monaten einen thüringischen Edelmann in seine Dienste ¹) genommen, da er nicht mehr gehofft habe, dals Modius nach so langer Zwischenzeit zu ihm zurückkehren werde; überdies habe er sich durch die Verheiratung seiner einzigen Tochter und wegen der Ver- waltung seines Hauswesens dazu genötigt gesehen. Als sich Modius auch hier ausgeschlossen sah, schrieb er all seine Not seinem treubewährten Freunde, dem bischöflich Würzburgischen

²) Familia, Hausgenossenschaft.