Aufsatz 
Franciscus Modius, Rechtsgelehrter, Philologe und Dichter, der Konrektor Sigmund Feyerabends. Eine kulturgeschichtliche Studie
Entstehung
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Sommer 1581 unternommen haben mufs. Im Juli dieses Jahres begab er sich demnach zum dritten Male aus seinem Vaterlande nach Köln. Bisher war es ihm immer gelungen, obgleich Räuber und Wegelagerer beide Ufer des Rheines unsicher machten, allen Gefahren zu entgehen. Um sein Glück nicht allzu sehr auf die Probe zu stellen, zugleich aber auch, um andere Gegenden und Städte kennen zu lernen, beschlofs er, diesmal zur See nach Bremen, und von dort durch Westfalen nach Köln zu reisen. So bestieg er denn am 6. Juli ein vor Amsterdam liegendes, zur Abfahrt bereites Bremer Kauffahrteischiff. Aber kaum war dasselbe auf die hohe See ge- langt, als sich ein widriger Wind erhob, welcher sich bald zum heftigsten Sturme steigerte, 8o dals der Steuermann fürchtete, das Schiff werde verschlagen werden, und die Richtung nach der nächsten Bucht nahm, obgleich diese keinen hinlänglich sicheren Ankerplatz zu bieten schien. Aber die Reisenden gerieten aus einer drohenden Gefahr in die andere. Raubgesindel, das dort auf Beute lauerte, fiel sie unter dem Vorwande an, dals sie verbotene Waren geladen häatten, und durchsuchte das Schiff. Die Schiffsladung war Wein, und mit diesem konnten die Kaufleute die Stranddiebe leicht zufrieden stellen. Modius aber behandelten sie höchst feind- selig und behielten ihn benahe zwölf Tage, denn so lange dauerte der widrige Sturm, in engem Gewahrsam. Die Briefe des Prinzen und die Unverletzlichkeit des Modius als Gesandten machten auf die Freibeuter keinen Eindruck. Endlich, als sich ein günstiger Wind erhob, erlangten seine Reisegefahrten, die Kaufleute, mit genauer Not durch ihre Bitten, daſs die Ubelgesinnten ihn frei lieſsen, nachdem vor ihren Augen die Briefe geöffnet worden waren, und sie Siegel und Handschrift zum Schein geprüft hatten. Die beste Wirkung dabei thaten einige Goldstücke, auf die es überhaupt von dem Raubgesindel abgesehen vwar. Modius war froh, so billig losgekommen zu sein, obgleich er auch für seinen Unterhalt schweres Geld hatte zahlen müssen. Offenbar waren diese Leute verwilderte Wassergeufsen, welche gelegentlich das Piratenhandwerk trieben.

Seiner wiedererlangten Freiheit sich freuend, stieg Modius an Bord. Schon hatte das Schiff nach seiner Berechnung die Hälfte der Reise zurückgelegt, als sich wieder ein so furcht- barer Orkan erhob, dafs der alte Steuermann, welcher schon vierzig Jahre lang den Dienst auf diesem Schiffe that, versicherte, noch niemals ein solches Unwetter erlebt zu haben. Der un- heimlich grünlich schimmernde Himmel bedeckte sich mit schwarzen, kupferrot geränderten Wolken, und die Luft ertönte von dem Geschrei der Seevögel, welche in der einbrechenden Dunkelheit die Küste zu erreichen suchten. Das Meer schien sich mit, dem Himmel zu ver- mischen. Die vom Sturme gepeitschten Wogen rasten mit weilsen Schaummähnen heran, schwarze Abgründe hinter sich lassend, und sobald einer der gewaltigen Wasserberge, welche brüllend und schäumend sich um sich selbst drehten, dem Schiffe sich näherte, stand für einen Augenblick sein Gipfel in gleicher Höhe mit den Marssegeln. Wenn aber der Fuſs des Wasserberges unter dem Schiffe herstürmte, so neigte sich dieses so sehr, daſs seine groſsen Rahen zur Hälfte in das Meer tauchten, und das Wasser überströmte das Verdeck, so dafs das Schiff zu kentern Gefahr lief. Wenn es sich aber auf dem Kamm eines solchen Seeungeheuers befand, so hob es sich wieder empor und stürzte sich darauf in entgegengesetzter Richtung, während die Woge rasch unter ihm verschäumte. Das Geheul des Sturmes, das schrille Pfeifen der Rahen und Taue und das Brüllen der tobenden Fluten übertönte alles.

Unterdessen jammerten und wehklagten die Reisegefährten des Modius über alle Maſsen,

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