Aufsatz 
Franciscus Modius, Rechtsgelehrter, Philologe und Dichter, der Konrektor Sigmund Feyerabends. Eine kulturgeschichtliche Studie
Entstehung
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Im Gefolge des Kirchenfürsten befanden sich der hessische Erbmarschall Hermann von Riedesel und der Leibarzt des Kirchenfürsten Johannes Posthius ¹). Modius hatte sich mit dem gelehrten und durch seine lateinischen Gedichte berühmten Leibarzt innig befreundet, und da er gerade seine Stellung bei Karel van Egmond verloren hatte, so vermittelte es Posthius, daſs Riedesel den anziehenden jungen Belgier unter ahnlichen Bedingungen in sein Haus aufnahm. Bischof Julius kam am 1. December 1579 mit seinem Gefolge wieder in Würzburg an.

Nachdem Modius ungefähr zehn Monate bei Riedesel, wie es scheint, in Würzburg, zuge- pracht hatte(sein Gedichtin Petri Lotichii obitum tom. II, pag. 212 der Burmann'schen Ausgabe, denn es fehlt in der in Würzburg gedruckten Sammlung ist datiertWürzburg 1580*), ergriff ihn eine unwiderstehliche Sehnsucht, sein Vaterland wiederzusehen, und er eilte, nachdem er sich von seinem Gönner die Erlaubnis dazu erbeten hatte, zunächst nach Köln, wo er Karel van Egmonds Geschäftsträger fand. Der junge Graf hielt sich zur Zeit seiner be- schränkten Mittel wegen mit nur kleinem Gefolge in Mainz auf. Die Agenten Egmonds, welche sich indessen vergeblich bemüht hatten, auf brieflichem Wege eine günstige Wendung in den Vermögensverhältnissen des Grafen herbeizuführen, bestürmten Modius mit Bitten, im Namen Egmonds eine Gesandtschaft an die belgischen Stände und den Prinzen von Oranien zu über- nehmen, und versprachen ihm dazu die Unterstützung einiger mit Egmond verwandten deutschen Fürsten. Modius war um so leichter dazu zu überreden, als er auch die Absicht hatte, sich um seine eigenen Familienangelegenheiten und Vermögensumstände an Ort und Stelle umzuthun. Sobald er die Instruction für seine diplomatische Sendung und die verheilsenen Empfehlungs- briefe von den Vettern Egmonds, dem Kurfürsten Ludwig III. von der Pfalz und dessen Bruder, dem Pfalzgrafen Johann Kasimir und von dem Pfalzgrafen Richard von Simmern empfangen hatte, begab er sich gerades Weges nach Belgien.

Längere Zeit²) verbrachte er dort mit groſsen Kosten und nicht, geringer Gefahr, da er in dem unsicheren Lande zu seinen Zwecken verschiedene Reisen unternehmen muſste. Aber trotz aller dieser Bemühungen, trotz seiner Vorstellungen bei Hofe erreichte er nichts. Seine Anstrengungen stieſsen überall auf Hindernisse, welche ihm, wie er selbst sagt,durch die arglistige Kunst, durch Trug und Ränke gewisser Leute entgegengestellt wurden, welche im Schaden anderer ihren Nutzen finden; er konnte nur erreichen, dafs zunächst durch eine an- sehnliche Summe Geldes der damaligen Verlegenheit des Grafen Egmond abgeholfen wurde. Letzterer begab sich mit seinem Haushofmeister Berchem an den Hof des Herzogs Wilhelm von Jülich, Berg und Kleve.

Modius selbst kehrte nach Deutschland zurück, ohne daſs er für sich aus seinem vaäter- lichen Erbgute Geld hatte flüssig machen können. Derselbe gedenkt in einem Briefe an seinen Vetter Franz Nansius ³) in Brügge einer gweiten Reise nach den Niederlanden, welche er im

¹) S. Anhang II.

²) Modius gibt zwei Jahre an, aber dies ist ein Irrtum; 1580 befand er sich noch in Diensten des Hermann von Riedesel, und im October 1581 traf er schon in Würzburg bei seinem neuen Gönner Erasmus Neustetter ein.

³) F. Nansius, der Herausgeber und Emendator des Nonnus, war Senator desFreien, d. h. des platten Landes bei Brügge. Das Freie und die Stadt Brügge waren sehr häufig, sowohl was die Politik, als was auch die Religion betraf, verschiedener Meinung.