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Schritte nach Köln, wo er den noch minderjährigen Grafen Karel van Egmond ¹), den zweiten Sohn des auf Albas Befehl enthaupteten Lamoral I., Prinzen von Gavre, antraf und in dessen Haus eine Unterkunft fand. Haushofmeister und Erzieher des jungen Grafen war der mit Modius innig befreundete Jurist Hieronymus Berchem. Modius besorgte die ihm anvertrauten Geschafte und Angelegenheiten Egmonds, es bheb ihm aber noch genug Mufse übrig, um seiner alten Leidenschaft Genüge zu thun; in Köln durchstöberte er die Dombibliothek, den Bücher- und Handschriftenschatz der St. Pantaleonsabtei, des St. Laurentiuscollegiums, des Minoritenklosters und in der Nachbarschaft von Köln die Bibliothek in Siegburg, sowie diejenige des Klosters Heisterbach im Siebengebirge*) mit der gröſsten Wonne. In Köln fand er eine alte Handschrift des Livius, welche er später zu seiner in Frankfurt 1588 erschienenen Ausgabe des römischen Historikers benutzte.
Modius war es nur ein Jahr lang vergönnt, als Hausbeamter Karels van Egmond in einer angenehmen und saorgenfreien Stellung zu leben, die ihm freie Zeit zu seinen Lieblingsstudien gewährte. Modius sagt, dals durch das schändliche Verbrechen gewisser ruchloser Menschen dem jungen Grafen die Geldmittel geraubt worden seien, womit er bisher den Aufwand für sein Haus und Gefolge seinem Range gemäſs bestritten habe. Eine Vermutung läſst sich wohl auf- stellen, wer das Haupt der Ruchlosen, die nicht näher bezeichnet werden, gewesen sein mag ⁵).
¹) Dieser Karel van Egmond vermählte sich mit Marie de Lens, Baronin d'Aubignies, und blieb ein treuer Anhänger des Prinzen von Oranien, wüährend sein älterer Bruder Philipp bald zu den Spaniern abfiel.
²) Von der schönen Kirche des Klosters Heisterbach ist nur der Chor übrig geblieben. Napoleon I. lieſs die Kirche abtragen; die noch vortrefflichen Steine wurden zu Bauten an der Festung Wesel verwendet.
²) Der am 5. Juni 1568 in Brüssel enthauptete Graf Lamoral I. van Egmond, vermählt mit der Prinzessin Sabine, Tochter Johanns, Pfalzgrafen bei Rhein, hinterliefs drei Söhne und acht Töchter(Strada VII. p. 188; Belin und Morin geben sogar 13 Kinder an. Raumers Briefe aus Paris I, 176). Sein ältester Sohn Philipp war dem Vater an Gesinnung und Edelmut durchaus unähnlich. Nach einem Aufenthalte bei seinen Verwandten in Deutschland kam er in sein Vaterland zurück, und die prabanter Stände übertrugen ihm als dem Rächer seines Vaters den Befehl über eine Abteilung des Heeres der Aufständigen. Als am 4. November 1576 die Spanier Ant- werpen überfielen, wurde er gefangen und erhielt erst nach Abzug der spanischen Besatzung seine Freiheit wieder. Er heiratete Marie van Hoorn und ward von König Philipp II. wieder zu Gnaden angenommen. Im Einverständ- nis mit dem Prinzen Alexander von Parma versuchte Philipp van Egmond Brüssel zu überrumpeln. Es gelang ihm auch bis auf den Marktplatz vorzudringen, wo das Haupt seines Vaters auf dem Schaffot gefallen war. Aber dort wurde er von den bewaffneten Bürgern umringt und die ganze Nacht hindurch mit den bittersten Vorwürfen bestürmt und mit der Frage verhöhnt, ob er vielleicht die Richtstätte seines Vaters besuchen wolle. Er konnte sich glücklich schätzen, dafs ihm endlich um des Andenkens willen an seinen Vater von den ergrimmten Brüsselern freier Abzug mit seinen Truppen verstattet wurde(4., 5. und 6. Juni 1579). Zur Belohnung erhielt er von Philipp II. wieder den seinem Vater abgenommenen Orden des goldenen Vliefses und wählte als Devise den Spruch: „Nihil mihi tollit hyems.“ Auch wurden ihm die väterlichen, durch Alba eingezogenen Güter zurückgegeben; er verkaufte sie jedoch, um seinen Geschwistern alle Ansprüche auf dieselben zu entziehen und bemächtigte sich auch des Teils, welcher ihnen bisher noch geblieben war, wodurch sein Bruder Karel, welchen er wegen dessen Anhäng- lichkeit an Oranien hafste, seiner bisherigen Einkünfte peraubt wurde. König Philipp II. schickte der Ligue den Philipp van Egmond an der Spitze von 800 Lanzenreitern zu Hilfe. Als er in Paris einzog, unterbrach er das Mitglied des Magistrats, welches ihn mit einer Ansprache begrüfſste und seinem Lobe auch das seines Vaters bei- fügte, mit den Worten:„Redet nicht von ihm, er hat den Tod verdient, es war ein Rebell.“ Der entartete Sohn vergals, dafs er selbst mit Rebellen sprach, welchen er zu Hilfe kam. Er vereinigte seine Schar mit den Truppen des Herzogs von Mayenne. Philipp van Egmond fiel am 14. März 1590 im Alter von 32 Jahren in der Schlacht bei Ivry, nachdem er mit seinen Wallonen ein Regiment Heinrichs IV. zum Weichen gebracht hatte. Er hinter- liefs keine Nachkommen.


