Aufsatz 
Franciscus Modius, Rechtsgelehrter, Philologe und Dichter, der Konrektor Sigmund Feyerabends. Eine kulturgeschichtliche Studie
Entstehung
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solche Bücher, welche euch allen und insonderheit denen, welchen das Predigen obliegt, zum Nutzen und zur Zierde dienen können? Ich antwortete ihm, daſs ich dies allerdings auch für besser hielte, daſs ich aber fürchtete, daſs so wertlose Bücher keinen Käufer finden würden, worauf der Mann entgegnete: Obgleich ich recht wohl weils, daſs diese Pergamente nur an Buchbinder, welche ihren Leim daraus kochen, nach dem Gewicht verkauft werden können, so werde ich euch doch, wie ich es schon öfters gethan habe, in den besten Officinen gedruckte Bücher dafür schenken, in der Hoffnung, daſs der Nutzen, welchen eure Ordensbrüder daraus ziehen werden, auch mir zu gute kommen wird. Wir nahmen freudig diese Bedingung an, und damit ihm keine Zeit zur Reue gelassen werde, warfen wir, nachdem der Mann erst zuvor durch die angesehensten Kaufleute unserer Stadt für die Lieferung der neuen Bücher Bürg- schaft geleistet hatte, alle die alten Schmöker in vier oder fünf Kisten, welche der Tropf fort- fuhr, nachdem er an Stelle jener alten uns diese neuen Bücher, welche du hier siehst, geliefert hatte ¹).

Am 23. Januar 1579 war zu Utrecht die Union abgeschlossen worden, durch welche die ewige Vereinigung und ein Schutz- und Trutzbündnis Hollands, Seelands, Utrechts, Gelderns, Gröningens, Frieslands und Oberyssels errichtet wurde. Zu Brügge kam es zu heftigen Unruhen zwischen der Geistlichkeit und den Bürgern, welche, durch die Predigten eines gewissen Bruders Cornelius aufgeregt, den Anschluſs an die Utrechter Union verlangten, der inzwischen auch Gent und Ypern beigetreten waren. Der katholische Kultus wurde in Brügge abgeschafft, der Klerus und namentlich die Ordensgeistlichen, Jesuiten und Franciscaner, vertrieben. Die Unsicherheit in der Stadt nahm so überhand, daſs viele der angesehensten Bürger lieber den Wanderstab ergriffen und sich ins Ausland flüchteten. In demselben Jahre setzten angesehene Bürger von Brügge ihren Magistrat ab, weil er zur reformierten Partei gehörte und vertrieben nun die Calvinistischen Prediger aus der Stadt. Dieselben kehrten jedoch wieder zurück und die Stadt wurde in zwei Parteien gespalten, so dals es allen Anschein hatte, der Streit werde durch die Gewalt der Waffen entschieden werden. Valentin de Pardieu, Herr von La Motte, Gouverneur von Gravelingen, erhielt von Alexander Farnese den Befehl, rasch ein Regiment Wallonen nach Brügge zu führen, da er aber zögerte, so kamen 8 Compagnien Schotten, welche die Calvinisten herbeigerufen hatten, vor ihm in der Stadt an.

Unter so traurigen Zuständen, bei der Zerrüttung des ganzen Gemeinwesens war es Modius unmöglich, durch seine erworbenen Rechtskenntnisse als Advocat oder durch UÜbernahme eines Amtes mit Ehren der Vaterstadt zu nützen, und so entschlofs er sich denn mit blutendem Herzen, gleich so vielen andern, in der Fremde eine Zuflucht zu suchen. Er wandte seine

¹) Dies erinnert lebhaft an die Erfahrungen Petrarcas und Boccaccios, welche diese beiden Verehrer und Wiedererwecker der lateinischen und griechischen Litteratur gelegentlich ihrer mühsamen Forschungen machten. Petrarca konnte in ganz Lüttich, welche damals schon blühende und reiche Stadt er auf einer seiner Reisen(1333) besucht hatte, keinen Abschreiber für den alten Codex von Ciceros Schrift de officiis, welchen er dort entdeckt hatte, finden; als er sich selbst zum Abschreiben desselben entschlofs, fand er nur mit gröfster Not eine Flüssig- keit, welche einigermafsen für Tinte gelten konnte. Um die griechischen Handschriften, welche im Kloster Monte- casino vorhanden waren, besichtigen zu können, mufste Boccaccio auf einer Leiter in einen fensterlosen Speicher steigen, wo die Rollen in gröfster Unordnung, unter Schmutz und Staub vergraben, durcheinander lagen.