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Es war eine Schwäche der Gelehrten dieser Zeit, dals sie sich ihres ehrlichen Familien- namens schämten, besonders, wenn er ein wenig gewöhnlich klang, und sich einen barock tönenden latinisierten oder ins Griechische übersetzten Namen beilegten. Konrad Scheffer, welcher im Marktflecken Wipfeld bei Schweinfurt geboren war, nannte sich Celtes oder Celtis, weil er sich damit als einen Franken bezeichnen wollte, aber dabei leider die Franken mit den Galliern oder Celten verwechselte. Der Arzt und Dichter Euricius Cordus wählte sich den Namen Cordus(Grummet), weil er der spàt geborene Sohn eines Bauers war. Helius Eobanus Hessus hieſs ursprünglich(nach Krauses Forschungen) Koch; Vincentius Opsopoeus desgleichen, nach L. Schiller¹) jedoch soll letzterer Heidnecker geheiſsen haben. Andere gefielen sich darin, ihren deutschen oder niederländischen Namen durch Anhängung der lateinischen Endsilbe ungeheuer- lich zu machen, wie Murmelius, Snabelius, Schuræzfleischius, Cuyckius, Buytewechius u. S. w. Wegen dieser Ubersetzungen und Veränderungen ist in vielen Fällen der unverfälschte Familien- name nicht mehr zu erkennen.
Modius hieſs vielleicht mit seinem flämischen Familiennamen Mud(niederdeutsch mud, französisch muid, vom lateinischen modius herstammend); allein Modius könnte freilich eben so gut eine Ubersetzung des flämischen schepel(Scheffel) sein ²).
Modius studierte beide Rechte zuerst in Löwen, dessen Hochschule von den Jesuiten zum höchsten Flor gebracht worden war, so daſs sie im 16. Jahrhundert über 6000 Studenten zählte, sodann auf der Universität, welche Philipp II. zu Douai gegründet hatte, um seine wallonischen Untertanen von dem Besuche französischer Universitäten abzuhalten. Auch das rasche Emporstreben der Hochschule zu Douai ward vor allem der Lehrthätigkeit des Jesuitencollegiums zugeschrieben, welches daselbst von dem Abte von Anchin Johann Lentailleur gestiftet und im Jahre 1568
an der Universität zu Douai erhielt. Er ist auch Verfasser von Matthaeus et Machabaeus. s. Constantia, tragoediae sacrae. Duaci 1587.(K. Goedeckes Grundrifz I, S. 137.)
¹) Die Ansbacher gelehrten Schulen unter Markgraf Georg von Brandenburg. Programm der k. Studien- anstalt zu Ansbach zur Schlufsfeier des Jahres 1874—75, Seite 7.
²) In den von Zeitgenossen und Freunden zu seinem Lobe verfafsten Gedichten kommen mehrfach Wortspiele mit seinem Namen vor, z. B. unter seinem Porträt im Thesaurus virtutis des Boissardus befindet sich ein solches Distichon, welches wir später mitteilen werden. Der Rechtsgelehrte Paschasius Brismann, kaiserlicher Advocat zu Speier, richtete an Modius drei Gedichte; am Schlufs des ersten heifst es:
At tibi bene sit, MODI, Catulli Dulcis aemule, magni alumne Phoebi; Nec modum facias, Modi, sed ultra Perge alacrius, aureumque nostrum Seclum orna aureolis tuis libellis. Das dritte lautet:. Postera dum cultos modulos venerabitur aetas Sive Catulle tuos, sive Tibulle tuos; Par, vel major erit tibi laus spargetque per orbem Fama tuos cultos, culte M0DI, modulos. Unus habes istis quaecumque dedére duobus Munera Pierides vatibus, unus habes. (Novantiquae Lectiones, p. 516. Epist. CXVIII. Franc. Modius Jano Gulielmio).


