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dem Hochdeutschen gleich vornehm fremd blieb. Trithemius, Reuchlin, Pirkheimer, Bebel, Wimpfeling und viele andere schrieben nur lateinisch; wenn Hutten in seiner Muttersprache dichtete, wie holperig klingen seine Verse im Vergleich mit dem geschmeidigen Stil seiner lateinischen Schriften! Nikodemus Frischlin schrieb begreiflicher Weise seine Stücke lieber in elegantem Latein als in dem unbehilflichen Deutsch seiner Zeit.
In Flandern, welches 1384 den Herzogen von Burgund zufiel, wurde durch diese fremden Machthaber das Französische als Hof- und Gerichtssprache eingeführt, wiewohl die Volkssprache dadurch nicht berührt wurde, und auch die flämische Volksdichtung, wenn auch ihrem Verfall entgegengehend, doch noch Blüten trieb.
Die Versammlungen der Rederijker(vom französischen rhétoricien, damals gleichbedeutend mit Dichter) waren mit reger Teilname von dem Adel und den Bürgern besucht. Von ihnen wurden Schauspiele verfaſst und aufgeführt, welche den nationalen Sinn pflegten und sich groſser Einwirkung auf das Volk erfreuten. Es konnte nicht ausbleiben, dals diese Litteratur in dem bewegten 16. Jahrhundert eine politische und religiöse Farbung annahm, welche in den süd- lichen Provinzen der Niederlande unter der spanischen Herrschaft notwendig mit dem Nieder- treten und Ausrotten aller dieser Blüten des Volksgeistes endigte. Alba führte eine strenge Büchercensur durch ein besonderes Edict ein. Ein eigens dazu bestellter und vereidigter Prototypographus oder Hauptdrucker hatte alle Buchdrucker und ihre Gehilfen zu examinieren und approbieren. Diese mufsten vom Bischof der Provinz oder von dessen Vicar ein Zeugnis über ihr kirchliches, vom Magistrat oder der Districtsobrigkeit über ihr sittliches Verhalten beibringen. Nur approbierte Gesellen durften von den Meistern als Setzer angenommen, alle Lehrlinge mufsten sofort bei ihrem Eintritt in die Druckerei angemeldet werden. Auch die Correctoren mufsten sich einer Sitten-, Glaubens- und Sprachprüfung unterwerfen. Ohne des
wurde. Durch die burgundische Herrschaft(von 1383 bis 1477) war die Fortbildung der nationalen Sprache und Literatur in ihrem innersten Leben gekränkt und erschlafft und versank in halbfranzösische Barbarei*). An gutem Willen und teutscher Gesinnung hat es dem Kaiser Maximilian I. nicht gefehlt(er verstand aber durchaus nicht die richtigen Mittel anzuwenden!), auch nicht an Liebe zum Niederländischen, dessen Erlernung er seinem Enkel Karl V. ausdrücklich einschärfte**), aber er fand ein Volk, das durch französische Herrschaft verbildet und bestimmt war, auf zweihundert Jahre unter spanische Herrschaft zu gerathen. Karl V. hatte in seiner Jugend nicht einmal teutsch gelernt**), und eben so wenig haben sich seine Nachfolger um das Niederländische gekümmert, welches sich selbst überlassen blieb, u. s. w.
Volk benannten, etc.
r) Die Regentin Margareta sagt 1519 von ihrem Neffen Karl V.„il ne scauroit escripre aleman“, aber im nämlichen Jahre hat er es noch gelernt. Anz. V. 28. 403.— Aber hochdeutsch hat er nie sprechen können, denn dem Landgrafen Philipp von Hessen rief er am 19. Juni 1547 im grossen Saale der s. g. Residenz in Halle zu: „Wel, ik zal u leeren lachen!“ was Bartholomäus Sastrow(II, S. 29) in sein Plattdeutsch übersetzt hat:„Wöll ich sow dy lachen leren.“
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