Aufsatz 
Franciscus Modius, Rechtsgelehrter, Philologe und Dichter, der Konrektor Sigmund Feyerabends. Eine kulturgeschichtliche Studie
Entstehung
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borenen Charakter unter der Gewalt der Motive stehend, wie von einer geheimen Macht gelenkt erscheint. Der Prophet Jeremias(x, 23) drückt dies mit folgenden Worten aus:Des Menschen Thun steht nicht in seiner Gewalt, und stehet in niemandes Macht, wie er wandele, oder seinen Gang richte.Ducunt volentem fata, nolentem trahunt, sagt Seneca.

Alle Zeitumstände hatten sich vereinigt, um die seit dem 14. Jahrhundert in Verfall geratene Nationallitteratur in Deutschland und in den Niederlanden vollends zu zerrütten und der griechisch-römischen Philologie, welche seit der Mitte des 15. Jahrhunderts von ltalien herübergedrungen war, im 16. Jahrhundert endgültig die Herrschaft zu verschaffen. Zu diesem Siege verhalf ihr namentlich auch die Erfindung der Buchdruckerkunst, durch welche die Dichtung aus einer im Volk und in der mündlichen Ubung lebenden zu einer papiernen wurde. Nicht minder begünstigte die gleichgültige, ja antinationale Gesinnung der Herrscher über beide Länder diese Strömung. Maximilian I. war viel mehr Ritter als Kaiser und Regent; aber auch sein Rittertum ist donquijotisch angehaucht, wie es sein Teuerdank bezeugt, welches wunderliche Reimwerk er selbst mit Hilfe seines Hofkaplans Melchior Pfinzing verfaſste. Ganz unbegreiflich ist es, dafs Maximilian, welcher doch genug Unbilden von den Franzosen erfahren hatte, nach dem Tode seines Sohnes Philipp die Erziehung seines Enkels Karl einem Manne aunvertraute, dessen Haus aus der Picardie stammte, und welcher durchaus französisch gesinnt, den französischen Königen Karl VIII. und Ludwig XII. die eifrigsten Dienste geleistet hatte, so daſs selbst Franzosen wie du Bellay, der Präsident, Hénault und andere behaupteten, weil sie das Rätsel nicht anders lösen konnten, der Erzherzog Philipp habe in seinem Testamente den Wunsch ausgesprochen, der König von Frankreich möge sich der Erziehung seines Sohnes annehmen, worauf Ludwig XII. seinen ergebenen Diener Wilhelm von Croy, Herrn von Chièvres, zu diesem wichtigen Amt ernannt habe. Auch bis zum letzten Atemzuge wahrte Croy die Interessen Frankreichs; ja als er dieselben gefährdet und zugleich seinen Einflufs auf seinen Zögling schwinden sah, soll der Kummer darüber seinen Tod beschleunigt haben. Der habsüchtige und bestechliche Croy hatte Karl seiner Autoritat in demselben Maſse unterworfen, wie später Mazarin Ludwig XIV. unter seiner Vormundschaft hielt. Durch einen so unglücklich gewählten Erzieher war der deutsche Kaiser Karl V., gewiſs nicht zum Heile der deutschen Nation, ein verwelschter Fläming geworden. Seine Staats- wie seine Familiencorrespondenz führte er französisch, wie auch sein Bruder Ferdinand, welcher wohl auſserdem zuweilen spanisch schrieb; Karl V. wollte ja deutsch nur mit seinem Pferde sprechen. Durch ihn wurde das Französische die amtliche Sprache der Diplomaten und Staatsmänner und die Umgangssprache der höheren Gesellschaft schon längst vor dem Jahrhundert Ludwigs XIV. ¹)

Wie Karl V. der Vertreter des antinationalen Kosmopolitismus auf dem Throne, so War es an seinem Gelehrtenpult Erasmus, welcher dem Niederdeutschen, seiner Muttersprache, wie

¹) Franz Joseph Mone(Ubersicht der niederländischen Volks-Literatur älterer Zeit S. 4 f.§ 4) sagt:Durch das Aussterben der grävlichen und fürstlichen Häuser und die Vereinigung der Niederlande unter einer Dynastie hätte sich eine allgemeine Schriftsprache vollkommen ausbilden können, aber das Land hatte das Unglück, dafs es nach dem Erlöschen seiner einheimischen Fürstengeschlechter ausländischen, unteutschen Regenten zu Theil