Aufsatz 
Franciscus Modius, Rechtsgelehrter, Philologe und Dichter, der Konrektor Sigmund Feyerabends. Eine kulturgeschichtliche Studie
Entstehung
Einzelbild herunterladen

FRANCISCUS MODIUs.

Rechtsgelehrter, Philologe und Dichter,

der Corrector Sigmund Feyerabends.

Eine kulturgeschichtliche Studie

von

G. K. Wilhelm Seibt.

Franz Modius ist ursprünglich in der Kulturgeschichte unserer Vaterstadt nur als Corrector Sigmund Feyerabends bekannt geworden durch die dürftigen, zum Teil unrichtigen Notizen, welche von ihm in Lersners Chronik und Kirchners Geschichte der Stadt Frankfurt am Main verzeichnet sind.

Über die Wichtigkeit der tüchtigen Correctoren für den Buchdruck und folglich für Wissenschaft und Litteratur ist eine ganze Reihe von Werken vorhanden, deren Aufzählung hier zu weit führen würde.

Aber das Leben des Modius war nicht bloſs das Stillleben eines fleifsigen Gelehrten in seiner Studierstube wie das des Friedrich Sylburg; es war ein äulfserst bewegtes mit einem weiteren Horizonte, ja sogar einem historischen Hintergrunde. Sein ganzes Dichten und Trachten wurde beherrscht und gelenkt von zwei mächtigen Leidenschaften: von der glühendsten Vater- landsliebe und von einer bis zur Schwärmerei sich steigernden Verehrung der altklassischen Litteratur, von einem wahren Heiſshunger nach alten Handschriften vorzugsweise römischer, aber auch griechischer Autoren.

Die unauslöschliche Sehnsucht nach dem Vaterlande ist dem Tiefländer wie dem Hoch- länder eigen. Wenn das Heimweh des letzteren seinen poetischen Ausdruck in folgender Strophe des rührenden Volksliedes findet:

Zu Straſsburg auf der Schanz

Da ging mein Trauern an;

Das Alphorn hört' ich drüben wol anstimmen,

Ins Vaterland muſst' ich hinüberschwimmen:

Das ging nicht an, so ist der Aufschrei des Schiffskapitäns van der Decken nicht minder ergreifend:Komme ich jemals zurück nach Amsterdam, so will ich dort lieber ein Stein werden an irgend einer Straſsen- ecke, als dafs ich jemals die Stadt wieder verlasse!

Auch in dem Lebenslaufe des Modius müssen wir wieder erkennen, daſs trotz aller schein-

baren Freiheit des Willens der Mensch, wie der Weise von Frankfurt sagt, mit seinem ange- 1