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Vor allen übrigen Feyerabend'ſchen Drucken, welche der ſchonen Litteratur angehoren, verdient neben dem Heldenbuche beſonders das Buch der Liebe unſere Aufmerkſamkeit. Der Verlag dieſes ebenfalls mit Holzſchnitten gezierten Folianten gehört mehreren Mitgliedern der Familie Feyerabend an. Auf dem umfangreichen Titel, welcher über drei hundert Worte zählt, ſteht: In gegenwertiger Form vynd zierlicher Teutſcher Sprach mit kurtzen verſtändtlichen Summarien vber alle Capitel, auch ſchönen Figuren auffs new zugericht, vnd in Truck geben, dergleichen vor nie geſehen.— Franckfurt am Meyn, in Verlegung Sigmund Carln Feyerabendts. MDLXXXVII. Dagegen lautet es am Ende: Gedruckt zu Franckfort am Mayn, bei Johann Feyerabendt, in verlegung Sigmund Feyerabendts. M. D. LXXXVII. Es enthält 1. Kaiſer Octavianus, 2. die ſchöne Magelone, 3. Ritter Galmy, 4. Triſtan und Iſolde, 5. Camillus und Emilie, 6. Florio und Bianceffora, 7. Theagenes und Chariklea, 8. Gabriotto und Reinhart, 9. Meluſine, 10. Spiegel der Tugend, 11. Pontus und Si⸗ donia, 12. Herzog Herpin, 13. Wigalois.
Die meiſten dieſer Romane ſind aus dem Franzoöſiſchen überſetzt; ſo Octavian, Magelone, Meluſine, Pontus und Sidonia u. ſ. w., Camillus und Emilie iſt eine geringe Bearbeitung des Ro⸗ mans von Aeneas Sylvius Piccolomini(Pius II.): Euriolus und Lucretia, welchen 1462 Nikolaus von Wyle in ſeinen„Tütſchungen“ aus dem Lateiniſchen übertrug. Theagenes und Chariklea, der griechiſche Roman des Heliodoros von Emeſa, ſcheint mir nicht nach dem Originale, ſondern nach der franzöſiſchen Überſetzung des Jacques Amyot bearbeitet zu ſein, welche in erſter Ausgabe(in folio) zu Paris bei Sertenas 1547 erſchien.(Vergl. Brunet, Manuel du Libraire.)
Von den alten Ritterepen ſind nur Triſtan und Wigalois als proſaiſche Erzählungen auf⸗ genommen worden. Die„wunderbarliche vnnd faſt luſtig Hiſtori, von Herr Triſtrant vnd der ſchönen Iſalden“ iſt nicht nach Gottfrieds von Straßburg Meiſterwerk, ſondern nach der Dichtung Eilharts von Oberg in Proſa„von der Leute wegen gebracht, die ſolcher gereimter Bücher nicht Gnade hätten.“
Wenn auch dieſe Überſetzungen und Bearbeitungen zum Theil ſchon im 15. Jahrhundert ſtatt⸗ fanden, ſo ſind in ihnen doch ſchon die Spuren des Bombaſtes vorhanden, der in den 24 Buchern des Amadis einem Höhepunkte entgegenſtrebt, ſpäterhin aber in den Romanen der zweiten ſchleſiſchen Schule bis in die Wolken gipfelt. Die Sprache im Buch der Liebe, noch mehr die des Amadis erinnert an die Modetracht der damaligen Zeit, wenn auch noch ſo viel von altritterlichen Tioſten und Eiſenharniſchen darin erzählt wird. Wie die Cavaliere mit ſteifer Halskrauſe,„das Mäntelchen von ſtarrer Seide“ auf der linken Schulter, die übrige Kleidung ausgepolſtert und ſtraff anliegend, wie die Damen mit hohen Schulterwulſten und im glockenförmigen Reifrock ſchreitet die Sprache mit ceremonieller Grandezza im Amadis einher, trotz der mehrfachen Umbildung durch die franzöſiſche, und noch einmal die deutſche Überſetzung in ihren hofiſch zierlichen Redensarten das ſpaniſche Vorbild ver⸗ rathend. Man ſehe ſich nur die Holzſchnitte in dieſen Büchern an, und man wird ſofort die Über⸗ einſtimmung zwiſchen Modetracht und Modeſprache herausfühlen. Dieſer nach dem damaligen Ge⸗ ſchmacke wohlgeſetzte ariſtokratiſche Stil fand ſo allgemeinen Beifall, daß ein Auszug aus dem Amadis Guerſt in Paris, 1560) erſchien, um den galanten Ton auch in das Leben und in die Umgangs⸗ ſprache einzuführen. Dieſer Auszug war nur aus zwölf Buchern des Amadis gemacht worden, bald aber folgten Ausgaben, die noch die weiteren Bücher ausbeuteten, ſo z. B. die folgende:


